Tremsdorf

Tremsdorf
Gemeinde Nuthetal
Koordinaten: 52° 16′ N, 13° 7′ OKoordinaten: 52° 16′ 17″ N, 13° 7′ 5″ O
Höhe: 36 m
Einwohner: 239 (Mai 2024)[1]
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 14558
Vorwahl: 033205
Bild von Tremsdorf

Tremsdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Nuthetal im brandenburgischen Landkreis Potsdam-Mittelmark und befindet sich am westlichen Rand des Naturschutzgebietes Nuthe-Nieplitz-Niederung. Es handelt sich um ein Straßendorf. Tremsdorf ist der einzige Nuthetaler Ortsteil, der südlich der A 10 liegt.

Geschichte

12. bis 15. Jahrhundert

Alte Dorfschule

Der genaue Zeitpunkt der Entstehung des Ortes ist nicht bekannt, dürfte aber auf den Beginn des 12. Jahrhunderts zu datieren sein. Der Ort entstand dabei durch den Zusammenschluss mehrerer kleiner Siedlungen einzelner in der Gegend niedergelassener Sippen. Tremsdorf wurde 1375 im Landbuch Karls IV. erstmals als Trebinstorf, Trebenstorff, Trebenstorf beziehungsweise Trebenstorp erwähnt.[2] Im Jahr 1375 umfasste die Feldmark 13 Hufen, von denen der Dorfschulze als Lehnschulze zwei Hufen bewirtschaftete; daneben bestanden sechs Kossätenstellen. Für 1450 sind weiterhin 13 Hufen nachgewiesen; der Ort wurde damals als Trepestorff bezeichnet.[3] Benannt ist der Ort nach einem Mann mit dem slawischen Personennamen Treben.[4] Tremsdorf war ursprünglich ein Fischerdorf am nördlichen Ende des Grössinsees und besaß die Fischereirechte für den Grössinsee. Ab 1474 waren die Bewohner des Dorfes verpflichtet durch die Neuanlage von Salinen Salzgewinnung zu betreiben, um zur Versorgung des kurfürstlichen Hofes beizutragen. Mit der Zeit verloren die Salinen jedoch an Bedeutung und wurden im Dreißigjährigen Krieg aufgegeben.

16. Jahrhundert

Bei einer Visitation im Jahr 1541 wurde verzeichnet, dass der Pfarrer jährlich zwölf Scheffel Roggen erhielt, während dem Küster 21 Brote und Ostereier zustanden.[5] 1545 werden ein Schulze und elf Einwohner genannt. Bei einer Erhebung von 1576 besaß der Lehnschulze drei Hufen, von denen zwei frei waren. Daneben lebten im Dorf fünf Zweihufner und sechs Kossäten, deren Landbesitz zwischen etwa sechs und zwölf Hufenmorgen schwankte. Außerdem wird ein Küster erwähnt.[3]

17. Jahrhundert

1616 bestand Tremsdorf aus dem Schulzen, fünf Hufnern, sechs Kossäten und zwei Büdnern. Kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg wurden 1624 sechs Hufner, sechseinhalb Kossäten, ein Hirte und ein Paar Hausleute bei insgesamt 13 Hufen verzeichnet. Die Kriegsfolgen führten zu einem deutlichen Bevölkerungsverlust; 1652 wurden lediglich vier Hufner, darunter der Schulze, sieben Kossäten und insgesamt zwölf Personen genannt. 1687 bestanden wieder ein Dreihufner als Schulze, fünf Zweihufner, sechseinhalb Kossäten, ein Schankkrüger, ein Leineweber, ein Budenmann sowie ein Kuhhirte. Sämtliche 13 Hufen waren damals kontribuabel; jede Hufe wurde mit zehn Scheffel Sommer- und zehn Scheffel Wintersaat angesetzt.[3]

18. Jahrhundert

1745 wurden sechs Bauern und sechs Kossäten gezählt. Im Jahr 1757 bestanden sechs Bauernstellen, darunter ein Erbschulze mit drei Hufen und fünf Zweihufner, ferner sechs Kossäten, sechs Büdner, sechs neu angelegte Büdnerstellen sowie zwei Paar Hausleute. 1772 sind ein Freischulze, sechs Bauern, elf Kossäten und eine Schmiede nachgewiesen.[3] Die Einwohnerzahl belief sich in diesem Jahr auf 136 Personen.[5] Rund um den Ort wurden zunehmend Ackerflächen durch Melioration gewonnen, mit der zu Zeiten von Friedrich II. begonnen wurde. Vorwiegend wurde Viehwirtschaft betrieben. Durch stehendes, flaches Wasser verwandelten sich viele Flächen in Moor und waren für Getreideanbau nicht geeignet. Bis heute ist das Gebiet hinter dem Backofenberg in der Nähe von Tremsdorf (Richtung Saarmund) Moor, das sogenannte Venn. Der Legende nach soll auf dem Backofenberg, dessen Namensherkunft nicht geklärt ist, früher ein friedlicher Riese gelebt haben, der jedoch mit Steinen warf, wenn die Menschen ihn ärgerten.

19. Jahrhundert

1801 lebten in Tremsdorf sechs Ganzbauern, sechs Ganzkossäten, elf Büdner und drei Einlieger. Hinzu kamen eine Schmiede, ein Krug sowie ein königlicher Unterförster des Kunersdorfer Reviers. Zum Ort gehörten 80 Morgen Holz, 13 Bauernhufen und 31 Feuerstellen. Die Einwohnerzahl lag bei 170 Personen.[3] 1837 wurde das Dorf mit 27 Wohnhäusern beschrieben. 1858 umfasste die Gemarkung 2.158 Morgen, darunter 15 Morgen Gehöfte, 32 Morgen Gartenland, 625 Morgen Acker, 493 Morgen Wiesen, 610 Morgen Weiden und 383 Morgen Wald. Das Dorf bestand damals aus einem Abbau, vier öffentlichen Gebäuden, 28 Wohngebäuden und 62 Wirtschaftsgebäuden. Die Einwohnerzahl stieg von 175 im Jahr 1817 über 193 im Jahr 1837 auf 214 Personen im Jahr 1858. Verwaltungsrechtlich gehörte Tremsdorf bis 1849 zum Land- und Stadtgericht Beelitz, anschließend bis 1879 zum Gerichtsbezirk der Kreiskommission Beelitz. Seit 1879 war das Amtsgericht Beelitz zuständig.[3]

20. und 21. Jahrhundert

Die Gemarkung umfasste 1900 insgesamt 619 Hektar sowie weitere 248 Hektar Anteile an den Nuthewiesen. Im Dorf standen 39 Häuser. Die Einwohnerzahl lag 1905 bei 229 Personen und 1925 bei 223 Personen. 1931 hatte die Gemarkung eine Größe von 917 Hektar; zugleich wurden 38 Wohnhäuser mit 43 Haushaltungen gezählt. 1939 bestanden zwölf land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit 20 bis 100 Hektar, zehn Betriebe mit 10 bis 20 Hektar, sieben Betriebe mit 5 bis 10 Hektar und vier Betriebe mit 0,5 bis 5 Hektar Fläche. Die Einwohnerzahl erreichte im selben Jahr mit 414 Personen einen Höchststand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sank sie bis 1946 auf 255 Personen. Im Jahr 1953 wurde eine LPG des Typs III mit 20 Mitgliedern und 275 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche gegründet. 1960 bestanden eine LPG Typ III mit 59 Mitgliedern und 360 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche sowie eine LPG Typ I mit acht Mitgliedern und 113 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Die LPG Typ I wurde 1969 an die LPG Typ III angeschlossen. 1973 bestand im Ort noch eine LPG. Die Bevölkerungszahl betrug 1964 und 1971 jeweils 195 Einwohner.[3]

Am 26. Oktober 2003 wurde Tremsdorf in die neue Gemeinde Nuthetal eingegliedert.[6]

Observatorium

Ehemalige Radioteleskop-Anlage

Am 30. Juni 1954 wurde in der Nähe von Tremsdorf das Observatorium für Solare Radioastronomie gegründet. Im Jahr 2014 wurde das Observatorium aufgegeben und abgebaut. Die Parabolspiegel-Antennen wurden demontiert und die Betriebsgebäude abgerissen. Es war das einzige auf Sonnenbeobachtung spezialisierte Radioobservatorium in Deutschland.

Baudenkmäler

In Tremsdorf gibt es drei Baudenkmäler, das ehemalige Schulgehöft, bestehend aus Schulhaus und Fachwerkscheune in der Tremsdorfer Dorfstraße 22, die ehemalige Schmiede in der Tremsdorfer Dorfstraße 35 und ein Wohn-Stall-Haus in der Tremsdorfer Dorfstraße 23. Eine Übersicht findet sich in der Liste der Baudenkmäler in Nuthetal.

Politik

Ortsvorsteher

Gewählte Ortsvorsteher der Gemeinde ist seit der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Dr. Roland Karl (FW).

Ortsbeirat

Der Ortsbeirat setzt sich aus drei Abgeordneten zusammen.

Partei/Gruppierung Sitz/e
FW 2
AiV 1
Gesamt 3

(Stand: Kommunalwahl am 26. Mai 2019)

Trivia

Im Wald zwischen Tremsdorf und Saarmund wurden Szenen der Fernsehserie Dark gedreht.[7]

Commons: Tremsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

Einzelnachweise

  1. Willkommen in Nuthetal. (PDF; 11,5 MB) Städte-Verlag E. v. Wagner & J. Mitterhuber GmbH, S. 57, abgerufen am 5. Februar 2025.
  2. Landbuch Kaiser Karls IV., 1375.
  3. a b c d e f g Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 435)
  4. Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 170, ISBN 3-937233-30-X, ISSN 1860-2436
  5. a b Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 436)
  6. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  7. Es wird „Dark“ in Brandenburg, Märkische Allgemeine Zeitung vom 18. Oktober 2016

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