Scrimber

Als Scrimber wird ein Werkstoff bezeichnet, der aus Pflanzenfasern – vorzugsweise Bambus oder Holz – besteht, die nicht durch zerspanende Zerkleinerung entstanden sind, sondern durch mechanische Aufspaltung über Walzenpaare. Die Faserstränge bleiben bei diesem Verfahren im Verbund erhalten.

Herstellungsprozess und Bindemittel

Hierbei wird das Bambusrohr oder das Rundholz über mechanische Walzen längs der Faser gespalten, plattgedrückt und in eine fadenartige, zusammenhängende Fasermatte aufgerissen (Fiberizing). Diese Matten werden getrocknet, mit einem Bindemittel (Harz) imprägniert, parallel ausgerichtet und unter Druck und Hitze zu Blöcken oder Platten gepresst. Die chemische Zusammensetzung des Harzes bestimmt die Eigenschaften des Endprodukts:

  • Phenol-Formaldehyd-Harze (PF-Harze): Sie bilden den industriellen Standard für Scrimber. Phenolharze sind witterungsbeständig, wasserfest und verleihen dem Werkstoff mechanische Festigkeit für den Außeneinsatz und den konstruktiven Ingenieurbau.
  • Lignin-basierte Harze: In der Forschung und bei biobasierten Varianten wird Lignin als Bindemittel eingesetzt, das als Reststoff aus der Zellstoffindustrie gewonnen wird. Lignin ersetzt die fossilen Phenole im Harz teilweise oder vollständig, um Formaldehyd-Emissionen zu reduzieren und den CO₂-Fußabdruck des Materials zu senken.

Die Bezeichnung für Bambus-basierten Scrimber lautet im internationalen und wissenschaftlichen Raum bamboo-based fiber composite (oder bamboo scrimber). In der Schweiz wird an der Weiterentwicklung von auf Holz basierendem Scrimber geforscht, unter anderem an der Berner Fachhochschule.

Eigenschaften und Vorteile

Das Verfahren erzeugt ein Material, dessen Dichte und Härte über dem Niveau des unverarbeiteten Ausgangsmaterials liegen. Die Materialausnutzung des Rohbambus oder Holzes beträgt dabei über 90 %. Natürliche Fehlstellen sowie biologische Einlagerungen (wie Stärke und Zucker) werden durch den Prozess eliminiert oder in ihrer Auswirkung reduziert, was auch die Anfälligkeit für Insektenbefall verringert. Das Material weist eine höhere Formstabilität und ein geringeres Quellverhalten bei Feuchtigkeit auf als das Ausgangsmaterial.

Alternative Faserquellen

Neben Holz und Bambus wird an weiteren biologischen Faserquellen geforscht, um Agrarreststoffe zu verwerten:

  • Hanf: Hanfstängel werden bei kommerziellen Verfahren (wie z. B. HempWood in den USA) flachgewalzt, parallel ausgerichtet, mit biobasierten Klebstoffen versehen und unter Druck thermisch gehärtet. Das Endprodukt wird im Möbel- und Innenausbau eingesetzt.
  • Ananas und Banane: Die Fasern aus Ananasblättern (Pineapple Leaf Fiber) oder Bananen-Scheinstämmen fallen bei der Fruchternte als Reststoffe an. Sie werden für den Einsatz in Leichtbau-Verbundwerkstoffen erforscht. Durch die Einbettung in Kunststoffmatrizen entstehen Werkstoffe mit hoher Zugfestigkeit für die Automobil- und Verpackungsindustrie. Selbst die Deutsche Bahn weist diese Fasern als Mittel zum Klimaschutz auf.
  • Ölpalmen-Reste: In Südostasien existieren Forschungsprojekte, um das Altholz gerodeter Ölpalm-Plantagen mittels Scrimber-Technologie in tragfähige Bauplatten zu transformieren.

Anwendungsbereiche

Scrimber wird im Holz- und Hochbau für tragende Konstruktionen eingesetzt.

  • Mehrgeschossiger Hochbau: Zu den Referenzprojekten zählt der Ninghai Bamboo Tower in der chinesischen Provinz Zhejiang. Dieses siebenstöckige, über 20 Meter hohe Gebäude nutzt Bambus-Verbundwerkstoffe und Scrimber-Komponenten für das tragende Skelett (Stützen und Balken). Für die Deckenkonstruktion kommen Kreuzlagen-Verbundplatten (Cross-Laminated Bamboo-Timber, CLBT) zum Einsatz.

Zusammensetzung

Scrimber kann auf Basis von Laubholz, Nadelholz, Bambus oder Palme produziert werden. Üblicherweise wird ein phenolischer Harz (PF) eingesetzt.[1]

Begriff

Der Name Scrimber geht auf ein kommerzielles Projekt zurück und setzt sich zusammen aus den Worten „scrim“ und „timber“. Als „scrim“ (engl.) wird ein grobes Naturfasergewebe bezeichnet, das zur Verstärkung sowohl im Bauwesen als auch in der Leinenherstellung verwendet wird. Es spiegelt den grobfaserigen Charakter der zerquetschten Rohstoffe wieder, welche durch das Öffnen der Struktur zugänglich für Bindemittel werden, jedoch noch immer eine miteinander verbundene Matte bilden. Das Wort „timber“ (engl.) steht für Schnittholz. Dieser Teil der Bezeichnung Scrimber stellt die Ähnlichkeiten bei der Verarbeitung und den Eigenschaften mit Schnittholz in den Vordergrund, da einige Scrimber, ähnlich wie LVL oder PSL, als konstruktive Elemente eingesetzt werden können.

Literatur

  • André Wagenführ, Frieder Scholz (Hrsg.): Taschenbuch der Holztechnik. Carl Hanser Verlag, Leipzig 2008; S. 155. ISBN 978-3-446-22852-8.

Einzelnachweise

  1. Gold Winner 2025 | Ninghai Bamboo Tower | Sustainable and Eco-Friendly Residential | Houzee Awards - Architecture Collection. Abgerufen am 10. Juli 2026 (amerikanisches Englisch).

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