Neithhotep
| Neithhotep in Hieroglyphen | ||||
|---|---|---|---|---|
| Eigenname |
Neith-hotep Nj.t htp Neith ist gnädig[1] | |||
| Serechname [2] |
Nj.t htpjw Neith ist zufrieden/ (mit) Neith versöhnt | |||
Neithhotep (auch Neithhotepju) war eine frühägyptische Königin der frühen 1. Dynastie, welche um 3000/2980 v. Chr. an der Seite der Könige (Pharaonen) Narmer und Aha lebte und unter König Djer verstarb. Sie war möglicherweise die erste weibliche Co-Regentin oder gar die erste Pharanonin der Ägyptischen Geschichte.
Name und Identität
Zeitgenössischer Name
Der Name von Neithhotep ist deutlich an die ägyptische Göttin Neith angelehnt, welche besonders in der ersten Hälfte der 1. Dynastie als Schutzmatrone der Königinnen und Prinzessinnen kultische Verehrung erfuhr. Neben Neithhotep sind auf Denkmälern und Artefakten die Namen einiger, vor allem weiblicher, Personen mit Verknüpfung zu Neith erhalten: Königin Meritneith sowie die Prinzessinnen Qaneith, Herneith und Ahaneith.[3] Neithhoteps Name erscheint in mehreren Varianten: sowohl freistehend als auch innerhalb eines königlichen Serechs. Und in der Serech-Form liegt ihr Name wiederum in zwei Schreibungen vor: einmal als „Neith-hotep“, bestehend aus den Gardiner-Zeichen r4 (Standarte der Neith) und R4 (Opferplatte mit Brot), und einmal als „Neith-hotepju“ mit angefügtem Gardiner-Zeichen G43 (Wachtel) innerhalb des Serechs.[4]
Neithhotep ist die erste mögliche Co-Regentin Ägyptens mit eigenem Titel: Semat-Nebui, zu deutsch „Gefährtin der Beiden Herren“, wobei die Umschreibung der „Beiden Herren“ auf die Staatsgottheiten Horus und Seth anspielt und den König als deren Doppel-Repräsentanten meint.[4]
Neithhoteps Geschlecht
Der Titel Semat-Nebui ist unumstößlicher Beweis, dass Neithhotep eine Frau war und nicht ein Mann, wie noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts angenommen. Namen und Titel, die auf „Nebui“ enden, waren eindeutig exklusiv weiblichen Hofdamen höchsten Ranges vorbehalten. Dabei spielt die Schreibung von „Nebui“ mit dem doppelt ausgeführten Gardiner-Zeichen V30 (Flechtkorb) die entscheidende Rolle. Lange Zeit hatten Ägyptologen wegen des Serech-Namens vermutet, Neithhotep könnte ein noch unbekannter König gewesen sein. Hintergrund war, dass nach damaligem Kenntnisstand augenscheinlich nur männliche Herrscher einen Serech nutzten. Zu dieser Zeit hielt man die Göttin Neith zudem noch für eine männliche Gottheit, was von Ägyptologen wie William Matthew Flinders Petrie – und zunächst auch von Walter Bryan Emery – als Hinweis darauf gedeutet wurde, Neithhotep müsse ein männlicher Regent gewesen sein. Erst als der Forschung im Laufe der Zeit bewusst wurde, dass Neith eine weibliche Göttin ist, kamen gleichzeitig erste Zweifel am Geschlecht von Neithhotep auf. Die archäologische Fundsituation um die Königin Meritneith und Neithhoteps Titel führten schließlich zur Korrektur der Geschlechtszuweisung an Neithhotep.[5][4]
Familie
Archäologische Funde legten bisher nahe, dass Neithhotep die Mutter von König Aha war, in den letzten Jahren von Narmer Königin wurde und unter Aha verstarb. Hinweise darauf sind Tonsiegel aus ihrem Grab mit den Namen von Narmer und Aha. Über die Identität möglicher weiterer Nachkommen ist nichts bekannt.[6][7] Neuere Inschriften aus dem Wadi Ameyra im Süden des Sinai belegen jedoch, dass Neithhotep noch unter König Djer eine Rohstoff-Expedition in Auftrag gab und leitete. Demnach kann sie nicht unter Aha verstorben sein.[8]
Stattdessen wird nunmehr geargwöhnt, dass Neithhotep die Mutter von Djer war und deshalb überhaupt für ihren Sohn regieren durfte. Eine Mutterschaft über einen herrschenden König würde freilich ihre Machtbefugnisse sowie ihr außergewöhnliches Privileg einer eigenen Grabanlage erklären. Erschwert wird diese Annahme allein durch Djers Eintrag auf dem Kairostein (ein Bruchstück des Annalenstein der 5. Dynastie). Dort ist als Djers Mutter eine Dame namens Chenethapi angegeben, die ihrerseits aber zeitgenössisch nicht belegt ist.[4][9]
Mögliche Regentschaft

Ähnlich wie Königin Meritneith könnte auch Neithhotep eigenständig regiert haben, da ihr Name auf Tonsiegeln aus dem Grab von König Aha und ihrem eigenen in einem Serech erscheint, über dem sich nicht wie sonst der Horusfalke befindet, sondern das Emblem der Göttin Neith. Serechs aber waren in der Regel den männlichen Regenten vorbehalten. Weiter unterstützt wird diese These außer durch die Serechs durch die ungewöhnlichen Ausmaße ihrer Grabanlage. Gewöhnliche Königsgemahlinnen erhielten zu dieser Zeit kein eigenes Grab, sondern wurden in einem verhältnismäßig unscheinbaren Nebenbegräbnis bestattet. Eine Grabstele wie im Fall von Königin Meritneith hat man bislang jedoch nicht gefunden.[10][7]
Doch im Licht der neuen Inschriften vom Sinai wird diese These möglicherweise untermauert. Das Interessante an den Inschriften ist, dass sie die Zeit der 0. Dynastie bis zum Beginn der 2. Dynastie abdecken, über die man insgesamt recht wenig weiß.[8] Die Inschriften berichten von einer Schiffsexpedition in den Sinai im Auftrag von Königin Neithhotep, deren Ziel die Beschaffung von wertvollen Erzen und Tiergütern war. Der Name der Königin befindet sich nahe dem Bug der königlichen Barke, schräg links von Serech des Königs Djer. Eine Expedition dieses Ausmaßes hätte eine einfache Königsgemahlin nicht in Auftrag geben können, da ihre Machtbefugnisse nicht ausreichten – es sei denn, sie regierte anstelle des Pharao, weil dieser noch minderjährig und zu jung für ein vollumfängliches Königsamt war.[11] Überdies ist Neithhotep die bislang einzige Königin der Frühzeit, die in einer Felsinschrift gemeinsam mit den Serechs von Königen namentlich erwähnt wird, was ihre außergewöhnliche Machtposition nochmals unterstreicht.[4]
Die Ägyptologen Werner Kaiser und Günter Dreyer haben die Vermutung geäußert, dass Neithhotep möglicherweise mit König Teti identisch ist, dessen Name traditionell als direkter Nachfolger von Menes, dem ersten Herrscher Ägyptens, in ramessidischen Königslisten erscheint.[12] Kaiser und Dreyer vermuten, dass die Königin als eigenständige Regentin die Staatsführung für ihren Neffen, König Djer, übernahm, da dieser noch minderjährig und somit zu jung für das Königsamt war. Unterstützt wird diese Annahme durch den Eintrag des Namens „Teti“ im Turiner Königspapyrus, wonach Teti I. nur 1 Jahr und 45 Tage regierte.[13] Auf dem Palermostein erscheint in der Zeile, die dem Regierungsende von Aha und dem Regierungsbeginn von Djer gewidmet ist, ein zweites Sterbejahr. Die zeitliche Diskrepanz zwischen den beiden Todeseinträgen beträgt 1 Jahr, 1 Monat und 15 Tage. Dies deckt sich genau mit dem Eintrag im Turiner Königspapyrus.[14]

Die Gleichsetzung von Königin Neithhotep mit Teti I. ist jedoch nicht allseits akzeptiert. Ägyptologen wie Walter B. Emery weisen darauf hin, dass die königlichen Nekropolensiegel (in Form aufgedrückter Tonsiegelabdrücke) aus den Gräbern der Könige Den (5. Herrscher der 1. Dynastie) und Qaa (8. und mutmaßlich letzter Herrscher der 1. Dynastie) sämtliche Horusnamen der Könige der 1. Dynastie auflisten. Auf einigen Siegeln aus der Regierungszeit von König Den ist gar der Name und Titel von Königin Meritneith eingedrückt, der die Königsliste bis Den abschließt. Der Name von Neithhotep ist hingegen in keiner der Königslisten aus der Zeit von Den zu finden (auf den Siegeln des Qaa ist nicht mal mehr der Name von Meritneith erhalten). Außerdem beginnen ausnahmslos alle Königslisten mit König Narmer, nicht mit Aha oder Djer. Emery und Kaiser heben hervor, dass auf Tonsiegeln des Narmer dessen Serech gemeinsam mit dem Namen Menj erscheint. Dies wiederum stärkt die Annahme, dass Narmer mit Menes identisch ist und Aha mit Teti. Außerdem sei bekannt, dass in den meisten frühzeitlichen wie ramessidischen Königslisten weibliche Regenten aus Prinzip ausgeschlossen und nur männliche Herrscher geehrt wurden.[14]
Grabanlage
Im südlichen Bezirk der vordynastischen Nekropole von Naqada befindet sich eine große Grabanlage, deren ehemaliger Oberbau heute durch Erosion zerstört ist. Die Anlage wurde um 1897 von Jacques de Morgan ausgegraben und später von Ludwig Borchardt nochmals untersucht. Eine dritte Grabung führte John Garstang durch, wurde aber nie vollständig publiziert.[15] Zunächst wurde sie aufgrund eines umstrittenen Elfenbeinetiketts für das Grab des legendären Menes gehalten. Die Wahl des Ortes für die Grabanlage verweist möglicherweise auf die Herkunft von Neithhotep aus dem nördlichen Unterägypten, zumal ihr Name ebenfalls in diese Richtung weist. Dass sie in Oberägypten bestattet wurde, mag darauf hindeuten, dass Narmer Neithhotep heiratete, um die Einigung von Ober- und Unterägypten zu festigen.[16]
Der Graboberbau war einst eine rechteckige Mastaba unbekannter Höhe gewesen, deren Außenwand an ihrem Fuße podestartig gestuft war und darüber ein Palastfassaden-Nischendekor besaß. Die unterirdisch angelegte Grabanlage selbst misst etwa 53,40 m × 26,70 m und umfasst insgesamt fünf Grabkammern. Die Anlage ist von 16 weiteren Magazinkammern umgeben.[4]
Literatur
- Walter Bryan Emery: Ägypten – Geschichte und Kultur der Frühzeit. Fourier, Wiesbaden 1964, ISBN 0-415-18633-1.
- Sue Kelly: Neithhotep: Ancient Egypt’s First Female Ruler. In: Jochem Kahl, Nicole Kloth: Studien zur Altägyptischen Kultur. Band 54. H. Buske, Hamburg 2026, ISBN 978-3-69110-024-2.
- Jaques de Morgan: Recherches sur les origines de l’Égypte. Band 2: Ethnographie Préhistorique. Tombeau Royal de Negadah. Avec la collaboration de Prof. Wiedemann, G. Jéquier et D. Fouquet. Leroux, Paris 1897 (Digitalisat) (französisch).
- Silke Roth: Die Königsmütter des Alten Ägypten von der Frühzeit bis zum Ende der 12. Dynastie. Harrassowitz, Wiesbaden 2001, ISBN 3-447-04368-7.
- Hermann A. Schlögl: Das Alte Ägypten: Geschichte und Kultur von der Frühzeit bis zu Kleopatra. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54988-8.
- Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt – Strategy, Security and Society. Routledge, London 1999, ISBN 0-415-26011-6.
Weblinks
- Joachim Willeitner: Königin Neithhotep. Die erste Frau auf dem Pharaonenthron. Online-Bericht über neuere Funde zu Neithhotep auf: spektrum.de vom 1. März 2016.
Einzelnachweise
- ↑ Silke Roth: Die Königsmütter des Alten Ägypten von der Frühzeit bis zum Ende der 12. Dynastie. Wiesbaden 2001, S. 377.
- ↑ Nach Walter Bryan Emery: Ägypten – Geschichte und Kultur der Frühzeit. Wiesbaden 1964.
- ↑ Toby Wilkinson: Early dynastic Egypt. London 1999, S. 291.
- ↑ a b c d e f Sue Kelly: Neithhotep: Ancient Egypt’s First Female Ruler. Hamburg 2026, S. 271–281.
- ↑ Joyce Tyldesley: Daughters of Isis. Penguin Putnam, New York 1994, S. 215–216.
- ↑ Toby Wilkinson: Early dynastic Egypt. London 1999, S. 70.
- ↑ a b Silke Roth: Die Königsmütter des Alten Ägypten von der Frühzeit bis zum Ende der 12. Dynastie. Wiesbaden 2001, S. 31–33.
- ↑ a b Joachim Willeitner: Die erste Frau auf dem Pharaonenthron. In: Spektrum der Wissenschaft. Ausgabe März 2016 (online auf spektrum.de).
- ↑ Toby A. H. Wilkinson: Royal Annals of Ancient Egypt. London 2000, S. 186.
- ↑ Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London 1999, S. 70 & 291.
- ↑ Joachim Willeitner: Die erste Frau auf dem Pharaonenthron. In: Spektrum der Wissenschaft. – Internet-Artikel vom 16. März 2016 (Deutsch).
- ↑ Werner Kaiser: Zum Siegel mit frühen Königsnamen von Umm el-Qaab. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. (MDAIK) Band 43, von Zabern, Mainz 1987, S. 115–121.
- ↑ Günter Dreyer: Umm el-Qaab: Nachuntersuchungen im frühzeitlichen Königsfriedhof. 3./4. Vorbericht. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. (MDAIK) Band 46, von Zabern, Mainz 1990, S. 71–74.
- ↑ a b Werner Kaiser: Zum Siegel mit frühen Königsnamen von Umm el-Qaab. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. (MDAIK) Band 43. von Zabern, Mainz 1987, S. 115–121.
- ↑ John Garstang: The tablet of Mena. In: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde. Nr. 42, 1905, S. 61–64.
- ↑ Toby Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London 1999, S. 6 & 70.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Neithhotep |
| ALTERNATIVNAMEN | Neithotep; Hetepu-Neith |
| KURZBESCHREIBUNG | Frau am altägyptischen königlichen Hof zu Beginn der 1. Dynastie |
| GEBURTSDATUM | um 30. Jahrhundert v. Chr. |
| STERBEDATUM | um 30. Jahrhundert v. Chr. |
Content Disclaimer
Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.
- The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
- There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
- It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
- Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
- Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.
