Marialith
| Marialith | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Mar[1] |
| Andere Namen |
Mizzonit von Pianura[2.1] |
| Chemische Formel | |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/F.09 VIII/J.13-010 9.FB.15 76.03.01.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | tetragonal |
| Kristallklasse; Symbol | tetragonal-dipyramidal; 4/m[5] |
| Raumgruppe | I4/m (Nr. 87)[4] |
| Gitterparameter | a = 12,05 Å; c = 7,57 Å[4] |
| Formeleinheiten | Z = 2[4] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 5,5 bis 6[6] |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 2,50 bis 2,62; berechnet: [2,54][6] |
| Spaltbarkeit | deutlich nach {100}, {110}[6] |
| Bruch; Tenazität | uneben bis muschelig; spröde[6] |
| Farbe | farblos im Dünnschliff, weiß, grau, rosa bis violett, blau, gelb, braun, orangebraun[6] |
| Strichfarbe | weiß[6] |
| Transparenz | durchsichtig bis undurchsichtig (opak)[6] |
| Glanz | Glasglanz, Perlglanz[6] |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nω = 1,539 bis 1,550[7] nε = 1,532 bis 1,541[7] |
| Doppelbrechung | δ = 0,007 bis 0,009[7] |
| Optischer Charakter | einachsig negativ |
| Weitere Eigenschaften | |
| Besondere Merkmale | Fluoreszenz |
Marialith ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung Na4[Cl|Al3Si9O24][4] und damit chemisch gesehen ein Natrium-Alumosilikat mit Chlor als zusätzlichem Anion. Strukturell gehört Marialith zu den Gerüstsilikaten.
Marialith kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und entwickelt meist prismatische Kristalle mit flachen, pyramidalen Enden mit glasglänzenden Oberflächen, aber auch säulige oder körnige bis massige Mineral-Aggregate. In reiner Form ist das Mineral farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder multikristalliner Ausbildung kann es allerdings auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine graue, rosa bis violette, blaue, gelbe, braune oder orangebraune Farbe annehmen. Seine Strichfarbe ist allerdings immer weiß.
Etymologie und Geschichte
Erstmals entdeckt wurde Marialith bei Pianura in den Phlegräischen Feldern in der italienischen Provinz Neapel.
Ursprünglich war der Name Marialith von Ryllo für einen weißen Berzellin von Albano vergeben worden. Gerhard vom Rath konnte jedoch 1866 nachweisen, dass Berzelin mit dem bereits bekannten Haüyn identisch war. Berzelin als eigenständiges Mineral musste also gestrichen werden und entsprechend verlor auch die Varietätsbezeichnung Marialith ihre Bedeutung.[2.2]
Vom Rath schlug den freigewordenen Namen Marialith als Bezeichnung für ein bei Pianura neu entdecktes Mineral vor, das er selbst aufgrund seiner Ähnlichkeit zum Mizzonit vorläufig als Mizzonit von Pianura bezeichnete.[2.1] Der Name Marialith wurde schließlich von der Fachwelt übernommen. Mizzonit gilt inzwischen entweder als Synonym für den Marialith[8] oder für den Mejonit[9].
Da der Marialith bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Marialith als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Marialith lautet „Mar“.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[10]
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Marialith zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er gemeinsam mit Mejonit sowie im Anhang mit Kenyait, Magadiit, Sarkolith und Ussingit in der „Skapolith-Reihe“ mit der Systemnummer VIII/F.09 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/J.13-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Gerüstsilikate“, wo Marialith zusammen mit Kalborsit, Mejonit, Sarkolith und Silvialith die „Skapolithreihe“ mit der Systemnummer VIII/J.13 bildet.[11]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[12] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Marialith in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne zeolithisches H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zusätzlichen Anionen“ zu finden, wo es zusammen mit Mejonit und Silvialith die „Skapolithgruppe“ mit der Systemnummer 9.FB.15 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Marialith die System- und Mineralnummer 76.03.01.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter mit anderen Be/Al/Si-Gittern“ in der „Skapolithgruppe“, in der auch Skapolithgruppe, Mejonit und Silvialith eingeordnet sind.
Kristallstruktur
Marialith kristallisiert in der tetragonalen Raumgruppe I4/m (Raumgruppen-Nr. 87) mit den Gitterparametern a = 12,05 Å und c = 7,57 Å sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]
Eigenschaften
Unter UV-Licht zeigen manche Marialithe eine orange bis hellgelbe oder rote Fluoreszenz.[6]
Bildung und Fundorte
Marialith bildet sich in durch Regionalmetamorphose umgeformten Gesteinen wie Marmor, kalkhaltigen Gneisen, Granuliten und Grünschiefer. Ebenso ist er in einigen Skarnen und Pegmatiten sowie in pneumatolytisch oder hydrothermal umgewandelten Eruptivgesteinen zu finden. Begleitminerale sind unter anderem verschiedene Plagioklase, Granate, Pyroxene, Amphibole, Apatite sowie Titanit und Zirkon.
Als eher seltene Mineralbildung kann Marialith an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 150 Fundorte dokumentiert (Stand 2026).[13] Neben seiner Typlokalität Pianura trat das Mineral noch bei Soccavo in den Phlegräischen Feldern, bei Ercolano und Sant’Anastasia nahe dem Monte Somma, auf Procida und bei Lavorate (Salerno) in Kampanien; bei Val di Fà im Valcamonica in der Lombardei und in der „Cape Arco Mine“ bei Porto Azzurro auf Elba auf.
In Deutschland fand sich Marialith bisher unter anderem im ehemaligen Graphitbergwerk Kropfmühl (heute Besucherbergwerk) und im Steinbruch Höllein am Stengerts in Bayern sowie an einigen Stellen in der Verbandsgemeinde Brohltal, am Eiterköpfe bei Ochtendung, am Krufter Ofen, am Vulkankomplex Rockeskyller Kopf und an einigen Stellen in der Verbandsgemeinde Mendig in Rheinland-Pfalz.
In Österreich fand man das Mineral bei einem Spodumen-Versuchsabbau am Brandrücken in Kärnten (siehe auch Bergbau in Kärnten).
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Brasilien, Chile, China, Frankreich, Japan, Kanada, Nepal, Norwegen, Russland, Schweden, Spanien, Südafrika, Tansania, Tschechien, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten (USA).[14]
Siehe auch
Literatur
- Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 788 (Erstausgabe: 1891).
- Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 270.
Weblinks
- Marialith. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- IMA Database of Mineral Properties – Marialite. In: rruff.net. RRUFF Project (englisch).
- Marialite search results. In: rruff.net. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (englisch).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Marialite. In: rruff.net. (englisch).
Einzelnachweise
- ↑ a b Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 3. März 2026]).
- ↑ Gerhard vom Rath: Mineralogisch-geognostische Fragmente aus Italien. In: Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft. Band 18, 1866, S. 549 (zobodat.at [PDF; 11,5 MB; abgerufen am 3. März 2026]).
- ↑ a b Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: January 2026. (PDF; 3,1 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Januar 2026, abgerufen am 3. März 2026 (englisch).
- ↑ a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 700 (englisch).
- ↑ David Barthelmy: Marialite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 3. März 2026 (englisch).
- ↑ a b c d e f g h i Marialite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 78 kB; abgerufen am 3. März 2026]).
- ↑ a b c Marialite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 3. März 2026 (englisch).
- ↑ Mizzonite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 3. März 2026 (englisch).
- ↑ Mizzonit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 3. März 2026.
- ↑ Catalogue of Type Mineral Specimens – M. (PDF 326 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 3. März 2026 (Gesamtkatalog der IMA).
- ↑ Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
- ↑ Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
- ↑ Localities for Marialite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 3. März 2026 (englisch).
- ↑ Fundortliste für Marialith beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 3. März 2026.
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