Michèle Bennett

Michèle Bennett (rechts) mit Mutter Teresa

Michèle Bennett (* 15. Januar 1950 in Port-au-Prince) ist die Witwe des ehemaligen diktatorisch regierenden Präsidenten Haitis Jean-Claude Duvalier und war als solche vom 27. Mai 1980 bis zum 7. Februar 1986 First Lady Haitis.

Frühes Leben

Michèle Bennett wurde 1950 in Port-au-Prince als Tochter von Aurore (geb. Ligondé) und Ernest Bennett, einem haitianischen Unternehmer und Nachfahren von König Henri I., geboren.[1] Ihr Vater besaß mehr als 20.000 ha Land, auf denen er hauptsächlich Kaffee anbaute und 1.600 Landarbeiter beschäftigte, dazu weitere 900 in seinem Geschäft. Ihr Onkel war Haitis Erzbischof François-Wolff Ligondé.[2] Mit 15 Jahren zog Bennett nach New York, wo sie an der St. Mary’s School in Peekskill unterrichtet wurde. Anschließend arbeitete sie als Sekretärin in einer Firma im Garment District von New York City. 1973 heiratete sie Alix Pasquet Jr., den Sohn von Alix Pasquet, einem mulattischen Offizier und Tuskegee Airman, der 1958 einen Putschversuch gegen François Duvalier anführte. Mit Pasquet bekam sie zwei Kinder.[3] Nach ihrer Scheidung von Pasquet 1978 machte sie Karriere in der Öffentlichkeitsarbeit für ein gehobenes Hotel in Port-au-Prince.

Ehe mit Jean-Claude Duvalier

Michèle Bennett hatte Jean-Claude Duvalier in der High School kennengelernt,[4] 1980 heirateten sie. Ihre Hochzeit, Haitis gesellschaftliches Ereignis des Jahrzehnts, kostete noch nie dagewesene zwei Millionen US-Dollar und wurde von einer Mehrheit der Haitianer begeistert aufgenommen. Die Heirat stellte ein symbolisches Bündnis mit der Elite der mulattischen Bevölkerung dar, den Familien, gegen die Jean-Claude Duvaliers Vater opponiert hatte.[5]

Bennett bemühte sich zunächst um die Bevölkerung, indem sie Kleidung und Lebensmittel an Bedürftige verteilte sowie mehrere Kliniken und Schulen für die Armen eröffnete. In den sechs Wochen nach der Hochzeit tourten Michèle und Jean-Claude durch Haiti und tauchten unangemeldet auf Versammlungen, Marktplätzen und anderen Versammlungsorten auf, was ihnen fast überall anerkennende Blicke und Worte einbrachte. Bei einem Besuch in Haiti bemerkte Mutter Teresa, dass sie noch nie gesehen hatte, dass die armen Leute so vertraut mit ihrem Staatsoberhaupt waren wie mit Michèle.[6] Mit Jean-Claude bekam Michèle ihr drittes und viertes Kind.[7]

Durch die Ehe wurde Jean-Claude Duvaliers Mutter Simone Duvalier, die gegen die Heirat war, politisch ins Abseits gedrängt wurde, was wiederum neue Fraktionsallianzen innerhalb der herrschenden Gruppe schuf, da die duvalieristische Alte Garde der Meinung war, dass die Macht der neuen First Lady die ihres Mannes zu übertreffen schien. Während Jean-Claude Duvalier oft durch Kabinettssitzungen döste, tadelte seine Frau, frustriert über seine politische Unfähigkeit, die Minister selbst.[8]

Die Familie von Michèle Bennett wurde in der späteren Zeit der Diktatur von Jean-Claude Duvalier reich. Am Ende seiner fünfzehnjährigen Herrschaft waren Duvalier und seine Frau für ihre Korruption berühmt geworden. Der Nationalpalast wurde zum Schauplatz opulenter Kostümpartys, auf denen der junge Präsident einmal als türkischer Sultan verkleidet auftrat, um zehntausend Dollar teure Juwelen als Türpreise zu verteilen.

Während eines Besuchs in Haiti im Jahr 1983 erklärte Papst Johannes Paul II., dass sich „die Dinge in Haiti ändern müssen“, und er rief „alle, die Macht, Reichtum und Kultur haben, auf, damit sie die ernste und dringende Verantwortung verstehen, ihren Brüdern und Schwestern zu helfen“.[9] Bald darauf begann ein Volksaufstand gegen das Regime. Duvalier reagierte mit einer zehnprozentigen Senkung der Preise für Grundnahrungsmittel, der Schließung unabhängiger Radiosender, einer Kabinettsumbildung und einem harten Durchgreifen von Polizei- und Armeeeinheiten, aber diese Maßnahmen konnten die Dynamik des Volksaufstandes nicht dämpfen. Duvaliers Frau und seine Berater drängten ihn, die Rebellion niederzuschlagen, um im Amt zu bleiben. Als Reaktion auf die wachsende Opposition gegen 28 Jahre Duvalier-Herrschaft flohen die Duvaliers am 7. Februar 1986 in Begleitung von 19 weiteren Personen in einem US-amerikanischen Flugzeug aus dem aufständischen Land.

Exil

Die Regierungen von Griechenland, Spanien, der Schweiz, Gabun und Marokko lehnten die Asylanträge der Familie Duvalier ab. Frankreich stimmte zu, den Duvaliers eine vorübergehende Einreise zu gewähren, verweigerte ihnen aber ebenfalls das Asyl.[10]

Kurz nach ihrer Ankunft in Frankreich wurde ihr Haus im Rahmen einer Untersuchung zur Plünderung der haitianischen Staatskasse durchsucht. Bennett wurde dabei ertappt, wie sie versuchte, Unterlagen in einer Toilette herunterzuspülen. Ihre Papiere dokumentierten die jüngsten Ausgaben, darunter 168.780 US-Dollar für Givenchy-Kleidung, 270.200 Dollar für Boucheron-Schmuck und 9.752 Dollar für zwei Kinder-Pferdesättel bei Hermès.[11] 1987 wies ein französisches Zivilgericht die Klage Haitis gegen die Duvaliers ab, die die Duvaliers zur Rückzahlung von Geldern an Haiti verpflichten wollte.

1990 reichte Jean-Claude Duvalier in der Dominikanischen Republik die Scheidung von Bennett ein und warf ihr unmoralische Handlungen vor. Bennett, die zu dieser Zeit mit einem anderen Mann in Cannes lebte, focht die Entscheidung an und flog in die Dominikanische Republik, um eine Aufhebung zu erwirken. In einem dritten Gericht konnte ihr Mann sich durchsetzen. Ihr wurden Unterhaltszahlungen zugesprochen.

Nach dem Erdbeben in Haiti 2010 kehrte Bennett mit einem Such- und Rettungsteam nach Haiti zurück, um in den Trümmern des Hôtel Montana nach ihrem Bruder zu suchen.[12] Auch zur Beerdigung von Jean-Claude Duvalier am 11. Oktober 2014 kehrte sie nochmals nach Haiti zurück. Sie nahm mit ihren beiden Kindern aus ihrer Ehe in einer Kapelle auf dem Gelände einer Schule im Stadtteil Delmas von Port-au-Prince teil.[13]

Commons: Michèle Bennett – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Michael R. Hall: Historical Dictionary of Haiti. Scarecrow Press, 2012, ISBN 978-0-8108-7549-4 (google.de [abgerufen am 20. April 2021]).
  2. Democracy and Human Rights in Haiti. 22. August 2011, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 22. August 2011; abgerufen am 20. April 2021.
  3. Mark Danner Beyond the Mountains (Part III). Abgerufen am 20. April 2021.
  4. Haitians wonder which advisers will have Duvalier's ear. In: Christian Science Monitor. 15. Juli 1980, ISSN 0882-7729 (csmonitor.com [abgerufen am 20. April 2021]).
  5. Baby Doc's Bride Wins Power. Abgerufen am 20. April 2021.
  6. David Aikman: Great Souls: Six Who Changed a Century. Lexington Books, 2003, ISBN 978-0-7391-0438-5 (google.de [abgerufen am 20. April 2021]).
  7. Bella Stumbo: Powerful, Chic First Lady Generous to Poor, Herself : Haiti's 'Baby Doc' Governs in Isolation. In: Los Angeles Times. 17. Dezember 1985, abgerufen am 20. April 2021 (amerikanisches Englisch).
  8. Haiti Bad Times for Baby Doc - TIME. 30. März 2009, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 30. März 2009; abgerufen am 20. April 2021.
  9. Things in Haiti must change. Abgerufen am 20. April 2021.
  10. John Moody, Bernard Diederich: Haiti End of the Duvalier Era. In: Time. 17. Februar 1986, archiviert vom Original am 23. Mai 2010; abgerufen am 20. April 2021 (englisch).
  11. Marjorie Valbrun: Exile in France Takes Toll On Ex-Tyrant ‘Baby Doc’. In: The Wall Street Journal. 16. April 2003, archiviert vom Original am 10. September 2015; abgerufen am 20. April 2021 (englisch, wiedergegeben auf wehaitians.com).
  12. Deborah Sontag: Haiti Emerges From Its Shock, and Tears Roll. In: nytimes.com. 15. Februar 2010, archiviert vom Original am 17. Juni 2011; abgerufen am 7. Februar 2026 (englisch).
  13. Evens Sanon: Hundreds in Haiti attend funeral for former dictator ‘Baby Doc’ Duvalier. In: thestar.com. 11. Oktober 2014, archiviert vom Original am 17. Oktober 2014; abgerufen am 7. Februar 2026 (englisch).

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