Penebui

Penebui in Hieroglyphen
Eigenname
nb nb
p

Penebui
P nb.wj
Sitz der beiden Herren
Titel
G36
t
S42

Weret-hetes
Wr.t-hts
Große des Hetes-Zepters
Jahrestäfelchen des Djer mit der Darstellung der Königin Penebui (roter Kreis).[1]

Penebui war eine frühägyptische Königin und vermutlich eine Gemahlin des Königs (Pharao) Djer während der 1. Dynastie. Ihr Name und Titel sind auf mehreren Elfenbeintäfelchen eingraviert.

Name und Identität

Penebuis Name bedeutet in etwa „Sitz der Beiden Herren“, wobei die Umschreibung der „Beiden Herren“ auf die Staatsgottheiten Horus und Seth anspielt und den König als deren Doppel-Repräsentanten meint. Dabei spielt die Schreibung von „Nebui“ mit dem doppelt ausgeführten Gardiner-Zeichen V30 (Flechtkorb) die entscheidende Rolle: Namen und Titel, die auf „Nebui“ in dieser Schreibweise enden, waren eindeutig exklusiv weiblichen Hofdamen höchsten Ranges vorbehalten.[2]

Belege

Penebuis Name erscheint auf mehreren Elfenbeinplaketten, sogenannten Jahrestäfelchen. Die Artefakte fanden sich in Magazin-Raum Z in der Mastaba S-3035 des hohen Beamten Hemaka in Sakkara und waren ursprünglich an kleinen Taschen oder Beuteln aus Tierleder befestigt gewesen.[3][4]

Auf den Elfenbeintäfelchen sind mehrere Zeremonien piktografisch in insgesamt drei Bilderfolgen dargestellt: Die erste Bildfolge (1. Reihe von oben) wird mit dem Horusnamen des Djer eingeleitet, es folgt das Bringen mehrerer Fetische in einer Prozession aus Gabenbringern. Über der Prozession schwebt das Gardiner-Zeichen F31 (es bedeutet „Geburt“, aber auch „Erschaffung“). Ganz rechts ist eine schwer zu deutende Szene festgehalten, die von manchen Ägyptologen als rituelles Menschenopfer gedeutet wird. Sie zeigt zwei Figuren, von denen die rechte ihre Arme hinter dem Rücken verschränkt hat und gefesselt zu sein scheint. Die Figur links hockt vor dem Gefangenen und scheint mit einer Hand mit einem Dolch auf den Gefesselten einzustechen. Gleichzeitig hält die linke Figur eine große Schüssel in der anderen Hand. Über den beiden schwebt eine Zeichengruppe, die von manchen Ägyptologen mit „Empfangen von ??? aus Ober- und Unterägypten“ übersetzt wird, wobei offenbleiben muss, was genau empfangen wurde.[3][4]

In der mittleren Bildfolge erscheint eine weitere Prozession aus Gabenbringern, die mit einem weiteren „Geburt“-Symbol eingeleitet wird. Die erste Figur trägt eine große Standarte eines Stiergottes, den der Ägyptologe Wolfgang Helck als Tjai-sepi identifiziert. Es folgt eine weitere Figur, die augenscheinlich mit Bällen oder Ringen jongliert. Einer der runden Objekte wird von einem enten- oder gänseähnlichen Vogel aufgefangen, den Helck als Bedjai-Gans identifiziert. Auf diese Parade folgt die entscheidende Szene, in deren Zentrum der Darstellung der Tod zweier Königinnen steht. Diese sind als Büsten mit Frauenköpfen auf geschmückten Emporen dargestellt, aus ihren Stirnen tritt Blut heraus (in früheren Lesungen wurde dies fälschlicherweise als Blumenschmuck oder Diadem gedeutet).[3][4]

Die vordere der beiden Verstorbenen trägt den Titel einer Hofdame höheren Ranges: Weret-hetes („Große des Hetes-Zepters“). Dies weist sie als königliche Gemahlin aus. Ihr Name lautet Penebui. Der Name sowohl von Penebui, als auch der ihrer verstorbenen Begleiterin (sie trägt den Titel M’aa-Heru zu deutsch „Die den Horus schaut“), werden beide mit einer seltenen Hieroglyphe eingeleitet, die dem späteren Kot-Zeichen Gardiner-F52 ähnelt und für „sterben“ oder „Tod“ steht. Der Name der zweiten Hofdame besteht aus drei undeutlich geschriebenen, dreieckigen Symbolen und ist nicht mehr eindeutig lesbar.[3][4]

Penebuis Tod scheint auch auf dem Palermostein im 4. Jahresfenster des Djer vermerkt zu sein. Wolfgang Helck argwöhnt, ob die Königin durch Enthauptung starb, da der Figur einer verstorbenen Hofdame auf dem Annalenstein ein geköpfter Kiebitz beigefügt ist.[4]

Literatur

  • Wolfram Grajetzki: Ancient Egyptian Queens. A Hieroglyphic Dictionary. Golden House Publications, London 2005, ISBN 0-9547218-9-6.
  • Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit (= Ägyptologische Abhandlungen. Band 45). Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02677-4.
  • Sue Kelly: Neithhotep: Ancient Egypt’s First Female Ruler. In: Jochem Kahl, Nicole Kloth: Studien zur Altägyptischen Kultur. Band 54. H. Buske, Hamburg 2026, ISBN 978-3-69110-024-2.

Einzelnachweise

  1. nach Walter B. Emery: The Tomb of Hemaka: Excavations at Saqqara. Government Press, Cairo 1938, S. 39, Abb. 8 sowie Bildtafel 17, Objekt 411 (Fotografie).
  2. Sue Kelly: Neithhotep: Ancient Egypt’s First Female Ruler. Hamburg 2026, S. 271–281.
  3. a b c d Walter B. Emery: The Tomb of Hemaka: Excavations at Saqqara. Government Press, Cairo 1938, S. 35–39.
  4. a b c d e Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. Wiesbaden 1987, S. 119 & 153–154.

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