Shukubō

Unterkunft auf dem Hagurosan
Frühere Unterkunft im Yakuoji, der 23. heiligen Stätte der 99 heiligen Stätten Shikokus.

Ein Shukubō (宿坊) ist eine Tempelunterkunft in Japan, in der Besucher innerhalb eines buddhistischen Tempels übernachten können. Ursprünglich dienten diese Unterkünfte ausschließlich der Beherbergung von Mönchen und Pilgern.[1] Aufgrund des Rückgangs der Zahl buddhistischer Mönche stehen heute die meisten Shukubō auch touristischen Gästen offen.[2] Shukubō haben sich dadurch zu einer besonderen Form der Beherbergung entwickelt und stellen in manchen Orten die einzigen Übernachtungsmöglichkeiten dar.

Geschichte

Ursprünglich dienten Shukubō als Unterkünfte für buddhistische Mönche und religiöse Bruderschaften.[2] Später wurden sie auch von Laienanhängern des Shugendō und der Bergverehrung genutzt und spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung dieser religiösen Traditionen. Am Fuße des Berges Haguro bestanden einst 336 Shukubō, die sämtlich mit dem Shugendō verbunden waren.

Im Zuge eines jahrzehntelangen Baubooms entstanden in Ise, Shima, Toba und Futami zahlreiche Netzwerke von Shukubō.

In der Edo-Zeit erfreuten sich Pilgerreisen zu Tempeln und Schreinen auch bei den Samurai und den normalen Bürgern zunehmender Beliebtheit,[1] darunter insbesondere Reisen zum Ise-Schrein, zum Kotohira-gū und zum Zenkō-ji[3]. An den bedeutendsten Tempeln und Schreinen entstanden Herbergen zur Unterbringung von Pilgern und anderen Reisenden. Dadurch entwickelte sich ein frühes Beherbergungswesen, bei dem bestimmte Regionen eng mit bestimmten Herbergen verbunden waren.

In der Gegenwart wurden zahlreiche Shukubō zu traditionellen Gasthäusern (Ryokan) umgestaltet, die sich an Besucher richten, welche die Atmosphäre eines buddhistischen Tempels erleben möchten.[1] Viele der heutigen Betreiber stammen aus Familien, die bereits zu einer Zeit Shukubō führten, als diese ausschließlich religiösen Zwecken dienten. Ursprünglich standen Shukubō nur den Mitgliedern einer religiösen Laienvereinigung (Kōsha) offen. Mit der Öffnung für die Allgemeinheit stieg die Zahl der Übernachtungsgäste erheblich an.[2]

Angebot

Vegetarisches Shōjin ryōri im Saikan-Shukubō auf dem Hagurosan

Gemäß der buddhistischen Tradition gibt es in Shukubō ausschließlich vegetarische Kost, sogenanntes Shōjin ryōri.[1]

Einige Tempel, insbesondere auf dem Kōya-san, verfügen über Freiluftbäder mit Onsen.[4] Darüber hinaus gibt es oftmals die Möglichkeit an asketischen Praktiken wie an der Zazen-Meditation oder dem Takigyō (滝行), einem Reinigungsritual, bei dem man für einen längeren Zeitraum unter einem kalten Wasserfall steht, teilzunehmen. Daneben können Besucher den rituellen Rezitationen von Sutren, den heiligen Schriften des Buddhismus, beiwohnen oder sich an den Chorgesängen der Mönche beteiligen. Viele Shukubō beherbergen bedeutende Kulturgüter und verfügen über ausgedehnte japanische Gärten.[1]

Galerie

Siehe auch

Commons: Shukubo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e Reise in Japan: Spirituelle Ferien – Einkehrtage in buddhistische Tempel gewinnen an Beliebtheit. In: Neues aus Japan. Botschaft von Japan in Deutschland, Mai 2007, abgerufen am 6. August 2026.
  2. a b c Caleb Carter: Power Spots and the Charged Landscape of Shinto. In: Nanzan Institute for Religion and Culture (Hrsg.): Japanese Journal of Religious Studies. Nr. 45/1, 2018, S. 145–173, doi:10.18874/jjrs.45.1.2018.145-173, JSTOR:26854474 (englisch, nanzan-u.ac.jp [abgerufen am 6. August 2026]).
  3. Zenkō-ji: 宿坊のご案内. In: 善光寺. Abgerufen am 18. August 2026 (japanisch).
  4. Kodai-in Temple. Koyasan Shukubo Association, abgerufen am 7. August 2026 (englisch).

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