In der Mathematik fasst man häufig mehrere Indizes zu einem einzigen Multiindex zusammen. Formal gesehen ist ein Multiindex
ein Tupel von natürlichen Zahlen oder Null.
Verallgemeinert man Formeln von einer Variable auf mehrere Variablen, so ist es aus notationstechnischen Gründen meist sinnvoll, die Multiindexschreibweise zu verwenden. Ein Beispiel wäre, eine Potenzreihe mit einer Veränderlichen auf Mehrfachpotenzreihen umzuschreiben. Multiindizes werden häufig in der mehrdimensionalen Analysis und Theorie der Distributionen verwendet.
Konventionen der Multiindex-Schreibweise
In diesem Artikel seien
jeweils ein Multiindex, das heißt ein
-Tupel von natürlichen Zahlen oder Null. Wir vereinbaren die folgenden Konventionen:

wobei
die Koordinatenfunktionen von
bezeichnet.
ist der Differentialoperator der Ordnung
, der aus den partiellen Ableitungen
zusammengesetzt ist.
Anzahl von Multiindizes
Es gibt
verschiedene Multiindizes der Größe
in
Variablen oder homogene Monome vom Grade
in
kommutierenden Variablen.
Dies sieht man am Binomialkoeffizienten in
Der Koeffizient ist die Anzahl von Möglichkeiten,
Plätze mit
Symbolen
und die restlichen
Plätze mit Symbolen
zu belegen.
Diese Anzahl ist richtig, unabhängig davon was
und
ist. Sie gilt für die Zahl von Zeichenketten, in denen
die
Trennzeichen zwischen
Symbolen
ist, wobei der Index
die Zahl der Trennzeichen auf der linken Seite von
plus 1 ist. Jede solche Zeichenkette, beispielsweise
, entspricht einem Monom, hier
mit dem Multiindex
.
Es gibt in 4 Variablen
Multiindizes der Größe 4.
Anwendungsbeispiele
Eine Mehrfachpotenzreihe
lässt sich kurz schreiben als
.
Sind
Multiindizes in
, so gilt
und
.
Falls nicht
,
falls also eine Komponente von
negativ ist, so ist
Für
gilt
, wobei
ist.
Sind
und ist
, so gilt
bzw.
.
Für
und
ist
bzw.
,
was sich kurz (aber lesefehleranfällig) schreiben lässt als
.
Ist
und sind
-mal stetig differenzierbare Funktionen, so gilt

beziehungsweise
.
Diese Identität heißt Leibniz-Regel.
Für Mehrfachpotenzreihen
gilt
.
Sind
Potenzreihen einer Veränderlichen, so gilt
, wobei
ist.
Für
gilt
.
Sind
und sind alle Komponenten von
betragsmäßig
, so gilt
.
Ist
und sind
, so gilt
.
Ist
und
, so gilt
.
In mehreren Veränderlichen
lässt sich die cauchysche Integralformel

kurz schreiben als
,
wobei
sein soll. Ebenso gilt die Abschätzung
, wobei
ist.
Ist
eine analytische Funktion oder
eine holomorphe Abbildung, so kann man
mit Hilfe eines Entwicklungspunktes
oder
in einer Taylorreihe

darstellen.
Für
mit
und
gilt
.
Dies verallgemeinert die Abelsche Identität
.
Letztere erhält man im Fall
.
Literatur
- Otto Forster: Analysis. Band 2: Differentialrechnung im Rn. Gewöhnliche Differentialgleichungen. 7. verbesserte Auflage. Vieweg + Teubner, Wiesbaden 2006, ISBN 3-8348-0250-6 (Vieweg Studium. Grundkurs Mathematik).
- Konrad Königsberger: Analysis. Band 2. 3. überarbeitete Auflage. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2000, ISBN 3-540-66902-7.