Pocklington-Riff

Pocklington-Riff
Satellitenbild des Pocklington-Riffs von der ISS
Satellitenbild des Pocklington-Riffs von der ISS
Satellitenbild des Pocklington-Riffs von der ISS
Gewässer Salomonensees
Archipel Louisiade-Archipel
Geographische Lage 10° 49′ S, 155° 44′ OKoordinaten: 10° 49′ S, 155° 44′ O
Pocklington-Riff (Papua-Neuguinea)
Pocklington-Riff (Papua-Neuguinea)
Anzahl der Inseln 1
Landfläche 1 ha
Einwohner unbewohnt

Das Pocklington-Riff (Pocklington Reef) ist ein entlegenes, größtenteils versunkenes Atoll und Korallenriff in der Salomonensee im Südosten Papua-Neuguineas.

Geografie

Das Riff ist etwa 32 km lang und 4 km breit und liegt in Nordost-Südwest-Richtung auf dem unterseeischen Pocklington-Rücken, der sich von der nordöstlich gelegenen Insel Rossel im Louisiade-Archipel bis zum Pocklington-Riff erstreckt.[1] Das nächstgelegene Land ist die Rossel vorgelagerte Insel Loa Boloba, 179 km westnordwestlich. Damit bildet das Pocklington-Riff die abgelegenste Landfläche Papua-Neuguineas. Politisch gehört es zur Yaleyamba Rural Local Level Government Area im Distrikt Samarai-Murua der Provinz Milne Bay.

Im Inneren des Atolls befindet sich eine tiefe Lagune. Am nördlichen Rand liegt das Riff deutlich niedriger unter der Wasseroberfläche, mehrere Felsen mit Höhen bis zu drei Metern ragen dort aus dem Wasser.[2] Am nordöstlichen Ende existiert eine kleine Sandinsel mit einer Ausdehnung von etwa 100 m × 150 m und einer Fläche von etwa einem Hektar, die von Meeresvögeln bewohnt wird. Weitere Riffe existieren in der Nähe nicht.

Es wurde vorgeschlagen, das Riff zum Meeresschutzgebiet zu erklären.[3]

Geschichte

Das Pocklington-Riff wurde erstmals 1825 vom Walfänger Pocklington aus Sydney entdeckt und vom Kapitän nach seinem Schiff benannt.[4] Die HMS Renard unter Konteradmiral George Edward Richards führte 1880 Messungen am Pocklington-Riff durch und fand, dass es innerhalb des Riffs keinen Ankerplatz gebe.[5]

Im Mai 1942 wurde die Schlacht im Korallenmeer in den Gewässern um das Riff geschlagen. Es wurde zunächst von Australien verwaltet; im September 1974 entschied die australische Regierung, dass das Pocklington-Riff Teil des unabhängigen Staates Papua-Neuguinea werden solle, der ein Jahr später gegründet wurde.[6][7]

Im April 1974 verbrachte das sowjetische Boot Fedor Litke eine Woche bei einer Sandbank des Riffs, später fand ein australisches Schiff an derselben Stelle ein verborgenes Überwachungsgerät.[8] 1978 wurden in einem Wrack 30 Millionen US-Dollar an Cannabis in wasserdichten Säcken gefunden, die dort von einem Trawler aus Thailand hinterlassen worden waren.[9] Am 3. Oktober des folgenden Jahres wurde ein taiwanesisches Boot bei der illegalen Fischerei im Riff entdeckt, der Kapitän musste als Strafe 1000 Kina zahlen und die Fischereiausrüstung abgeben.[10]

Heute findet im Riff gelegentlich Sportfischerei statt.[11]

Wracks

Die Reindeer, die 1855 im Riff sank

Um Mitternacht am 26. September 1855 havarierte die in Melbourne abgelegte Klipper-Brigg Reindeer an dem Atoll. Gemäß Kapitän Edward Storey meldete der Ausguck um 23:30 Brandung auf der Lee-Seite, woraufhin das Schiff hart nach Backbord gelegt wurde, aber dennoch auf dem Riff aufschlug und bis zum Wasserspiegel geflutet wurde. In einem 20 Fuß langen Beiboot (die beiden anderen wurden vom umfallenden Besanmast beschädigt) ruderte die Besatzung durch die Brandungszone und fand am folgenden Morgen die Felsengruppe im Norden des Riffs. Dort blieben sie neun Tage, in denen sie Zelte aus Segeln und Rudern errichteten und weitere Materialien aus dem Wrack bargen. Am 9. Oktober verließen alle 19 Besatzungsmitglieder das Eiland, nach 42 Tagen auf See und Konflikten mit Ureinwohnern auf Neuguinea und in Queensland erreichten sie schließlich die Küste beim australischen Rockhampton.[12][13]

Am 10. Juni 1862 sank die 280 Tonnen schwere Earl of Hardwick, die mit einer 315 Tonnen Kohle von Newcastle in Australien nach Hongkong unterwegs war, in dem Riff. Die Masten wurden durchtrennt und die Crew rettete sich in den Beibooten auf die Sandinsel im Norden des Riffs, wo sie bis zum 25. Juni blieb und Spiere und Proviant aus dem Wrack rettete sowie ein Floß baute. Kapitän Smith und acht weitere machten sich mit der Schaluppe auf den Weg, wurden jedoch nie wieder gesehen. Der Erste Offizier und zwölf andere fuhren mit dem Floß und dem lecken Kutter im Schlepptau gen Neuirland. Am 28. Juni gaben sie wegen der rauen See das Floß auf und stiegen auf den Kutter über. Am 4. Juli starb der malaysische Koch an Erschöpfung; am 6. erreichten sie schließlich Neubritannien und wurden von den Einheimischen versorgt. Am 9. Juli machten sie sich wieder auf und erreichten Cape St. George auf Neuirland, wo sie vom lokalen König empfangen wurden. Am 17. September nahm der Schoner Rebecca den Ersten und Zweiten Offizier sowie drei malaysische Seemänner mit nach Sydney.[14][15]

Am 4. September 1874 um 5:25 Uhr lief der 60 m lange Klipper Guinevere, der 40 Tonnen Mehl von Melbourne nach Manila transportierte, im östlichen Pocklington-Riff auf Grund. Am 6. September verließ die Crew das Schiff in drei Booten: Kapitän Edward Tidmarsh mit 13 Matrosen in der Schaluppe, der Maat mit sieben anderen in der Pinasse und der Zweite Maat mit sechs weiteren im Gig. Nach einem Tag hatten die Boote das Riff verlassen. Das Boot des Kapitäns erreichte am 22. September Gladstone, das des Ersten Maats am 20. September Townsville, das dritte Boot kam in Bowen an.[16] Das Wrack der Guinevere wurde zum Verkauf angeboten. Am 9. November erreichte die Princess Louise die Unglücksstelle und verließ sie am 21. November mit Metallketten, zwei Ankern, Seil, Farbe, Öl, Nahrungsmitteln und vier Tonnen Kupfer aus dem Wrack.[17] Da die Princess Louise nicht näher als fünf Meilen an die Guinevere herankam, mussten die Güter mit aus den Planken konstruierten Leichtern transportiert werden.[18]

Am 28. April 1962 lief das panamaische Schiff SS Dona Ourania mit einer Tonnage von 8716 t im Pocklington-Riff auf Grund.[19]

Die japanische Amigi Maru mit einem Gewicht von 2249 Tonnen strandete 1972 während eines Zyklons, sie konnte nicht gerettet werden.[20] Die 59-köpfige Besatzung wurde vom japanischen Frachtschiff Shoryu Maru aufgenommen.[21]

Einzelnachweise

  1. Pocklington Ridge, Marine Gazetteer.
  2. Catalog of Nautical Charts. Sector 8: Louisiade Archipelago.
  3. Kelleher, Bleakley, Wells: A Global Representative System of Marine Protected Areas, Volume IV. The Great Barrier Reef Marine Park Authority, Weltbank, IUCN. 1995.
  4. Ian Nicholson: Gazetteer of Sydney Shipping, 1788–1840. 1. Auflage. Roebuck, Canberra 1981, ISBN 0-90943418-2, S. 144.
  5. Pacific Islands Pilot, with supplements and Admiralty notices to mariners. Admiralty Hydrographic Department, London 1885, S. 54.
  6. Papua New Guinea Post-Courier, 18. September 1974, S .2.
  7. Papua New Guinea Act 1975 No. 97, 1975 – Sect 3
  8. Canberra Times. In: The Canberra Times. 23. April 1975, abgerufen am 27. Dezember 2025.
  9. Canberra Times, 17. Juni 1978 (englisch). 
  10. Papua New Guinea Post-Courier, 23. Oktober 1979, S. 3.
  11. Giant Pelagics in Pocklington Reef Expedition!, SportfishingPNG, 12. August 2019.
  12. Loss of the Reindeer. The Shipping Gazette And Sydney General Trade List XIII, Nr. 610. Sydney, 14. Januar 1856. Archiviert in der National Library of Australia.
  13. Reindeer in den Aberdeen Archives
  14. Jack Loney: Australian Shipwrecks, Vol. 2: 1851–1871. 1. Auflage. Reed, Sydney 1980, ISBN 0-589-50100-3, S. 133.
  15. Sydney Morning Herald, 28. November 1862, S. 4 In: The Sydney Morning Herald (englisch). 
  16. Colonial Telegrams In: Maryborough Chronicle, Wide Bay And Burnett Advertiser, 24. September 1874, S. 2 (englisch). 
  17. Manifest In: Rockhampton Bulletin, 20. Januar 1875, S. 2 (englisch). 
  18. The Argus Nr. 8834. Melbourne, 6. Oktober 1874. Archiviert in der National Library of Australia, S. 5.
  19. Gerald Forsberg: Salvage from the Sea. Routledge and Kegan Paul, 1977 (google.com).
  20. Distress call by ship In: Papua New Guinea Post-Courier, 30. Mai 1972, S. 4 (englisch). 
  21. Papua New Guinea Post-Courier, 1. Juni 1972, S. 1.

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