Stanley Heaps

Stanley Arthur Heaps (* 17. Mai 1880 in Islington; † 25. Mai 1962 in Croydon[1]) war ein britischer Architekt, der überwiegend in London tätig war. Er war für die Planung einer Reihe von Stationen der London Underground sowie von U-Bahn- und Busdepots für London Transport verantwortlich.

Biografie

Er war das jüngste von sechs Kindern des Lebensmittelhändlers Edward John Heaps und von Mary Ann Heaps (geb. White).[1] Von 1896 bis 1899 absolvierte er ein Praktikum bei Latham Withall und blieb bis 1901 als dessen Assistent bei ihm. Außerdem besuchte er Vorlesungen an der Architectural Association School of Architecture in London.[2] Ab 1903 war Heaps Assistent von Leslie Green, dem Architekten der Underground Electric Railways Company of London (UERL), und unterstützte ihn bei der Planung von Stationsgebäuden für die Baker Street and Waterloo Railway (heute Teil der Bakerloo Line), die Charing Cross, Euston and Hampstead Railway (CCE&HR, heute Teil der Northern Line) sowie der Great Northern, Piccadilly and Brompton Railway (Teil der Piccadilly Line); alle zeichnen sich durch ihre markanten Fassaden aus rot glasierter Terrakotta und halbrunde Fenster im ersten Stock aus.[3]

Nach Greens frühem Tod war Heaps ab 1908 der Architekt der UERL und entwarf in den 1910er und frühen 1920er Jahren eine Reihe neuer Stationen für die Bakerloo Line und die Northern Line. Seine ersten eigenständigen Entwürfe betrafen die vier neuen Stationen der Verlängerung der Bakerloo Line ab Edgware Road, die zwischen 1913 und 1915 in Betrieb gingen. Zwar waren dies nicht die ersten Stationen der London Underground, die mit Rolltreppen ausgestattet waren, doch waren Paddington, Warwick Avenue, Maida Vale und Kilburn Park die ersten Stationen, die speziell für deren Nutzung konzipiert wurden, anstatt wie in den ursprünglichen Stationen der Bakerloo Line, die weniger als zehn Jahre zuvor eröffnet worden waren, Aufzüge zu verwenden.

Die für Maida Vale und Kilburn Park entworfenen Gebäude basierten auf früheren Entwürfen von Leslie Green und verwendeten dieselben Terrakottafliesen. Durch den Einsatz von Rolltreppen benötigten Heaps' Stationen im Gegensatz zu jenen von Green kein zweites Stockwerk für die Unterbringung der Aufzugstechnik. Heaps entwarf sie als schlichtere einstöckige Gebäude, die sich durch hohe Fenster auszeichneten, von denen jedes einen breiten, gefliesten Oberlichtstreifen aufwies, der den geschwungenen oberen Teil abgrenzte und damit Greens Entwurf widerspiegelte. 1915 entwarf Heaps außerdem eine neue Fassade für die Station Wood Lane der Central Line (1947 geschlossen und inzwischen abgerissen). Diese wies über den Eingängen mit Mosaikfliesen verzierte Underground-Embleme auf, ähnlich denen, die am Bahnhof Maida Vale angebracht waren.[4]

Nach dem Ersten Weltkrieg entwarf Heaps die Stationen für den Ausbau der CCE&HR von Golders Green nach Edgware in den Jahren 1923–1924.[5] Im Gegensatz zu den Stationen der Bakerloo Line im dicht bebauten Zentrum Londons entstanden die fünf neuen Stationen in offener Landschaft, und die Gebäude erhielten einen vorstädtischen Stil, der besser zu den neuen Wohnsiedlungen passte, deren Wachstum man in der Umgebung erwartete. Die Gebäude wurden aus Ziegeln mit gefliesten Satteldächern errichtet.[6] Die Stationen Brent, Colindale, Hendon Central und Edgware erhielten Fassaden mit Steinsäulengängen, die ein wenig an Cricket-Pavillons erinnerten. Die Station Burnt Oak erhielt zunächst ein provisorisches Gebäude, das 1925 durch ein definitives Gebäude ohne Säulengang ersetzt wurde.[7] Hendon Central war bald von einem größeren Komplex aus Geschäften und Wohnungen umgeben und in diesen integriert, sodass das schlichte, elegante Gebäude heute kaum noch zu erkennen ist. Colindale wurde 1940 durch eine Fliegerbombe zerstört, aber erst 1962 nach einem neuen Entwurf vollständig wieder aufgebaut.[8]

Nach den Stationen der Edgware-Erweiterung wünschte sich Frank Pick, der stellvertretende UERL-Geschäftsführer, einen moderneren Stil für die neuen Stationen an der Verlängerung der City and South London Railway nach Morden.[9] Pick beauftragte Charles Holden, der die Entwürfe für die meisten der in den 1930er Jahren erbauten neuen Stationen lieferte. Ebenso ersetzten Holdens Arbeiten eine Reihe von Heaps’ Entwürfen, die Pick als unbefriedigend empfunden hatte.[10] Heaps konzentrierte sich auf die Gestaltung weniger auffälliger, aber betrieblich unerlässlicher Depotgebäude für Züge und Busse. Ebenso entwarf er neue Stationen in Osterley, Boston Manor, Dollis Hill und St. John’s Wood.[11] Heaps blieb bis in die 1940er Jahre Chefarchitekt der UERL und ihres Nachfolgers London Transport. Während dieser Zeit arbeitete er gemeinsam Holden an weiteren U-Bahn-Stationen, darunter Hounslow West und Ealing Common.[12]

Während des Zweiten Weltkriegs war Heaps als Baudirektor im Ministerium für Flugzeugproduktion tätig.[13]

Commons: Stanley Heaps – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Stanley Arthur Heaps. London Remembers, abgerufen am 21. Juni 2026 (englisch).
  2. Heaps, Stanley Arthur 1880–1962. In: Biographical Dictionary of British and Irish Architects 1800–1950. AHR.net, abgerufen am 21. Juni 2026 (englisch).
  3. Stanley Heaps: The Other Man. Modernism in Metro-Land, 10. November 2015, abgerufen am 21. Juni 2026 (englisch).
  4. J. E. Connor: London’s Disused Underground Stations. Capital Transport, Crowthorne 2001, ISBN 1-85414-250-X, S. 80.
  5. John R. Day, John Reed: The Story of London’s Underground. Capital Transport, Crowthorne 2008, ISBN 978-1-85414-316-7, S. 91.
  6. Christian Wolmar: The Subterranean Railway: How the London Underground Was Built and How It Changed the City Forever. Atlantic Books, London 2005, ISBN 1-84354-023-1, S. 222.
  7. Wolmar: The Subterranean Railway. 2005, S. 223.
  8. Northern Line. Clive’s Underground Line Guides, abgerufen am 16. Januar 2013 (englisch).
  9. Christian Barman: The Man Who Built London Transport: A Biography of Frank Pick. David & Charles, Exeter 1979, ISBN 0-7153-7753-1, S. 113–114.
  10. Eitan Karol: Charles Holden: Architect. Shaun Tyas, Donington 2007, ISBN 978-1-900289-81-8, S. 279.
  11. John R. Day, John Reed: The Story of London’s Underground. Capital Transport, London 2008, ISBN 978-1-85414-316-7, S. 112, 133.
  12. Day, Reed: The Story of London’s Underground. 2010, S. 99.
  13. Day, Reed: The Story of London’s Underground. 2010, S. 134.

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