Benthullen
Benthullen Gemeinde Wardenburg
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| Koordinaten: | 53° 2′ N, 8° 6′ O | |
| Höhe: | 14 m ü. NHN | |
| Einwohner: | 553 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Postleitzahl: | 26203 | |
| Vorwahl: | 04407 | |
Lage von Benthullen in Niedersachsen
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Benthullen ist ein Dorf in der Gemeinde Wardenburg im Landkreis Oldenburg im nordwestlichen Niedersachsen. Die Siedlung entstand in den 1930er Jahren im Zuge der Moorkolonisierung.
Geographie
Benthullen liegt im Nordwesten des Naturparks Wildeshauser Geest und etwa 15km südlich der Stadt Oldenburg. Wardenburg als Ortskern der Gemeinde befindet sich etwa 7,5km nordöstlich des Dorfes. Nördlich der Ortslage befindet sich das Benthullener Moor.
Der Ort befindet sich direkt an der Grenze der Gemeinde Wardenburg zur Gemeinde Bösel, welche sich bereits im Landkreis Cloppenburg befindet. Somit stellt diese Grenze auch eine Konfessionsgrenze dar.

In näherer Umgebung befinden sich die Dörfer Charlottendorf West im Südosten, Achternholt im Nordosten, Harbern II im Norden sowie Kartzfehn und Petersdorf im Südwesten von Benthullen.
Geschichte
Entstehung der Moorkolonie Benthullen
Das Dorf Benthullen wurde 1934 gegründet.[2] Bereits ab 1908 wurden Gräben durch das meterdicke Moor in Richtung des damaligen Hunte-Ems-Kanals gegraben, um es langfristig kultivierbar zu machen und Torf abzubauen.[3][4]
Anfang der 1930er war das Areal des heutigen Dorfes ein reines Sumpfgebiet. Im Frühsommer 1933 starteten die Erkundungen, um an dieser Stelle das Moor zu kolonialisieren. Am Dortmunderweg entstanden in den folgenden Monaten Unterkünfte für rund 200 Männer des Freiwilligen Arbeitsdienstes, die überwiegend aus dem saarländischen Völklingen kamen. Die Arbeiter hatten Moorflächen zu trocknen und einen Verbindungsweg nach Harbern II zu errichten, der in Erinnerung daran heute Saarländer Weg heißt.[3]
Für die Errichtung einer Siedlung wurden zwölf Hektar mit 29 Höfen ausgeschrieben, worauf sich 40 Landwirte aus der Region um Oldenburg, dem Ammerland und der Wesermarsch bewarben. Die Auswahl traf die Kreisbauernschaft.
„Nicht [in Benthullen] siedeln konnte, wer kein positives Verhältnis zum nationalsozialistischen Staat hatte, wer nach rassischen Merkmalen nicht nordisch oder fälisch war, wer nicht erbgesund war, wer nicht Moorerfahrung hatte und wer nicht einiges Vermögen als Anfangskapital beisteuern konnte. Eine Auswahl also wie bei einer Tierschau, mit Stammbaum und Leistungsnachweis.“
Die Stelle wo der Saarländer Weg auf die alte Handelsroute zwischen Oldenburg und Petersdorf traf, der heutigen Böseler Straße, wurde Mittelpunkt des neuen Dorfes. Demnach entstand Benthullen nach dem Reißbrettprinzip, was noch heute am Häuser- und Straßenverlauf erkennbar ist.[3][4]
Im Mai 1934 konnten die ersten vier Landwirte ihre Wirtschaften beziehen, es handelte sich um die Familien von Heinrich Wulf, Peter Pargmann, Diedrich Bliefernich und Diedrich Meyer. Die Fundamente der Häuser bestehen aus steinernen Pfeilern, welche ins Moor gerammt wurden. Benannt wurde die Siedlung nach dem in der Region typischen Bentgras.[3]
1935 entstand eine kleine Schule im Dorf, die bis 1945 vom Lehrer Gerhard Meyer geführt wurde.[6] Im März 1938 wurde Benthullen an das örtliche Stromnetz angeschlossen, indem eine Leitung von Littel aus direkt durch das Moor in die neue Siedlung gelegt wurde.[7]
Benthullen im Nationalsozialismus
Benthullener Reichsarbeitsdienst 1935 bis 1945
Der Freiwillige Arbeitsdienst wurde 1935 eingestellt, stattdessen wurde trat der Reichsarbeitsdienst (RAD) an dessen Stelle. Die lokale NSDAP plante Benthullen als Propagandaprojekt zur „größten Kolonie Norddeutschlands“ zu machen.[3] In Benthullen entstand die „RAD-Abteilung 3/190“, dessen Arbeiter das Benthullener Moor entwässerten, einen Vorfluter erstellten, Straßen anlegten und Erdarbeiten für den Bau von Häusern verrichten. Die Arbeiter waren in Baracken untergebracht. Im Oktober 1935 eröffneten Ministerpräsident Georg Joel sowie Ministerialrat Richard Tantzen in Benthullen ein Lager des weiblichen Reichsarbeitsdienstes für junge Arbeiterinnen unter 20 Jahren.[6]
Die Lebens- und Arbeitsbedingungen im Benthullener Reichsarbeitsdienstes wurden von Zeitzeuginnen als schwierig beschrieben, so erinnerte sich Gudula Budke an starke Kälte, mangelnder Lebensmittelausgabe trotz gefüllten Vorräten und einer strengen Lagerführerin. Als sich im Januar 1945 etwa 40 junge, deutsche Frauen im Lager befanden und die Gelbsucht ausbrach, wurde jegliche medizinische Hilfe verwehrt. Als sich im April 1945 alliierte Truppen näherten, wurde das RAD-Lager geräumt und die Arbeiterinnen zu Fuß nach Hause geschickt.[6]
Zwangsarbeit in Benthullen
Im Zweiten Weltkrieg wurden in den Baracken des Reichsarbeitsdienstes Kriegsgefangene und Zwangsarbeitende untergebracht, die zumeist französisch und russisch waren.[6] Ab 1942 wurde ein Kriegsgefangenlager auf dem Gelände der Benthullener landwirtschaftlichen Waren- und Maschinengenossenschaft errichtet. Im Jahr 1944 befanden sich 150 Zwangsarbeitende im Gemeindegebiet, davon ein nicht unbedeutender Teil im Lager von Benthullen.[8]
Nachkriegszeit seit 1945
Der Meteorit Benthullen wurde zwischen 1944 und 1948 gefunden. Das Datum der Entdeckung kann nicht genau festgelegt werden, da die Angaben hierzu schwanken. Er ist mit 17,25 kg der zweitgrößte Steinmeteorit Deutschlands. Er entstand vor 4,5 Milliarden Jahren und zählt zu den L-Chondriten der Gruppe 6. Zeitweise war er im Landesmuseum für Natur und Mensch in Oldenburg ausgestellt.[9] Ab den 1950ern wurde in der Landwirtschaft des Dorfes die Pferdekraft nach und nach durch die Motorisierung ersetzt.[2] Der Strukturwandel hatte seinen Höhepunkt in den 1970er Jahren, als die Landwirtschaft im Ort immer weiter zurückging.[4]

Eine Kirche in Benthullen wurde 1954 errichtet und im darauffolgenden Jahr fertig gestellt. Architekt war der Schierbroker Baurat Günter Loesch. Im Jahr 1956 baute Alfred Führer aus Wilhelmshaven eine neue Orgel in die Kirche ein, die sich bis heute dort befindet.[10]
Einwohnerentwicklung
Nach 1945 wuchs Benthullen durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen. Ende 2005 lebten in Benthullen Ost und Benthullen West 615 Einwohner (Haupt- und Nebenwohnungen),[11] Ende 2013 waren es 564 Einwohner,[12] bis Ende 2016 verringerte sich die Zahl dann auf 559.[13]
Kultur und Sehenswürdigkeiten

Moor- und Bauernmuseum
Als Anziehungspunkt für Benthullen hat sich das Moor- und Bauernmuseum entwickelt. Das Museum geht auf einen ehemaligen Siedlerhof zurück, der 1956 der sechsköpfigen Familie Berg durch das zuständige Siedlungsamt zugewiesen wurde.[14]
Nachdem das Wirtschaftsgebäude später leer stand, begann 1991 seine Restaurierung. Dabei wurden die auf dem Hof vorhandenen Geräte, Landmaschinen und Wagen instand gesetzt und aufbereitet. Auch der ehemalige Heuboden, die Stallungen und die Nebengebäude wurden für die spätere Nutzung umgebaut. Am 28. Juli 1998 wurde das Museum unter dem Dach des Bürger- und Heimatvereins Benthullen-Harbern eröffnet.[14]
Das Museum beherbergt eine Sammlung landwirtschaftlicher und handwerklicher Geräte, Kleidungsstücke sowie Gegenstände aus Freizeit, Haushalt und Alltagsleben der 1950er Jahre. Die Ausstellung vermittelt Einblicke in die Geschichte des Moores sowie in die Entwicklung der Landwirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens in der Region seit der Mitte des 20. Jahrhunderts.[15]
Seit 2013 wird im Außenbereich des Museums eine etwa 5000 Jahre alte Eiche präsentiert, die im Moor von Charlottendorf-West entdeckt wurde.[16]
Seit 2021 ist zudem das zuvor eigenständige Schreibmaschinenmuseum in den Räumlichkeiten des Moor- und Bauernmuseums untergebracht. Neben dem regulären Museumsbetrieb finden dort auch kulturelle Veranstaltungen wie beispielsweise der jährliche „Pfingstspaß im Moor“ statt. Zudem sind standesamtliche Trauungen möglich. Besichtigungen können nach vorheriger Vereinbarung erfolgen.[15][17]
Das Museum wurde seit 1998 bis 2024 vom Bürger- und Heimatverein Benthullen-Harbern ehrenamtlich betrieben. Im Jahr 2024 gründete sich ein eigenständiger Museumsverein, der seitdem die Leitung des Museums übernimmt.[14]
Vereine
- Boßel- und Sportverein Benthullen-Harbern, gegründet am 10. März 1949[18]
- Kegelgruppe „Beentsmieter“, gegründet am 8. Juli 1976[19]
- Volkstanzgruppe Benthullen, gegründet 1976[20]
- Bürger- und Heimatverein Benthullen-Harbern, gegründet am 17. Dezember 1984[21]
- Landjugend Benthullen-Harbern[22][23]
- Boßel- und Sportverein Benthullen-Harbern[20]
- Shantychor Benthullen-Harbern[20]
- Moor- und Bauernmuseum Benthullen, gegründet am 3. Juli 2024[14]
Regelmäßige Veranstaltung
In Benthullen wird die Tradition des Osterfeuers gepflegt. Das Osterfeuer Benthullens gilt deshalb als das größte Osterfeuer der Umgebung, da die Landjugend Benthullen-Harbern jedes Jahr ehrenamtlich die sogenannte Freiluftfete „Osterparty“ organisiert. Die Veranstaltung ist auf 850 Tickets begrenzt und meistens ausverkauft.[22][23]
Weblinks
- Benthullen. In: „Wardenburger Geschichten“
- Bürger- und Heimatverein Benthullen/Harbern II e.V.
- Website des Moor- und Bauernmuseums
Einzelnachweise
- ↑ Einwohnerzahl. Gemeinde Wardenburg, abgerufen am 19. Oktober 2025.
- ↑ a b Moor- und Bauernhausmuseum - Über uns. Moor- und Bauernmuseum Benthullen e.V., abgerufen am 3. Mai 2017.
- ↑ a b c d e Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 244–247.
- ↑ a b c Diedrich Oltmanns: Benthullen - das Dorf im Moor. In: Gemeindespiegel. Nr. 7. Wardenburg Juni 1973, S. 5.
- ↑ Gemeindespiegel Wardenburg Nr. 7, Juni 1973, S. 6
- ↑ a b c d Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 299–301.
- ↑ Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 295.
- ↑ Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 317–321.
- ↑ Landesmuseum zeigt größten Meteoriten „Benthullen“. In: NWZonline.de. 3. Februar 2020, abgerufen am 19. August 2026.
- ↑ Benthullen. Ev.-Luth. Kirche. In: Orgeln im Oldenburger Land. Abgerufen am 19. August 2026 (deutsch).
- ↑ Zahlen - Daten - Fakten, Einwohnerzahlen (Stand 31.12.2005) ( vom 7. November 2007 im Internet Archive)
- ↑ Gemeinde Wardenburg, Einwohnerzahl, Ortschaft (Stand 31.12.2013) ( vom 29. November 2014 im Internet Archive)
- ↑ Gemeinde Wardenburg, Einwohnerzahl (Stand 31.12.2016) ( vom 12. September 2017 im Internet Archive)
- ↑ a b c d Moor- und Bauernmuseum in Benthullen: Künftig ein eigenständiger Verein – Vorstand gewählt. In: NWZonline.de. 8. Juli 2024, abgerufen am 19. August 2026.
- ↑ a b Gemeindeleben. In: Freizeit & Kultur / Museen. Gemeinde Wardenburg, abgerufen am 19. Oktober 2025.
- ↑ Dendrochronologisches Gutachten der Georg-August-Universität Göttingen. 25. März 2013.
- ↑ Pfingstspaß im Moor: Viele Familien genießen sonnigen Tag in Benthullen – Alpakas erstmals zu Gast. In: NWZonline.de. 26. Mai 2026, abgerufen am 19. August 2026.
- ↑ Marén Bettmann: BSV Benthullen-Harbern: Mit dem Boßeln fing vor 75 Jahren alles an – Jubiläumsfeier. In: NWZonline.de. 5. August 2024, abgerufen am 19. August 2026.
- ↑ Marén Bettmann: Ein Kegelverein ohne Kegelbahn: Die „Beentsmieter“ aus Benthullen feiern nach 50 Jahren Jubiläum. In: NWZonline.de. 7. Juli 2026, abgerufen am 19. August 2026.
- ↑ a b c Vereine und Initiativen in der Gemeinde Wardenburg. Abgerufen am 19. August 2026.
- ↑ Satzung. Bürger- und Heimatvereins Benthullen-Harbern II e.V., 20. März 2026, S. 8 (bv-benthullen-harbern.com [PDF]).
- ↑ a b Jan-Michael Heimann: Osterparty in Benthullen-Harbern schon ausverkauft. In: NWZonline.de. 30. März 2022, abgerufen am 19. August 2026.
- ↑ a b Osterfeuer der Landjugend Benthullen-Harbern: Zeltfete bereits ausverkauft. In: NWZonline.de. 5. März 2024, abgerufen am 19. August 2026.
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