Paraflows
paraflows, stilisiert in Kleinschreibung, ist ein Festival und eine Plattform für Digitale Kunst, Medienkunst und digitale Kulturen in Wien. Das Festival findet seit 2006 statt und umfasst Ausstellungen, Symposien, Konzerte, Filmprogramme und weitere Veranstaltungen zu Medienkunst, Netzkunst, digitaler Gesellschaft und den kulturellen Auswirkungen vernetzter Technologien.[1][2][3] In den letzten Jahren war insbesondere die Konzertreihe RE_COMPOSED für zeitgenössische Musik in einem digitalen Kontext ein wiederkehrender Programmschwerpunkt.[4][5]
Geschichte
paraflows entstand 2006 in Wien als Festival für digitale Kunst und digitale Kulturen im Umfeld des öffentlichen Netzkultur-Förderprozesses netznetz.[2] Die erste Ausgabe, paraflows 06, wurde von der Kunst- und Kulturzeitschrift springerin unter dem Titel „Neben, über, drüber und doch ziemlich verstrickt“ besprochen. Der Beitrag beschrieb paraflows als neue jährliche Convention für digitale Kunst und Kulturen in Wien und verwies auf den thematischen Schwerpunkt „Netze hinter dem Netz“.[1]
Die zweite Ausgabe, paraflows 07, fand 2007 unter dem Titel Un_Space statt. ORF Wien bezeichnete paraflows als Festival für digitale Kunst und Kulturen und berichtete, dass sich die Ausgabe mit unsichtbaren, unzugänglichen und immateriellen Räumen beschäftigte. Das Programm fand im MAK Gegenwartskunstdepot im Flakturm Arenbergpark statt und umfasste 36 Positionen aus Medien- und Netzkunst sowie ein Symposium und weitere Veranstaltungen. ORF Wien berichtete außerdem, dass das Festival sich zwischen Ars Electronica in Linz und dem steirischen herbst in Graz positionieren wollte, dabei aber einen Fokus auf lokale Wiener Netzkulturen legte.[6]
2008 fand die dritte Ausgabe unter dem Titel Utopia im MAK Gegenwartskunstdepot im Arenbergpark statt. Die Presse beschrieb das Festival als „progressive kleine Ideenbaustelle“ zwischen Ars Electronica und steirischem herbst.[7] Die Ausstellung und die kuratorische Rahmung von Utopia wurden auch in Kunstforum International in einem Gespräch von Ursula Maria Probst mit der Kuratorin Judith Fegerl behandelt.[8]
Die fünfte Ausgabe, Mind and Matter, fand 2010 im Künstlerhaus Wien statt. Die Presse beschrieb die Ausgabe als Reflexion über digitale Kultur, das Verhältnis von Mensch und Computer und die Frage, ob Hardware und Software getrennt voneinander gedacht werden können.[9]
Spätere Ausgaben waren unter anderem Reverse Engineering im Jahr 2012 und Open Culture im Jahr 2013. Die Ausgabe 2012 umfasste eine Ausstellung, ein Symposium, ein Filmprogramm und eine Konzertreihe.[3] Die Ausgabe 2013 beschäftigte sich mit offenem Zugang zu Technologie, Kultur und Information und fand im Kunstverein das weisse haus statt.[10] In späteren Jahren gehörten Projekte wie Protestformen und die wiederkehrende Konzertreihe RE_COMPOSED zum Programm.[11][4]
Programm
Das Festival verbindet Ausstellungen mit diskursiven und performativen Formaten. Zum Programm gehören Symposien, Konzerte, Screenings und öffentliche Veranstaltungen. Wiederkehrende Themen sind digitale Kunst, Medienkunst, Netzkultur, offene Kultur, öffentlicher Raum, Privatsphäre, Software, Informationspolitik und die gesellschaftlichen Auswirkungen digitaler Technologien.[3][10]
Die Ausgabe 2012, Reverse Engineering, war um die Idee organisiert, bestehende Systeme zu analysieren, um sie sichtbar zu machen, neu zu interpretieren oder umzubauen. FM4 berichtete, dass die Ausgabe aus Ausstellung, Symposium, Filmprogramm und Konzertreihe bestand; das Symposium war in die Phasen „Open“, „Dissect“ und „Rebuild“ gegliedert.[3]
Die Ausgabe 2013, Open Culture, behandelte offenen Zugang zu Technologie, Kultur und Information. Ö1 berichtete, dass das Programm eine Ausstellung, ein mehrtägiges Symposium und die Konzertreihe re-composed umfasste.[10]
In den letzten Jahren war RE_COMPOSED ein wichtiger Bestandteil von paraflows. Die Festivalwebsite beschreibt die Reihe als Präsentation zeitgenössischer Komponistinnen und Komponisten, deren Arbeiten sich mit der Frage des Komponierens in einer digitalen Welt auseinandersetzen.[12] Die Ausgabe 2023 von RE_COMPOSED fand im echoraum in Wien statt und wurde als 13. Ausgabe von re_composed angekündigt.[5] Die Ausgabe 2025 fand in der Kunsttankstelle Ottakring statt und wurde als 15. Ausgabe von re_composed beschrieben.[4]
Die Ausgabe 2021, Protestformen, beschäftigte sich mit politischem Widerstand als künstlerischer Praxis und umfasste eine Ausstellung, künstlerische Statements, Spaziergänge, Radioarbeiten und ein Symposium.[11][13]
Publikationen
Mehrere Ausgaben von paraflows wurden von Publikationen begleitet. Das Festival veröffentlichte Essays, Kataloge und Sammelbände zu Themen der digitalen Kultur, Medienkunst, des öffentlichen Raums und des kulturellen Aktivismus. basis wien verzeichnet mehrere paraflows-bezogene Publikationen, darunter Open Culture (2013), Intimacy (2014), Identity (2016), Digitale Kunst – Neue Wege des Ausstellens (2016) und Protestformen: Widerstand als kulturelle Praxis (2023).[2] Der Sammelband Protestformen: Widerstand als kulturelle Praxis erschien 2023 bei edition mono / monochrom und wird im Forschungsportal der Universität Wien als peer-reviewter Sammelband geführt.[14]
Organisation
Festivalleiter von paraflows ist Günther Friesinger; als Hauptkuratorin wird Judith Fegerl genannt.[2]
Rezeption
paraflows wurde von österreichischen öffentlich-rechtlichen Medien und Kulturpublikationen wie ORF Wien, Ö1, FM4, Die Presse, Kunstforum International und springerin behandelt.[1][6][7][9][3][10][8] basis wien listet darüber hinaus weitere Berichterstattung zu einzelnen Ausgaben in Der Standard, Wiener Zeitung, Kurier und durch die Austria Presse Agentur.[2]
Literatur
- Günther Friesinger, Judith Fegerl, Frank Apunkt Schneider (Hrsg.): Protestformen: Widerstand als kulturelle Praxis. edition mono/monochrom, Wien 2023.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c Christa Benzer: Neben, über, drüber und doch ziemlich verstrickt. In: springerin. 2006, abgerufen am 6. Juni 2026.
- ↑ a b c d e paraflows - Festival für Digitale Kunst und Kulturen. In: basis wien. Abgerufen am 6. Juni 2026.
- ↑ a b c d e Paraflows 7: Reverse Engineering. In: FM4 / ORF. 12. September 2012, abgerufen am 6. Juni 2026.
- ↑ a b c re_composed 2025. In: paraflows. Abgerufen am 6. Juni 2026.
- ↑ a b re_composed 2023. In: paraflows. Abgerufen am 6. Juni 2026.
- ↑ a b Auf der Suche nach „Unorten“. In: ORF Wien. 13. September 2007, abgerufen am 6. Juni 2026.
- ↑ a b Christoph Huber: Utopia im Flakturm: Der Roboter mixt Cocktails. In: Die Presse. 11. September 2008, abgerufen am 6. Juni 2026.
- ↑ a b Ursula Maria Probst: Utopien der Netzkunst. In: Kunstforum International. Band 196, 2009, S. 394–397 (kunstforum.de [abgerufen am 6. Juni 2026]).
- ↑ a b „Mind and Matter“: Der Geist der Maschine. In: Die Presse. 15. Juli 2010, abgerufen am 6. Juni 2026 (via basis wien).
- ↑ a b c d Paraflows. In: Ö1 / ORF. 12. September 2013, abgerufen am 6. Juni 2026.
- ↑ a b paraflows 2021. In: paraflows. Abgerufen am 6. Juni 2026.
- ↑ re_composed 2022. In: paraflows. Abgerufen am 6. Juni 2026.
- ↑ Symposium P R O T E S TFormen – Die umkämpfte Stadt. In: paraflows. Abgerufen am 6. Juni 2026.
- ↑ Protestformen: Widerstand als kulturelle Praxis. In: u:cris-Portal, Universität Wien. 15. Januar 2023, abgerufen am 6. Juni 2026.
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