Shibori

Robe einer jungen Frau. Tie-Dyeing (Boshi und Kanoko Shibori) und Seiden- und Metallfadenstickerei auf rot-orange gemustertem Seidensatin (Rinzu); Ende des 18. bis Anfang des 19. Jahrhunderts
Schal aus Seide. Shiboritechnik

Shibori (jap. 絞り, von shiboru (絞る), ‚auspressen‘ oder ‚auswringen‘) ist ein japanisches manuelles Textilfärbeverfahren in Reservetechnik, das durch Abbinden Muster erzeugt. In Südasien ist eine ähnliche Technik als Bandhani bekannt. Beim Shibori wird der Stoff gebunden, gewickelt, gefaltet, gepresst oder genäht. Mithilfe dieser Techniken erzielt man eine Vielfalt an Mustern wie Kreise, Vielecke, Streifen, Karos oder Blumen.

Das Besondere an Shibori ist, dass die Dreidimensionalität und die Textur des Stoffes hervorgehoben werden. Da es bis zum 20. Jahrhundert in Japan keinen weit verbreiteten Zugang zu vielen Arten von Stoffen und Farben gab, waren die bis dahin verfügbaren Stoffe meist aus Seide, später aus Baumwolle und der Hauptfarbstoff war Indigo und in geringerem Maße der Saft roter Rüben.

Geschichte

Es gibt einige Diskussionen über den Ursprung von Shibori als Technik in Japan und über das genaue Herkunftsland einiger der frühesten erhaltenen Beispiele. Eine der frühesten schriftlichen Beschreibungen von Shibori stammt aus dem Jahr 238 n. Chr., wo im chinesischen Dokument Chronicles of the Clans of Wie aufgezeichnet wurde, dass die japanische Königin Himiko dem Kaiser der Wei-Dynastie über zweihundert Meter "geflecktes Tuch" schenkte. Die frühesten erhaltenen Exemplare von Shibori-gefärbten Stoffen stammen aus der Mitte des 8. Jahrhunderts und wurden 756 n. Chr. nach dem Tod von Kaiser Shōmu dem buddhistischen Tōdai-ji-Tempel in Nara gespendet.

1608 begann Shibori in der Stadt Arimatsu an der Handelsstraße Tōkaidō zwischen Edo – dem heutigen Tokio – und Kyoto und wurde als eine örtliche Besonderheit bekannt. Die Herstellung und der Verkauf des Stoffes außerhalb von Arimatsu wurden durch den damaligen Feudalherrn der Gegend verboten und daher entwickelte sich das Färben hier zu einer beträchtlichen Industrie.

In Japan haben sich über die Jahrhunderte unterschiedliche Shiboritechniken entwickelt und es wurde fast zu einer eigenen Kunstform. Aufgrund des technischen Fortschritts geriet diese wie viele traditionelle Künste jedoch immer weiter in Vergessenheit. Gegen Ende der 1980er Jahre drohte das Shibori-Handwerk in Japan fast vollständig auszusterben und um dies zu verhindern, schlossen sich einige Künstler zu der Vereinigung des World Shibori Networks zusammen. 1992 hielten sie erstmals das International Shibori Symposium in Nagoya ab.

Techniken

Die gewählte Technik und die sich darazs ergebende Färbung hängen sowohl von der Art des Gewebes als auch vom verwendeten Farbstoff ab. Shibori verlangt nach einem geschmeidigen und leicht zu handhabenden Stoff, wobei einige historische Färbetechniken wie die ursprüngliche Technik des Tsujigahana heute nicht mehr angewandt werden können, da der für die Technik erforderliche Stoff nicht mehr hergestellt wird.

Arashi Shibori

Arashi ist das japanische Wort für Sturm. Die Muster im Arashi Shibori sind immer diagonal, was den Schlagregen eines schweren Sturms symbolisiert. Arashi Shibori ist eine Technik, bei der Stoff diagonal um eine Stange gewickelt wird. Danach wird der Stoff fester gebunden, indem ein Faden an der Stange auf und ab gewickelt wird. Das Ergebnis ist ein plissiertes Tuch mit einem diagonalen Design.

Itajime Shibori

Itajime Shibori ist eine Technik, bei der der Stoff traditionell zwischen zwei Holzstücken eingeklemmt wird, die mit einer Schnur an Ort und Stelle gehalten werden. Moderne Textilkünstler gestalten auch aus Acryl oder Plexiglas Formen, die verhindern, dass der Farbstoff in den bedeckten Stoff eindringt.

Kanoko Shibori

Bestimmte Stoffteile werden zur Erzielung eines bestimmten Musters mit einem Faden gebunden. Das Muster hängt davon ab, wo und wie fest das Tuch gebunden ist. Wenn das Tuch zuerst gefaltet und dann gebunden wird, sind die daraus entstehenden Kreise von der in einem Muster verwendeten Falte abhängig.

Kumo Shibori

Bei dieser Technik werden Teile des Stoffes sehr fein und gleichmäßig gefaltet. Dann wird das Tuch in sehr engen Abschnitten gebunden, wodurch ein spinnennetzartiges Muster entsteht.

Miura Shibori

Miura Shibori ist auch als Schleifen-Bindung bekannt. Mit einer Hakennadel werden Teile eines Stoffes gezupft und zweimal mit einem Faden umwickelt. Da der Faden nicht geknotet ist, hält die Spannung des Fadens die Abschnitte an Ort und Stelle. So entsteht ein wasserähnliches Muster. Diese Technik wird häufig verwendet, da dabei nicht geknotet wird und der Faden daher sehr leicht zu binden und zu lösen ist.

Nui Shibori

Nui Shibori sind genähte Shibori. Mit einem Faden wird ein einfacher Laufstich auf einem Stoff ausgeführt und dann festgezogen, um den Stoff zu sammeln. Der Faden muss sehr fest gezogen werden und oft wird dafür ein Holzdübel verwendet. Jeder Faden wird vor dem Färben durch Verknoten gesichert. Diese Technik ermöglicht eine bessere Kontrolle des Musters und eine größere Vielfalt von Mustern, ist jedoch viel zeitaufwendiger.

Bildergalerie

Literatur

  • Mandy Southan: Shibori Designs & Techniques. 2009, ISBN 978-1844482696 (englisch).
  • Yoshiko Iwamoto Wada, u. a.: Shibori: The Inventive Art of Japanese Shaped Resist Dyeing. 2012, ISBN 978-1-56836-396-7.
  • Galli, Andrew and Yoshiko Iwamoto Wada: Arimatsu, Narumi shibori celebrating 400 years of Japanese artisan design. (DVD) produced by Arimatsu Shibori Mutsumi-kai (Japan) ; Studio Galli Productions (USA) Fremont, Calif. 2007.
  • Elfriede Moller: Shibori: The Art of Fabric Folding, Pleating and Dyeing. ScreenPress Books, Michigan 1999, ISBN 978-0855328955.
  • Janice Gunner: Shibori for Textile Artists. Tokyo: Kodansha. 2010, ISBN 978-1568363806.
  • Terry Satsuki Milhaupt: Tsujigahana Textiles and Their Fabrication. In: Murase, Miyeko (Hrsg.). Turning Point: Oribe and the Arts of Sixteenth-Century Japan. Metropolitan Museum of Art, 2003, ISBN 1588390969.

Siehe auch

Commons: Shibori – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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