Pfropfrebe

Eine Pfropfrebe (auch als Veredelung oder Setzling bezeichnet) ist ein Pfropfen im Weinbau; dabei wird ein Edelreis mittels spezieller Schnittformen auf die Unterlagsrebe aufgepfropft (veredelt) und so eine künstliche Verbindung von zwei Holzteilen verschiedener Rebsorten (der Unterlage und einer wurzelreblausanfälligen europäischen Sorte) zum Zweck der Pflanzenveredelung der Weinreben geschaffen.
Veredelung
Die Veredelung (Umveredlung) von Rebstöcken war bereits in der Antike bekannt. Cato der Ältere (234–149 v. Chr.) erwähnt die Technik in seinem Werk De agri cultura (Von der Landwirtschaft).[1]
Früher wurden Rebstockpfropfungen hauptsächlich zum Rebsortenwechsel durchgeführt. Hauptanlass zur Herstellung von Pfropfreben waren aber die vernichtenden Schäden, die die Reblaus im 19. Jahrhundert in den europäischen Weinbaugebieten anrichtete. Nachdem man herausgefunden hatte, dass amerikanische Weinreben den Reblausbefall ihrer Wurzeln überlebten, verwendete man diese als Unterlagsreben, auf die man die gewünschten europäischen Edelsorten aufpfropfte.
Heute werden fast ausschließlich veredelte Rebsetzlinge gepflanzt. Neben der Wurzelreblauswiderstandfähigkeit hat die Verwendung geeigneter Unterlagen weitere Vorteile. So lassen sich Wuchsstärke, Fruchtbarkeit, Trockenheits- und Staunässetoleranz, Reifezeitpunkt, Vegetationsabschluss usw. beeinflussen.[2]
Junge Pfropfreben (Veredlungen) werden zunächst ein Jahr lang in einer Rebschule aufgezogen, bevor sie in den Weinberg gesetzt werden.
Umpfropfen im Bestand
Ein Umpfropfen im Bestand findet dann statt wenn der Rebsortenspiegel im laufenden Betrieb geändert werden soll, um z.Bsp. die Resistenzmechanismen von PIWI Sorten zu nutzen oder um geänderten Kundenwünschen zu genügen. Das schont Ressourcen, reduziert Eingriffe in den Boden und nutzt Bestehendes nachhaltig weiter. Im Vergleich zu einer kompletten Neuanpflanzung können die Reben meist im Folgejahr wieder tragen. Der Eingriff wird idealerweise im späten Frühjahr bei dauerhaft warmen Temperaturen durchgeführt. Der optimale Temperaturbereich für eine zügige Kallusbildung (Wundgewebe) liegt in der Regel bei konstanten 20 bis 25 Grad Celsius. Die Schnittstellen müssen luftdicht und fachgerecht mit speziellem Baumwachs oder Wundverschlussmitteln versiegelt werden, um Austrocknung und Infektionen zu verhindern. Wilde Augen unterhalb der Veredelungsstelle müssen in den ersten Wochen regelmäßig entfernt werden, damit die Wuchsenergie ausschließlich in das neue Edelreis fließt.[3][4]
Literatur
- Karl Bauer: Weinbau (= AV-Fachbuch.). 8., aktualisierte Auflage. Österreichischer Agrarverlag, Wien 2008, ISBN 978-3-7040-2284-4.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Marcus Porcius Cato der Ältere: De agri cultura, Kapitel 41.
- ↑ Karl Bauer: Weinbau. 8., aktualisierte Auflage. 2008, S. 89 ff.
- ↑ Rebstock-Veredelung BR Fernsehen: Unser Land
- ↑ Wolfgang Gebert und Dr. Walter K. Kast: Erfahrungen mit der Standort-Grünveredlung. Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg, abgerufen am 9. Juli 2026.
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