Pak Chong-ae

Pak Chong-ae (koreanisch 박정애;[1] geboren 1907 als Ch'oe Vera[2] in der Provinz Hamgyŏng-pukto; gestorben nach 1985), auch bekannt als Pak Den-ai,[3] war eine nordkoreanische Politikerin und Funktionärin der Partei der Arbeit Koreas. Pak war die erste Vorsitzende des Zentralkomitees des Koreanischen Demokratischen Frauenbundes, der größten Frauenorganisation des Landes. Ihre politische Karriere in Nordkorea erstreckte sich von den 1940er Jahren bis zu ihrer Entmachtung 1966, die zu ihrer Verbannung aufs Land führte. Sie gilt als die einzige Frau, die jemals eine wirklich bedeutende Rolle in der PdAK innehatte. Pak war die einzige Frau, die bis zur Ernennung von Kim Yo-jong, der Schwester von Kim Jong Un, im Politbüro der Partei der Arbeit Koreas tätig war.[4][5]
Biographie
Ch'oe Vera wurde 1907 in der Provinz Hamgyŏng-pukto im Nordosten des Koreanischen Kaiserreichs geboren. Sie studierte in Moskau an der Staatlichen Universität.[1] Anschließend arbeitete sie für den sowjetischen Geheimdienst, bevor sie sich vermehrt politisch betätigte.[2][6] Anfang der 1930er Jahre wurde sie zum Dienst nach Korea abkommandiert,[6] wo sie von den japanischen Behörden inhaftiert wurde.[7]


In den 1940er Jahren war Pak mit Kim Yong-bom, dem Vorsitzenden des nordkoreanischen Zweigs der Kommunistischen Partei Koreas, verheiratet.[8] Zum Zeitpunkt der Befreiung Koreas im August 1945 galt Pak bereits als erfahrene Kommunistin.[9][7] Sie gehörte zu den frühesten und überzeugtesten Unterstützern Kim Il Sungs.[2] Im August 1946 wurde sie Vollmitglied des 1. Zentralkomitees der Arbeiterpartei Nordkoreas.[4] Als die Arbeiterpartei Nordkoreas und die Arbeiterpartei Südkoreas 1949 zur Arbeiterpartei Koreas fusionierten, wurde Pak zu einem ihrer drei Sekretäre gewählt.[10] Sie war auch Mitglied im 2., 3. und 4. Zentralkomitee.[4] Sie war außerdem über viele Jahre Abgeordnete der Obersten Volksversammlung.[11]
1953 leitete sie die nordkoreanische Delegation bei Stalins Beerdigung in Moskau, wo sie auch mit dem Leiter der chinesischen Abordnung, Außenminister Zhou Enlai, zusammentraf.[12] Im selben Jahr beteiligte sie sich an einer Säuberungsaktion gegen ehemalige Mitglieder der Südkoreanischen Arbeiterpartei, die bei Kim Il-sung in Ungnade gefallen waren. Pak wurde als einzige Frau neben Ho Ka-i, Kim Tu-bong, Kim Chaek, Yi Sung-yop und Pal Il-u Mitglied des Politbüros, das Kims Herrschaft weiter festigte.[10] Pak war innerhalb des Komitees sehr einflussreich und eine von Kims engsten Vertrauten.[13][14] Sie war anwesend, als er 1953 das Waffenstillstandsabkommen nach dem Koreakrieg unterzeichnete, und begleitete ihn auch auf Reisen ins Ausland.[15]
Sie war die erste Vorsitzende des Zentralkomitees der Koreanischen Demokratischen Frauenliga Nordkoreas,[16] das sie von den 1940er Jahren bis 1965 leitete.[8] Unter ihrer Führung war der Verband eine typische Frauen-Massenorganisation, ähnlich denen in anderen Ländern, totalitärere Züge nahm er erst unter den nachfolgenden Vorsitzenden an.[2] Pak spielte auch eine führende Rolle in der Internationalen Demokratischen Frauenföderation (WIDF).[3] Sie war 1948 Mitglied des Exekutivkomitees, 1951 besuchte eine internationale Frauenkommission der WIDF auf ihre Initiative hin Nordkorea, um das Land für die Weltöffentlichkeit sichtbar zu machen.[3] Im selben Jahr spielte sie auch in dem Antikriegsdokumentarfilm „Pokój zdobędzie świat“ [Der Frieden wird siegen] von Joris Ivens und Jerzy Bossak mit.[17] Von 1961 bis 1963 war sie als Nachfolgerin von Yim Hae Agrarministerin[4] und damit (bis zum Jahr 2000) eine von lediglich sechs nordkoreanischen Frauen mit einem Ministeramt.
Pak wurde im Oktober 1966 auf der 2. Konferenz der Arbeiterpartei Koreas (PdAK) von Kim Il-sung selbst im Rahmen einer Säuberungsaktion abgesetzt.[18] Pak wurde aufs Land verbannt.[19] Sie tauchte 1986 wieder in der Öffentlichkeit auf,[19][6] war aber stark geschwächt und erlangte keinen wesentlichen Einfluss mehr. Zeitpunkt und Ort ihres Todes sind nicht bekannt.[19][2] Ihre Tochter, Pak Sun-hui, ist die derzeitige Vorsitzende des Zentralkomitees der Koreanischen Demokratischen Frauenliga.[8]
Auszeichnungen
- 1950: Internationaler Stalin-Preis[20]
- Trägerin des ersten und zweiten nordkoreanischen Ordens der Nationalflagge[1]
Weiterführende Literatur
- Fyodor Tertitskiy: The Forgotten Political Elites of North Korea: Woe to the Vanquished. Routledge, Abingdon-on-Thames 2024, ISBN 978-1-032-74547-3, Pak Chŏng-ae: The woman with an iron heart, S. 52–60 (englisch).
- Sŏ Tong-man: 북조선사회주의 체제성립사 : 1945-1961 / Puk-Chosŏn sahoejuŭi ch'eje sŏngnipsa : 1945-1961. (deutsch: Die Errichtung eines sozialistischen Systems in Nordkorea). Sŏnin, Seoul 2005, ISBN 978-89-89205-89-0 (koreanisch).
- Yi Chong-sŏk: 조선 로동당 연구 : 지도 사상 과 구조 변화 를 중심 으로 / Chosŏn Nodongdang yŏn'gu : chido sasang kwa kujo pyŏnhwa rŭl chungsim ŭro. (deutsch: Studie über die Arbeiterpartei Nordkoreas). Yŏksa Pip'yŏngsa, Seoul 1995, ISBN 978-89-7696-106-8 (koreanisch).
Weblinks
- Encyclopedia of Korean Culture. Pak Chong-ae (koreanisch, aks.ac.kr).
- North Korean Human Geography. Pak Chong-ae (koreanisch, cybernk.net).
Einzelnachweise
- ↑ a b c ko:박정애(朴正愛). (deutsch: Pak Chong-ae). In: North Korean Human Geography. Institute for Peace Affairs, archiviert vom am 23. August 2017; abgerufen am 13. Februar 2026 (koreanisch).
- ↑ a b c d e Andrei Lankov: Union of Women. In: The Korea Times. 6. Januar 2008, abgerufen am 13. Februar 2026 (englisch).
- ↑ a b c Francisca de Haan: Eugénie Cotton, Pak Chong-ae, and Claudia Jones: Rethinking Transnational Feminism and International Politics. In: Journal of Women's History. 25. Jahrgang, Nr. 4, 2013, ISSN 1527-2036, S. 174–189, doi:10.1353/jowh.2013.0055 (englisch).
- ↑ a b c d Kyung Ae Park: Women and Revolution in Africa, Asia, and the New World. Hrsg.: Mary Ann Tétreault. University of South Carolina Press, Columbia 1994, ISBN 978-1-57003-016-1, Women and Revolution in South and North Korea (englisch, google.com).
- ↑ Ha Yoon Ah: Kim Yo Jong becomes full member of N. Korea's politburo. In: Daily NK. 13. Juli 2020, abgerufen am 13. Februar 2026 (englisch).
- ↑ a b c Andrei Lankov: Recalled to life in Pyongyang. In: Asia Times. 15. April 2011, archiviert vom am 27. April 2011; abgerufen am 13. Februar 2026 (englisch).
- ↑ a b Robert A. Scalapino: The Communist Revolution in Asia: Tactics, Goals, and Achievements. Prentice-Hall, Englewood Cliffs 1965, ISBN 978-0-13-153049-2, S. 118 (englisch, google.com).
- ↑ a b c Alexandre Y. Mansourov: North Korean Policy Elites. Institute for Defense Analyses, Alexandria Juni 2004, OCLC 74273082, Inside North Korea's Black Box: Reversing the Optics, S. IV–43 (englisch, nkeconwatch.com [PDF]).
- ↑ Chong-Sik Lee: Politics in North Korea: Pre-Korean War Stage. In: The China Quarterly. 14. Jahrgang, 2009, ISSN 0305-7410, S. 5–6, doi:10.1017/S0305741000020981 (englisch).
- ↑ a b Haruki Wada: The Korean War: An International History. Rowman & Littlefield Publishers, Lanham 2013, ISBN 978-1-4422-2330-1 (englisch, google.com).
- ↑ World Assembly for Peace: World Assembly for Peace, Helsinki, June 22nd–29th, 1955: Proceedings. Secretariat of the World Council of Peace, 1955, S. 103 (englisch, google.com).
- ↑ Developments Related to Stalin's Death up to 1:00 P.M. est March 9 | CIA FOIA (foia.cia.gov). In: www.cia.gov. Archiviert vom am 23. Januar 2017; abgerufen am 13. Februar 2026 (englisch).
- ↑ Robert A. Scalapino, Chong-Sik Lee: Communism in Korea II: The Society. University of California Press, Berkeley 1972, ISBN 978-0-520-02274-4 (englisch, archive.org).
- ↑ Andrei Lankov: Crisis in North Korea: The Failure of De-stalinization, 1956. University of Hawai'i Press, Honolulu 2005, ISBN 978-0-8248-2809-7, S. 97 (englisch, google.com).
- ↑ Gianluca Spezza: The Women Of North Korea: Icons, Heroines & Power Players. In: NK News. 30. Januar 2013, abgerufen am 13. Februar 2026 (englisch).
- ↑ Charles K. Armstrong: The North Korean Revolution, 1945–1950. Cornell University Press, Ithaca 2013, ISBN 978-0-8014-6879-7, S. 96–97 (englisch, google.com).
- ↑ Hans Schoots: Living Dangerously: A Biography of Joris Ivens. Amsterdam University Press, Amsterdam 2000, ISBN 978-90-5356-433-2, S. 234 (englisch, google.com).
- ↑ Adrian Buzo: The Guerilla Dynasty: Politics and Leadership in North Korea. I.B.Tauris, London 1999, ISBN 978-1-86064-415-3, S. 72 (englisch, google.com).
- ↑ a b c Andrei Lankov: The Real North Korea: Life and Politics in the Failed Stalinist Utopia. Oxford University Press, Oxford 2014, ISBN 978-0-19-939003-8 (englisch).
- ↑ Rev. Moulton Gets Stalin 'Peace' Prize. In: The Deseret News. 7. April 1950, S. 1B, abgerufen am 13. Februar 2026 (englisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pak, Chong-ae |
| KURZBESCHREIBUNG | nordkoreanische Parteifunktionärin |
| GEBURTSDATUM | 1907 |
| GEBURTSORT | Hamgyŏng-pukto |
| STERBEDATUM | nach 1985 |
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