Pitons

Pitons-Naturschutzgebiet
UNESCO-Welterbe


Blick vom Norden auf die Pitons, im Vordergrund Soufrière
Vertragsstaat(en): Saint Lucia St. Lucia
Typ: Natur
Kriterien: (vii)(viii)

Fläche: 2.909 ha
Referenz-Nr.: 1161
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 2004  (Sitzung 28)

Das Pitons-Naturschutzgebiet (englisch Pitons Management Area) ist ein etwa 2.909 Hektar großes Schutzgebiet im Südwesten der Insel St. Lucia, wenige Kilometer südlich der Stadt Soufrière. Das Gebiet wurde 2004 aufgrund seiner außergewöhnlichen landschaftlichen Schönheit, geologischen Vielfalt und seines Artenreichtums in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen.[1]

Geographie und Geologie

Das Schutzgebiet umfasst:

Historische Funde wie Petroglyphen und Artefakte weisen auf eine frühe Besiedlung durch Amerindianer (Kariben) hin.[1]

Flora und Fauna

Das Gebiet beherbergt trotz seiner vergleichsweise kleinen Ausdehnung eine große Artenvielfalt. Auf dem Gros Piton allein wurden 148 Pflanzenarten nachgewiesen, auf dem Petit Piton und dem verbindenden Kamm 97 Arten, darunter acht seltene Baumarten. Der Gros Piton beherbergt 27 Vogelarten (davon fünf endemisch), drei einheimische Nagetiere, ein Opossum, drei Fledermausarten, acht Reptilien und drei Amphibien.[3] Zu den endemischen Vogelarten zählen unter anderem der St.-Lucia-Waldsänger (Setophaga delicata) und der St.-Lucia-Trupial (Icterus laudabilis).[4] Eine Erhebung im marinen Bereich ergab 168 Fischarten, 60 Nesseltierarten (darunter Korallen), acht Weichtiere, 14 Schwämme, 11 Stachelhäuter, 15 Gliederfüßer und acht Ringelwürmer.[3] Weitere endemische Arten sind die St.-Lucia-Anole (Anolis luceae) und der St.-Lucia-Zwerggecko (Sphaerodactylus microlepis).[5]

UNESCO-Welterbe

Das Schutzgebiet wurde 2004 nach den Kriterien (vii) – außergewöhnliche Naturschönheit – und (viii) – bedeutende geologische Prozesse und Formationen – als Weltnaturerbe anerkannt. Das Welterbekomitee würdigte insbesondere, dass das Gebiet den größten Teil eines eingestürzten Schichtvulkans (Soufriere Volcanic Centre) umfasst und mit den Pitons, Lavadomen, Explosionskratern, pyroklastischen Ablagerungen und Lavaströmen die vulkanische Geschichte eines andesitischen Inselbogenvulkans vollständig veranschaulicht.[6]

Bedrohungen und Schutz

Das Schutzgebiet ist mit etwa 2909 Hektar eines der kleinsten natürlichen Welterbestätten und befindet sich zu 80 % in Privatbesitz. Es steht unter erheblichem Druck durch Tourismus- und Wohnungsbauprojekte, die durch ein fehlendes durchsetzbares Entwicklungskontrollsystem begünstigt werden. Hinzu kommen begrenzte finanzielle und technische Managementkapazitäten. Die IUCN bewertete den Erhaltungszustand 2025 als „besorgniserregend“ (significant concern), insbesondere wegen der Beeinträchtigung der ästhetischen Werte durch unkontrollierte Bauten. Weitere Bedrohungen sind die Folgen des Klimawandels sowie die mögliche Nutzung geothermischer Energie in der Nähe des Gebiets.[3]

Die 2013 erarbeitete Studie zu „Grenzen akzeptabler Veränderungen“ (Limits of Acceptable Change) liefert wichtige Leitlinien für das Management. Deren Empfehlungen wurden 2024 in den Physical Planning Act aufgenommen, die Durchsetzung der Vorgaben bleibt jedoch schwach.[3]

Siehe auch

Commons: Pitons – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Eintrag auf der Website des Welterbezentrums der UNESCO (englisch und französisch).
  2. Kenneth Wohletz, Grant Heiken, Mark Ander, Fraser Goff, François-David Vuataz, Geoff Wadge: The Qualibou caldera, St. Lucia, West Indies. In: Journal of Volcanology and Geothermal Research. Band 27, Nr. 1-2, Januar 1986, S. 77–115, doi:10.1016/0377-0273(86)90081-8 (elsevier.com [abgerufen am 25. Juli 2026]).
  3. a b c d Pitons Management Area. In: World Heritage Outlook. IUCN, 2025, abgerufen am 25. Juli 2026 (englisch).
  4. Pitons (Qualibou and Canaries). In: BirdLife DataZone. 2026, abgerufen am 25. Juli 2026 (englisch).
  5. Pitons (Qualibou and Canaries) (20576). In: Key Biodiversity Areas. Abgerufen am 25. Juli 2026 (englisch).
  6. 28 COM 14B.11 - Decision. In: UNESCO World Heritage Centre. 2004, abgerufen am 25. Juli 2026 (englisch).

Koordinaten: 13° 48′ 25″ N, 61° 4′ 13″ W

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