North Channel Bank
| North Channel Bank GmbH & Co. KG | |
|---|---|
| Staat | |
| Sitz | Mainz |
| Rechtsform | GmbH & Co. KG |
| Gründung | 1924 |
| Website | northchannelbank.de |
Die North Channel Bank GmbH & Co. KG ist ein deutsches Kreditinstitut mit Sitz in Mainz. Das Unternehmen ist seit Januar 2023 insolvent. Die Bank wurde 1924 als Privatbank (Oswald Kruber GmbH & Co. KG mit Sitz in Berlin) gegründet. Ab 2010 hat sich die Bank als Nischenanbieter für Geschäftspartner im internationalen Umfeld ausgerichtet.
Geschichte
Die 1924 in Berlin gegründete Privatbank[1] Oswald Kruber GmbH & Co. KG war langjährig ein Nischenanbieter. Insbesondere nach der Neugründung im Jahr 1954 konzentrierte sich das Bankhaus auf die lokale Immobilienfinanzierung in Berlin, insbesondere im Rahmen des Wiederaufbaus kriegszerstörter Häuser. 1969 wurde eine eigene Tochtergesellschaft zur Immobilienfinanzierung gegründet. Darüber hinaus wurden Gewerbekredite vergeben. Anders als andere Privatbanken dieser Zeit betrieb Oswald Kruber nur eine sehr zurückhaltende Expansion. Im Jahr 1974 trat Manfred Kruber, Sohn des im gleichen Jahr verstorbenen Unternehmensgründers, in die Geschäftsführung ein. 1980 beschäftigte Oswald Kruber vier Mitarbeiter und verzeichnete eine Bilanzsumme von rund 3,3 Millionen D-Mark.[2] Von 1962 bis 1983 bestand eine Zweigniederlassung in München. Gesellschafter der Bank waren vor allem Mitglieder der Familie Kruber.[3]
Im Jahr 2000 erwarb der Finanzdienstleister Hornblower Fischer die Privatbank. Hornblower Fischer brach im Jahr 2003 im Zusammenhang mit einem Betrugsprozess gegen ihren Eigentümer Alexander Falk zusammen, worauf im September 2004 der erneute Verkauf der Bank Oswald Kruber erfolgte. Käufer war nun der US-amerikanische Finanzdienstleister Ocwen Financial Corporation für 7,25 Millionen Euro. 2009 erfolgte ein erneuter Verkauf an eine nach eigenen Angaben nordamerikanische Investorengruppe mit Erfahrungen im Zweitmarkt für US-Lebensversicherungen. Später trat diese Gruppe, über die keine weiteren öffentlichen Informationen vorliegen, unter dem Namen Oban auf. Die neuen Eigentümer benannten ihre Erwerbung in North Channel Bank um und verfügten damit über eine deutsche Vollbanklizenz.[4] Im Jahr 2010 erfolgte die Sitzverlegung nach Mainz.[5]
In den folgenden Jahren konzentrierte sich North Channel auf Geschäfte mit Pensionsfonds und Lebensversicherungen in den USA. Dies führte zu einem wesentlichen Ansteig des Geschäftsvolumens: Die Bilanzsumme wuchs von rund 30 Millionen Euro im Jahr 2009 auf 183 Millionen Euro im Jahr 2009. Als Überschuss wurden für das Jahr 2016 knapp elf Millionen Euro angegeben, nahezu eine Versiebzehnfachung gegenüber dem Jahr 2011.[4]
Krise der Bank und Einschreiten der Bafin
Von 2017 an stand die North Channel Bank wegen ihrer Verwicklung in den länderübergreifenden Com-Ex-Steuerbetrug im öffentlichen Interesse. Bekannt wurden die Vorwürfe in diesem Jahr durch eine staatsanwaltschaftliche Durchsuchung der Mainzer Geschäftsräume auf Betreiben dänischer Behörden. Vor allem wurde davon ausgegangen, dass die Bank Konten für mehrere angebliche Pernsionsfonds geführt habe, die real nicht existierten.[4]
Später bestätigte auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), dass die North Channel Bank jahrelang in Cum-Ex-Geschäfte in Dänemark und Belgien verwickelt gewesen sei. Dänische und belgische Steuerbehörden forderten 176 Millionen Euro Schadensersatz von der North Channel Bank. Diese Summe zahlte die Mainzer Bank nicht. Daher ließ die Bafin die Bank am 12. Januar 2023 schließen.[6] Die Geschäftsleitung hat parallel eine Insolvenzanzeige mit einer analogen Begründung erstellt und unterstützt ein Planinsolvenzverfahren. Am 23. Januar 2023 stellte die Bafin den Entschädigungsfall fest. 500 verbliebene Kunden und einige kommunale Träger werden entschädigt.[7][8]
Im Oktober 2025 ließ das zuständige Landgericht Koblenz eine Klage gegen mehrere ehemalige Mitarbeiter der North Channel Bank zu. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen banden- und gewerbsmäßige Geldwäsche in 27 Fällen vor. Die Verhandlung soll Ende Januar 2026 anlaufen.[9]
Weblinks
- Website der North Channel Bank
- North Channel Bank in der Unternehmensdatenbank der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
Einzelnachweise
- ↑ Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger vom 17. Februar 1925, abgerufen über deutsche-digitale-bibliothek.de, Direktlink.
- ↑ Annett Ullrich: Finanzplatz Berlin. Entstzehung und Entwicklung, Schriftenreihe Finanzierung und Banken, Band 9, Verlag Wissenschaft & Praxis, 2005, S. 190 f.
- ↑ Handelsregister A des Amtsgerichts Berlin (Charlottenburg), Historischer Auszug zur Registernummer 10255 B, abgerufen unter handelsregister.de.
- ↑ a b c Sönke Iwersen und Volker Votsmeier: Raubritter mit beschränkter Haftung, Handelsblatt vom 6. September 2018.
- ↑ Handelsregister A des Amtsgerichts Berlin (Charlottenburg), Chronologischer Auszug zur Registernummer 10255 B, abgerufen unter handelsregister.de.
- ↑ BaFin ordnet Moratorium über die North Channel Bank an, Pressmitteilung der Bafin vom 12. Januar 2023, online verfügbar.
- ↑ Kunden der insolventen North Channel Bank werden entschädigt Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Januar 2023, abgerufen am 28. Januar 2023
- ↑ Finanzaufsicht schließt North Channel Bank, ZDF, 12. Januar 2023
- ↑ Aaron Niemeyer: Mainzer Bankiers angeklagt: 1,72 Milliarden Euro Schaden?, mittelhessen.de vom 22. Oktober 2025, online verfügbar.
Koordinaten: 50° 0′ 11,7″ N, 8° 15′ 32,7″ O
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