Neroth
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
|
| ||
| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 50° 12′ N, 6° 45′ O | |
| Bundesland: | Rheinland-Pfalz | |
| Landkreis: | Vulkaneifel | |
| Verbandsgemeinde: | Gerolstein | |
| Höhe: | 470 m ü. NHN | |
| Fläche: | 7,24 km² | |
| Einwohner: | 811 (31. Dez. 2025)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 112 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 54570 | |
| Vorwahl: | 06591 | |
| Kfz-Kennzeichen: | DAU | |
| Gemeindeschlüssel: | 07 2 33 050 | |
| Adresse der Verbandsverwaltung: | Kyllweg 1 54568 Gerolstein | |
| Website: | www.neroth.de | |
| Ortsbürgermeister: | Klaus-Dieter Peters | |
| Lage der Ortsgemeinde Neroth im Landkreis Vulkaneifel | ||

Neroth ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Gerolstein an.
Geographische Lage
Neroth liegt am Fuß des Nerother Kopfes (651,7 m) zwischen Daun und Gerolstein im Naturpark Vulkaneifel. Es ist mit diesen Orten über Gemeindestraßen verbunden. Zudem hat Neroth Anteil an den Landschaftsschutzgebieten „Zwischen Ueß und Kyll“ (östlicher Gemeindeteil) und „Gerolstein und Umgebung“ (westlicher Gemeindeteil).
Geschichte
Neroth gehört, auch aufgrund seines Namens, zur mittelalterlichen Rodungsperiode, die um 1200 abgeschlossen war. Es wurde 1388 erstmals als „Niederroth“ urkundlich erwähnt. Die dazugehörigen Siedlungsplätze Oberroth und Hundswinkel wurden wohl in der darauf folgenden spätmittelalterlichen Wüstungsperiode aufgegeben.
Neroth war einst recht bedeutend, denn es hatte ein Hochgericht, an dem die Herren von Daun und von Ulmen Recht sprachen. Außerdem war die Nerother Burg Freudenkoppe eine Anlage der Grafen von Luxemburg, später der Kurfürsten von Trier.
- Bevölkerungsentwicklung
Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Neroth, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2]
|
|
Politik
Gemeinderat
Der Gemeinderat in Neroth besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.[3]
Ortsbürgermeister
Klaus-Dieter Peters wurde am 23. Juli 2024 Ortsbürgermeister von Neroth. Da für die Direktwahl am 9. Juni 2024 kein Wahlvorschlag eingereicht wurde, oblag die Neuwahl des Bürgermeisters gemäß rheinland-pfälzischer Gemeindeordnung dem Rat, der sich auf seiner konstituierenden Sitzung einstimmig für Klaus-Dieter Peters entschied.[4]
Sein Vorgänger Egon Schommers war von 1991 bis 2024 Ortsbürgermeister von Neroth. Die Ortsgemeinde hat ihm für seine besonderen Verdienste im Juli 2024 das Ehrenbürgerrecht der Ortsgemeinde verliehen.[5]
Wappen
| Blasonierung: „Zwischen einem durch Zinnenschnitt von Gold und Rot geteilten Schildhaupt und einem grünen Fünfberg, darin eine silberne Mausefalle, in Gold eine rote Waage“ | |
| Wappenbegründung: Der gold-rote Zinnenschnitt im Schildhaupt symbolisiert die von Johann von Böhmen errichtete Burg auf dem Nerother Kopf. Die Waage steht für das Nerother Hochgericht. 1677 werden als gemeinsame Gerichtsherren Graf Nikolaus zu Daun, Haust von Ulmen und Zant von Merl genannt. Fünf markante vulkanische Erhebungen (Berge) umrahmen den Ort. Aus diesem Grunde wurde der Fünfberg aufgenommen. Die silberne Mausefalle weist auf die Drahtwarenindustrie als Erwerbsgrundlage im 19. Jahrhundert und auf das einmalige Mausefallenmuseum der Gemeinde hin. |
Öffentliches Leben
Bereits seit 1910 gibt es in Neroth eine Freiwillige Feuerwehr, die – wie oftmals im ländlichen Raum in Deutschland – durch die Einbindung der Bevölkerung einen wichtigen Bestandteil des öffentlichen Lebens einnimmt. So veranstaltet sie schon fast ebenso lange, erstmals in den 1920er-Jahren, jedes Jahr am Ostersonntag die Nerother Eierlage, angelehnt an das gleichnamige, jedoch ältere Brauchtum der Schönecker Eierlage.
Erst in viel späteren Jahren wurden die verschiedenen in Neroth existierenden Sportvereine gegründet.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Sehenswürdigkeiten
Auf dem nahe gelegenen Berg Nerother Kopf befindet sich die Freudenkoppe, eine Burgruine mit in der Nähe liegender Mühlsteinhöhle. In dieser wurde in der Silvesternacht 1919/20 der Nerother Wandervogel gegründet.
Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Neroth
Mausefallen
Die Eifel war im 19. Jahrhundert eine Landschaft großer Armut, auch verursacht durch die Realerbteilung, die die landwirtschaftliche Erwerbsgrundlage zusehends verkleinerte. Die Landwirtschaft war äußerst karg. Gewerbliche und handwerkliche Verdienstmöglichkeiten waren gering. Neroth war unter den Dörfern der Eifel insofern keine Ausnahme. Ein Teil der eingesessenen Dorfbevölkerung betrieb daher Nebengewerbe wie den Hausierhandel mit geschnitzten Löffeln oder Korbwaren. Bei einem weiteren, kleinen Teil handelte es sich um zugezogene und ortsfest werdende jenische Hausierhändler und Flickhandwerker. So waren die Voraussetzungen für den Einstieg in die handwerkliche Produktion und in den Vertrieb eines viel verlangten Gegenstands, der Mause- und Rattenfalle, gegeben, den ein damaliger Lehrer aus Neroth für die Menschen seines Dorfes als Ausweg aus der Existenznot um die Mitte des Jahrhunderts konzipierte.
Viele der ärmeren Bewohner – jenische und nichtjenische – betrieben in der Folge einen Hausierhandel mit Drahterzeugnissen, darunter Mausefallen. Im Ergebnis verbesserte sich die Lebenssituation vieler Familien deutlich. Hergestellt wurden die Drahtwaren hauptsächlich von Frauen in Heimarbeit. Die Männer verkauften die Fallen als fahrende Händler. Dabei gelangten die „Musfallskrämer“ weit über die Grenzen der heutigen Bundesrepublik bis nach Polen und Tschechien. Die Hausierer benutzten zur Verständigung untereinander eine Geheimsprache, das Jenische. Die zunehmende Industrialisierung erschwerte das Geschäft ab Beginn des 20. Jahrhunderts jedoch zusehends, bis es 1970 ganz zum Erliegen kam. Die hergestellten Drahtwaren konnten sich zu jeder Zeit mit industriellen Fertigprodukten messen oder waren sogar von höherer Qualität, durch die Handarbeit bei ihrer Herstellung wurden sie in Zeiten gestiegener Löhne jedoch zu teuer. Kennzeichen war der „aufgebundene Draht“. Das heißt, die Drähte wurden an Kreuzungspunkten mit einem feineren Draht umwickelt. Heute befindet sich in Neroth das Mausefallenmuseum[6][7] und dokumentiert die Arbeit und das einfache Leben der Mausefallenmacher.[8] Weiterhin existiert ein Buch und ein Dokumentarfilm zu diesem Thema.
Tourismus
Seit den 1960er Jahren befindet sich in Neroth ein mittelgroßer Hotelbetrieb. Durch Kontakte des Nerother Musikvereins gehören dort niederländische Touristen zu den regelmäßigen Gästen.
Seit 2009 führen etliche Kilometer der 10. Etappe des neuen Eifelsteigs von Gerolstein nach Daun durch den Ort, wobei diese ziemlich genau die Mitte der Etappe bilden. In der Folge wurde ein örtliches Restaurant mit wenigen Gästezimmern ebenfalls zu einem Hotel erweitert.
Kuriosum: Ein Luxemburger als Lehrer in Neroth 1942
Im Kriegsjahre 1942 unterrichtete der spätere Direktor des Luxemburger Nationalarchivs Paul Spang eine kurze Zeit lang als Vertretungslehrer an der Volksschule in Neroth. Er hatte im Juli 1941 das Abitur in seiner Heimatstadt Echternach bestanden, die damals wie ganz Luxemburg von Nazi-Deutschland besetzt war. Der Zugang zum Universitätsstudium blieb ihm versperrt, da er weder das hierzu nötige eindeutige Bekenntnis zum Deutschtum erfüllte noch die ebenso erforderliche freiwillige Meldung zum „freiwilligen“ Arbeitsdienst. Stattdessen entschloss er sich zum Besuch der Volksschullehrer-Bildungsanstalt in Ettelbrück; dieser Studienweg führte ihn schließlich nach Neroth, verhinderte aber nicht, dass er im Oktober 1942 in den Reichsarbeitsdienst eingezogen wurde und danach als Zwangsrekrutierter der deutschen Wehrmacht an die Ostfront kam.
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Spang sein Universitätsstudium doch noch antreten, wurde Professor am Echternacher Gymnasium und später Direktor des Nationalarchivs.[9]
Mit Neroth, wo er bei der Familie Felix Klaus einquartiert war, verknüpfte er positive Erinnerungen: „In Neroth, auf historisch luxemburgischem Territorium, gab es nur eine Hakenkreuzfahne, und die lag auf dem Speicher der Schule. Hier waren alle freundlich mit mir und ich durfte sogar mit Pfarrer Schelian spazieren gehen, trotzdem dieser auf Geheiß der Gestapo das Ortsgebiet nicht verlassen durfte.“[9]
Ehrenbürger
- 2024: Egon Schommers, Ortsbürgermeister von 1991 bis 2024[5]
Literatur
- Willi Steffens: Der Nerother Kopf. In: Heimatjahrbuch 1974. Weiss-Verlag, Daun 1974, S. 40–41 (online).
- Siegfried Stahnke: Nerother Burg – Vergessene Burg? In: Heimatjahrbuch 1983. Weiss-Verlag, Daun 1983, S. 47–53 (online).
- Siegfried Stahnke: Mausefallen aus Neroth. In: Heimatjahrbuch 1985. Weiss-Verlag, Daun 1985, S. 145–147 (online).
- Werner Grasediek: Vom Steffelberg rollt das Feuerrad. In: Heimatjahrbuch 2003. Weiss-Verlag, Daun 2003, S. 113–115 (online).
- Hildegard Ginzler: Die „Musfallskrämer“ aus der Eifel: Entwicklung des Drahtwarengewerbes in Neroth als Beispiel für Selbsthilfe in einer Mittelgebirgsregion. Gesellschaft für Volkskunde Rheinland-Pfalz, Mainz 1986, ISBN 3-926052-00-7.
- Hildegard Ginzler: Die Mausefallenmacher. Rheinland-Verlag, Köln 1989, ISBN 3-7927-1111-7.
- Peter Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. Eine Dokumentation der Rotwelschdialekte in Bell, Breyell, Kofferen, Neroth, Speicher und Stotzheim. In: Rheinische Mundarten. 2. Auflage. Band 10. Rheinland-Verlag, Köln 2000, ISBN 3-7927-1728-X, VI. Neroth, S. 156–174 (Mit einer CD).
- Wolfram Windolph: Nerother Jenisch: Schriftliche Quellen und Glossar. Harrassowitz, Wiesbaden 1998, ISBN 3-447-04044-0.
Weblinks
- Internetpräsenz der Ortsgemeinde Neroth
- Zur Ortsgemeinde Neroth gibt es Einträge in der Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier.
- Mausefallenmacher in der Eifel, Neroth 1980. Film des Landschaftsverbandes Rheinland.
- Literatur über Neroth in der Rheinland-Pfälzischen Landesbibliographie
Einzelnachweise
- ↑ Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Bevölkerungsstand 31. Dezember 2025 von Land, Landkreisen, Gemeinden und Verbandsgemeinden (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2022) (Hilfe dazu).
- ↑ Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Regionaldaten.
- ↑ Thomas Brokonier (Wahlleiter): Bekanntmachung des Ergebnisses der Wahl zum Gemeinderat Neroth am 9. Juni 2024. In: Verbandsgemeinde Gerolstein aktuell, Ausgabe 25/2024. Linus Wittich Medien GmbH, Höhr-Grenzhausen, 12. Juni 2024, abgerufen am 26. April 2025.
- ↑ Aus dem Ortsgemeinderat. Konstituierende Sitzung des Ortsgemeinderates der Ortsgemeinde Neroth 2024. In: Verbandsgemeinde Gerolstein aktuell, Ausgabe 31/2024. Linus Wittich Medien GmbH, Höhr-Grenzhausen, abgerufen am 26. April 2025.
- ↑ a b Ehrenbürgerwürde für Egon Schommers. Verbandsgemeinde Gerolstein, 31. Juli 2024, abgerufen am 26. April 2025.
- ↑ Mausefallen-Museum ( vom 5. Oktober 2011 im Internet Archive)
- ↑ Mausefallenmuseum Neroth. Eifel Tourismus GmbH, abgerufen am 8. Mai 2019.
- ↑ Museen in der Eifel bringen sich neu in Position. Kulturabteilung des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz, 9. April 2009, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 17. Juli 2021; abgerufen am 8. Mai 2019.
- ↑ a b Paul Spang: Die ausgeklammerten Jahre: 10. Mai 1940 – 17. Mai 1945. Aus dem Tagebuch eines zwangsrekrutierten Luxemburgers. Éditions Saint-Paul, Luxembourg 2012, ISBN 978-2-87963-842-3, S. 29–38 (posthum erschienen).
Content Disclaimer
Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.
- The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
- There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
- It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
- Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
- Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.

