Niedax
| Niedax Holding GmbH
| |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1920 |
| Sitz | Linz am Rhein, Rheinland-Pfalz, Deutschland |
| Leitung | Bruno Reufels (Geschäftsführer) Alexander Horn (Technischer Geschäftsführer und Gesellschafter) |
| Mitarbeiterzahl | 2700 (2023)[1] |
| Umsatz | 920 Mio. Euro (2024)[2] |
| Branche | Gebäudeinstallationstechnik |
| Website | www.niedax-group.com |
| Stand: 31. Dezember 2024 | |
Die Niedax Holding GmbH ist die Konzernobergesellschaft einer Unternehmensgruppe mit Sitz in Linz am Rhein. Die seit ihrer Gründung 1920 in Familienbesitz befindliche Unternehmensgruppe ist im Bereich der Elektro- und Gebäudeinstallationstechnik tätig. Die Niedax Group ist an 81 Standorten, davon 25 Produktionsstätten, in über 30 Ländern tätig.[3] Joint Ventures bestehen mit FEMI-CZ und Steelline mit Sitz in Italien sowie mit R&M Electrical Group im britischen Southampton und ABB in Nordamerika.[4]
Das Kerngeschäft des Unternehmens ist die Konzeption und Herstellung von Kabelverlegesystemen. Mit über 50.000 Artikeln aus dem Bereich Elektroinstallation kommen die Produkte vor allem in öffentlichen Bauten, Tunneln, Infrastrukturprojekten, Industrie- und Automobilwerken, maritimen Anlagen sowie im Energiesektor und Schiffbau zum Einsatz. Das Unternehmen gilt als einer der weltweit führenden Hersteller von Kabeltragsystemen aus Metall.[5] Rund 2700 Beschäftigte waren im September 2023 für die Gruppe tätig.[1]
Unternehmensgeschichte
Gründung und Entwicklung
Im Jahr 1920 gründeten die Ingenieure Alexander Niedergesäß und Fritz Axthelm in Berlin die Niedergesäß & Co. OHG.[6] Der Name „Niedax“ entstand aus den Anfangsbuchstaben der Nachnamen der Gründer. In den Anfangsjahren wurden vor allem Befestigungs- und Verlegematerialien für die Elektroinstallation hergestellt.[7]
1925 wurde die Produktion ins brandenburgische Herzberg/Elster verlagert, kurz darauf folgte die Eintragung des Warenzeichens „Niedax“. Im Jahr 1928 wurde der Niedax-Hülsen-Spreizdübel patentiert.[8]
Nach dem Börsensturz von 1929 und der damit einhergehenden Wirtschaftskrise profitierte Niedax zunächst von der Kriegswirtschaft der Nationalsozialisten.[8] Die Firmenzentrale wurde in der Nacht vom 29. auf den 30. Januar 1944 bei einem Luftangriff der Alliierten auf Berlin vollständig zerstört. Vier Mitarbeiter kamen ums Leben. Büro-, Montage- und Lagerräume waren vernichtet. Auch das Ausweichquartier in Lichterfelde wurde wenig später von Bomben zerstört.[8]
Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte der Wiederaufbau unter anderem mit der Gründung einer Zweigniederlassung in Linz am Rhein.[9]
Ausbau und Industrialisierung
Ab dem 1. Januar 1955 firmierte der Standort Linz am Rhein als eigenständiges Unternehmen unter dem Namen Niedax GmbH. Die Niedergesäß & Co. OHG in Berlin blieb als selbstständige Firma bestehen. Weitere Patentanmeldungen ergänzten das Produktangebot, darunter aus dem Jahr 1954 eine Bügelschelle mit Hammerfuß.
Mit dem Erwerb eines Grundstücks von 280.000 m² Fläche im Industriegebiet in St. Katharinen bei Linz am Rhein wurde das Gelände für die Erweiterung der Produktionsmöglichkeiten geschaffen. Der Beginn des Programms zur Produktion von Kabelrinnen Anfang der 1970er war die Basis für den Wandel von der Werkstatt hin zur industriellen Fertigung. Im Jahr 1975 wurde eine eigene Feuerverzinkerei in Betrieb genommen. Im Laufe der 1970er Jahre wurde die Produktion vollständig nach St. Katharinen verlegt. Sitz der Hauptverwaltung des Unternehmens ist seither Linz am Rhein.[8][10] 1995 übernahmen Bruno Reufels und Egon Winggen die Geschäftsleitung von Franz Kolmer, der in den Ruhestand ging.[11]
Ab 1995 verfolgte Niedax einen Internationalisierungskurs und wuchs durch die Gründung von Niederlassungen sowie durch Zukäufe von Unternehmen im In- und Ausland.[12][7] So übernahm es 1996 Elektraplan und 1999 das niederländische Unternehmen Alinco.[13] Zum 1. Januar 2000 übernahm die Niedax zudem die Kleinhuis-Gruppe mit Sitz in Lüdenscheid und 2004 kam die Rico GmbH & Co. KG hinzu.[14][15] Größere Übernahmen tätigte das Unternehmen vor allem in wirtschaftlichen Krisenphasen, unter anderem während der Finanzkrise und der COVID-19-Pandemie. In dieser Zeit erwarb es zudem zwei Stahl-Service-Center.[7]
2007 ging Egon Winggen in den Ruhestand und Alexander Horn wurde neuer Geschäftsführer neben Bruno Reufels.[16]
Aktuelle Entwicklungen
Seit 2021 ist die Niedax an einer Kita in Linz als Kooperationspartner beteiligt.[17]
Zum 1. Januar 2023 nahm eine neue operative Geschäftsführung ihre Tätigkeit auf.[18]
Seit Sommer 2023 bezieht die Niedax Group CO2-reduzierten Stahl von verschiedenen Anbietern und verarbeitet diesen an unternehmenseigenen Standorten.[19][20] Seit Februar 2024 setzt die Unternehmensgruppe CO2-reduziertes Zink in der eigenen Feuerverzinkerei ein.
2024 übernahm Niedax die italienische Spina Group, einen Hersteller von Kabelverlegesystemen, der auch elektrotechnische Materialien für Industrieanlagen vertreibt.[21] Im Mai 2024 stieg Niedax als Gesellschafter bei Giga Fiber ein und beteiligte sich in diesem Rahmen am Glasfasernetz-Ausbau in Deutschland.[22]
2025 erwarb Niedax ein Gelände in Rahms und richtete dort einen neuen Standort ein. Dieser dient vor allem Verwaltungs- und Vertriebsaufgaben. Zudem entstand dort ein sogenannter Technologie-Campus, von dem aus seit Fertigstellung die Infrastrukturprojekte in Europa gesteuert werden. In diesem Zusammenhang wurde die Niedax Infrastruktur GmbH gegründet.[23][24]
2026 kündigte Niedax über ihre Tochtergesellschaft Netz33 GmbH den Aufbau eines bundesweiten Glasfasernetzes für kritische Infrastruktur an. Das Netz soll entlang von Bahnstrecken verlaufen, rund 33.000 Kilometer lang werden und Investitionen von etwa zehn Milliarden Euro umfassen. Am 27. April 2026 begann Netz 33 in Niedergörsdorf in Brandenburg mit dem Bau einer rund 130 Kilometer langen Teststrecke. Dort sollen Techniken erprobt werden, die Datenverbindungen vor Sabotage, Störungen und anderen Sicherheitsrisiken schützen.[25][26]
Unternehmensstruktur
Die Niedax Holding GmbH mit Sitz in Linz am Rhein ist die Muttergesellschaft der Niedax-Gruppe. Die Unternehmensgruppe befindet sich seit Gründung zu 100 Prozent im Familienbesitz.[27]
Die Unternehmensstruktur ist mehrstufig aufgebaut. An der Spitze steht die Niedax Holding GmbH als Muttergesellschaft. Unter ihr befindet sich die Niedax Verwaltungs GmbH, welche die Geschäftsführung der Niedax Beteiligungs GmbH & Co. KG übernimmt. Diese wiederum ist an der Niedax GmbH & Co. KG beteiligt, in welcher der überwiegende Teil der Konzernbeteiligungen gebündelt ist.[2]
Der Konzern umfasst 68 direkt oder indirekt gehaltene Tochtergesellschaften in Europa, Nordamerika, Asien und dem Nahen Osten.[2] Die Tochtergesellschaften übernehmen unterschiedliche Funktionen innerhalb des Konzerns. Sie umfassen Produktionsgesellschaften für Kabelverlegesysteme, Vertriebs- und Dienstleistungsgesellschaften in verschiedenen Ländern sowie Unternehmen im Geschäftsbereich Stahl-Service. Darüber hinaus bestehen Gesellschaften für internationale Projektabwicklung, insbesondere im Umfeld elektrotechnischer Installationen und Infrastrukturprojekte.[2]
Geschäftsbereiche
Die Niedax-Gruppe ist in mehreren Geschäftsbereichen tätig. Dazu gehört die Herstellung und der Vertrieb von Kabelverlegesystemen sowie elektrotechnischem Verlegungs- und Befestigungsmaterial aus Metall, Kunststoff und Glasfaser.[28] Diese Systeme werden vor allem in Industrieanlagen, Bürogebäuden und Infrastrukturprojekten eingesetzt.[29]
Im Geschäftsbereich Stahl-Service wird über verschiedene Tochterunternehmen Stahl verarbeitet, der sowohl an externe Industriekunden geliefert als auch für die eigene Produktion von Kabelverlegesystemen verwendet wird.[28]
Außerdem ist die Gruppe im Bereich Distribution tätig. Dieser umfasst den internationalen Handel mit elektrotechnischen Produkten sowie Leistungen wie Planung und Montage.[29]
Ein weiterer Geschäftsbereich ist die Infrastruktur. Hierunter fällt der Bau von Rechenzentren sowie der allgemeine Netzausbau.[23][30]
Zu den bekannten Projekten, bei denen Produkte von Niedax verwendet wurden, gehören unter anderem der Gotthard-Basistunnel und die Elbphilharmonie.[29]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Sabine Nitsch: Branchenriese aus Linz wächst immer weiter: Niedax Group kratzt an der Umsatzmilliarde. In: Rhein-Zeitung.de. 18. September 2023, abgerufen am 5. Oktober 2023.
- ↑ a b c d Niedax Holding GmbH, Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2024 zum 31.12.2024, veröffentlicht im Unternehmensregister am 11. März 2026, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Niedax Group – Über uns. Niedax Group, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Anthony Capkun: ABB and Niedax’s joint venture—Abnex—ready to take on North America’s cable tray demands. In: Electrical Business. 11. November 2024, abgerufen am 28. Juli 2026 (englisch).
- ↑ Niedax Group im Lexikon der Weltmarktführer. DDW Die Deutsche Wirtschaft GmbH, abgerufen am 22. August 2023.
- ↑ Niedax Group – 100 Jahre mit Begeisterung und Leidenschaft. Gestern, heute, morgen. Niedax Group, abgerufen am 22. August 2023.
- ↑ a b c Torsten Holler: Niedax Group: Auf dem Weg zur ersten Umsatzmilliarde. In: Unternehmeredition. 24. Juli 2024, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ a b c d 100 Jahre Niedax - Ein Familienunternehmen mit Tradition und Innovationskraft. In: vem.diearbeitgeber.de. 6. Oktober 2020, abgerufen am 13. April 2021.
- ↑ Hermann Burghard, Cordula Kapser: Linz am Rhein. Die Geschichte der Stadt von der Frühzeit bis zur Gegenwart. Böhlau, 2002, ISBN 978-3-412-06602-4, S. 302.
- ↑ Erfolg mit Tradition. In: www.niedax-group.com. Niedax Group, abgerufen am 13. April 2021.
- ↑ Franz Kolmer: Ein „Unbequemer“ geht. In: Rhein-Zeitung. 1./2. April 1995.
- ↑ Harald Schumacher: Ein Bauzulieferer macht sich unabhängig von Stahldienstleistern. In: WirtschaftsWoche. 6. April 2023, abgerufen am 22. August 2023.
- ↑ Marcelo Peerenboom: Mit kleinen Klemmen zum Erfolg. In: Rhein-Zeitung. 12. Februar 2004.
- ↑ Uwe Oster: Niedax steuert auf Expansionskurs. In: Rhein-Zeitung. 20. Januar 2000.
- ↑ Marcelo Peerenboom: Expansionskurs bringt neue Jobs. In: Rhein-Zeitung. 15. Dezember 2004.
- ↑ Egon Winggen prägte die Geschichte der Niedax-Gruppe. In: Rhein-Zeitung. 3. September 2007.
- ↑ Sabine Nitsch: Vorzeige-Kita „Strünzer Pänz“ ist in Betrieb. In: Rhein-Zeitung. 19. April 2021.
- ↑ Philipp Peters: Niedax leitet den Generationswechsel ein. In: ElektroWirtschaft. 6. Dezember 2022, abgerufen am 15. Februar 2023.
- ↑ Niedax bezieht erstmals CO2-reduzierten Stahl von Tata Steel UK. In: Stahleisen.de. 29. Juni 2023, abgerufen am 29. Mai 2023.
- ↑ Franziska Löffler: Die Niedax-Group bezieht CO2-reduzierten Stahl von Thyssenkrupp Steel. In: TGA-Fachplaner.de. 12. Dezember 2023, abgerufen am 29. Mai 2024.
- ↑ Niedax übernimmt italienische Spina Group - elektro.net. In: Elektro.net. 1. Juli 2024, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ GIGA FIBER nimmt die Niedax Group als strategischen Partner mit 10 Prozent Beteiligung an Bord. In: wallstreet-online.de. 27. Mai 2024, abgerufen am 29. Mai 2024.
- ↑ a b Alexander Soost: Niedax Group erschließt neuen Standort in Deutschland. In: VG Asbach. 28. März 2025, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Laura Peichl: Neuer Technologie Campus & Experience Center „Synnoscape“. In: I-Magazin. 4. Februar 2026, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Daniel Delhaes, Dietmar Neuerer: Infrastruktur: Dieses milliardenschwere Netz soll uns im Ernstfall schützen. In: Handelsblatt. 2. Februar 2026, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Test für krisensicheres Glasfaser-Netz in Brandenburg. In: Süddeutsche Zeitung. 27. April 2026, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Champion für Elektroinstallationsmaterial: 100 Jahre Niedax. In: sonepar-innovationlab.com. Abgerufen am 13. April 2021.
- ↑ a b Niedax Group investiert Millionen in Stahl-Service-Center. In: Hidden Champions. 25. Juli 2025, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ a b c Stefan Preuß: Unter Strom. In: GoingPublic.de. 18. August 2023, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Anke Mersmann: Kritische Infrastruktur: Niedax plant sicheres Glasfasernetz entlang der Schiene. In: Rhein-Zeitung. 4. Februar 2026, abgerufen am 28. Juli 2026.
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