U 274

U 274
(alle U-Boote)
Typ: VII/C
Feldpostnummer: 49 305
Werft: Bremer Vulkan, Vegesack
Bauauftrag: 10. April 1941
Baunummer: 039
Kiellegung: 9. Januar 1942
Stapellauf: 19. September 1942
Indienststellung: 7. November 1942
Kommandanten:

Günther Jordan

Flottillen:

8. U-Flottille 7. November 1942 – 31. Juli 1943

7. U-Flottille 1. August 1943 – 23. Oktober 1943

Einsätze: 2 Unternehmungen
Versenkungen:

Keine

Verbleib: Am 23. Oktober 1943 durch Wasserbomben versenkt, keine Überlebenden

U 274 war ein U-Boot vom Typ VII C, das von der deutschen Kriegsmarine während des U-Boot-Krieges im Zweiten Weltkrieg im Nordatlantik eingesetzt wurde.

Technische Daten

Die Vegesacker Werft wurde 1938 als Tochterunternehmen des Bremer Vulkan gegründet und war bereits vor Kriegsbeginn in das U-Bootbauprogramm der Kiegsmarine eingebunden. Der erste Bauauftrag an diese Werft erging im Juni 1938 und umfasste vier Boote. Ab Januar 1939 wurden regelmäßig Boote bei der Vegesacker Werft in Auftrag gegeben. U 274 gehörte zum achten Bauauftrag, der an diese Werft erging und insgesamt sechs Boote umfasste, alle vom Typ VII C.[1] Ein solches Boot war 66,4 m lang und führte üblicherweise 14 Torpedos mit sich. Zwei Dieselmotoren ermöglichten bei Überwasserfahrt eine Geschwindigkeit von 17 Knoten (31,6 km/h). Unter Wasser kamen zwei Elektromotoren zum Einsatz, die bis zu 7,6 Knoten Fahrt gewährleisteten.[2] Wie die meisten deutschen U-Boote seiner Zeit, so führte auch U 274 ein bootsspezifisches Zeichen am Turm, das von der Besatzung auch an Mützen und Schiffchen getragen wurde. Bei U 274 handelte es sich um einen stilisierten Adler mit einem Hakenkreuz vor der Brust.[3]

Einsätze

U 274 war von November 1942 bis Juli 1943 der 8. U-Flottille in Danzig als Ausbildungsboot zugeteilt. Ab dem 1. August 1943 war das Boot der 7. U-Flottille in St. Nazaire als Frontboot unterstellt. Am 18. August verlegte U 274 von Kiel nach Bergen, wo es am 16. August eintraf. Von Bergen lief das Boot am 24. August nach Trondheim aus, das es zwei Tage später erreichte.[4]

Eisschäden

Das Boot lief am 1. September 1943 von Trondheim zu seiner ersten Unternehmung in den Nordatlantik aus. Das Boot sollte durch das Europäische Nordmeer und das Polarmeer über die Dänemarkstraße in den Atlantik vordringen, wurde aber durch Treibeis so stark beschädigt, dass Kommandant Jordan umkehren lassen musste.[5] U 274 kehrte am 13. September nach Trondheim zurück.[4] Aufgrund der knappen Werftkapazitäten des deutschen Marinestützpunktes konnte das Boot erst einige Tage später wieder auslaufen. Ein ähnliches Schicksal hatte U 963 ereilt. Aufgrund der Erfahrungen dieser beiden Boote erteilte die U-Bootführung allen deutschen Nordmeer-Booten die Anweisung, die Dänemarkstraße zu meiden und stattdessen zwischen Island und den Färöer-Inseln in den Atlantik vorzudringen, was allerdings aufgrund der alliierten Luftüberwachung in diesem Seegebiet deutlich riskanter war und daher möglichst getaucht zu erfolgen hatte.[5] U 274 lief am 13. Oktober 1943 ein weiteres Mal von Trondheim in den Nordatlantik aus.[4]

U-Bootgruppe Siegfried

Bei diesem Einsatz war das Boot der U-Bootgruppe Siegfried zugeteilt, die nach den Maßgaben der von Karl Dönitz entwickelten Rudeltaktik Jagd auf alliierte Geleitzüge machte. Siegfried war am 24. Oktober aufgestellt worden und umfasste insgesamt 18 deutsche U-Boote. Allerdings waren die Alliierten über die Aufstellung und die Position der U-Bootgruppe unterrichtet und leiteten die Konvois, die sich auf dem Weg in das Vereinigte Königreich befanden, entsprechend um. Um einen Kampf mit den deutschen U-Booten zu provozieren, ohne schwerwiegende eigene Verluste zu riskieren, wurde allerdings der Konvoi ON 207, der sich ohne Ladung auf dem Weg von Liverpool nach Nordamerika befand, mit einer starken Geleitsicherung als "Köder" in das Seegebiet gelenkt, in dem die U-Bootgruppe Siegfried lauerte.[6] Die Schiffe wurden geschützt von der Support Group B-2 unter Frederic John Walker und der Support Group B-7, die von Peter Gretton vom Zerstörer HMS Duncan aus befehligt wurde. Die Geleitschiffe wurden unterstützt durch landgestützte Flugzeuge des Coastal Command.

Verbleib

HMS Duncan, Führungsschiff der Support Group B-7, war an der Versenkung von U 274 beteiligt

Am 23. Oktober 1943 wurde U 274 von einer B-24 "Liberator" der Squadron 224 der RAF entdeckt. Der Pilot attackierte das U-Boot mit mehreren Raketen, warf Nebelbojen ab und meldete seine Entdeckung. Anschließend beschoss das Flugzeug U 274 mit Maschinengewehren, woraufhin das U-Boot abtauchte.[6] In den dabei entstehenden Strudel warf die "Liberator" zwei Wasserbomben ab. Anschließend gelang es den beiden herbeigeeilten Zerstörern HMS Duncan und HMS Vidette, die zum Geleitschutz von ON 207 gehörten, das abgetauchte Boot mit ASDIC zu orten.[7]

Die beiden Zerstörer versenkten das Boot mit Wasserbomben.[8] Die Versenkung von U 274 wurde beiden Schiffen und dem Piloten der "Liberator" angerechnet.

Einzelnachweise

  1. Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 2: Der U-Boot-Bau auf deutschen Werften. 1997, S. 221.
  2. Bodo Herzog: Deutsche U-Boote 1906–1966, Karl Müller Verlag Erlangen 1996ISBN 3 86070 036 7, S. 196
  3. Georg Högel: Embleme, Wappen, Malings deutscher U-Boote 1939–1945, Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2009, ISBN 978 3 7822 1002 7, Seite 85
  4. a b c Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 2: Der U-Boot-Bau auf deutschen Werften. 1997, S. 467.
  5. a b Clay Blair: Der U-Boot-Krieg Die Gejagten 1942–1945, Wilhelm Heyne Verlag, München 1998, ISBN 3 453 16059 2, Seite 500
  6. a b Clay Blair: Der U-Boot-Krieg Die Gejagten 1942–1945, Wilhelm Heyne Verlag, München 1998, ISBN 3 453 16059 2, Seite 517
  7. Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 4: Deutsche U-Boot-Verluste von September 1939 bis Mai 1945. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 1999, ISBN 3-8132-0514-2, Seite 159–160
  8. Axel Niéstle: German U-Boot-Losses during World War II Details of Destruction, Frontline Books, Barsley 2014, ISBN 978-1-84832-210-3, Seite 51

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