Landpoststempel

Postkarte mit Landpoststempel „Grünfier über Schönlanke“ und zusätzlichem Poststempel zur Entwertung der Briefmarke (1935)

Landpoststempel sind postalische Stempel, die im Rahmen der Landpost sowie in Posthilfstellen und Poststellen ländlicher Gebiete verwendet wurden. Sie kennzeichnen Postsendungen, die außerhalb eines Postamts eingeliefert wurden, und ermöglichen deren Zuordnung zu einem zuständigen Leitpostamt.[1] In der Philatelie bezeichnet der Begriff die entsprechenden Stempelabdrücke auf Belegen; eine einheitliche Begriffsdefinition existiert nicht, und teilweise wird er synonym zu Poststellenstempel verwendet.

Landpoststempel stehen in engem Zusammenhang mit der Organisation des Landpostdienstes, der die postalische Versorgung ländlicher Gebiete sicherstellte.[1] Bereits aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sind solche Stempel im praktischen Postbetrieb nachgewiesen: Für Briefe aus dem Bergedorfer Landpostgebiet der Jahre 1855 und 1857 sind entsprechende Abschläge belegt.[2] Diese wurden auf Sendungen aus ländlichen Orten angebracht, bevor sie in die zuständigen Postanstalten weitergeleitet wurden.

Im 20. Jahrhundert wurden Landpoststempel im Deutschen Reich im Zuge der organisatorischen Ausgestaltung des Landpostsystems ab 1928 systematisch eingeführt und verbreitet verwendet.[1] Sie wurden insbesondere von Poststellen und Landzustellern eingesetzt, die Sendungen entgegennahmen und an ein Leitpostamt weiterleiteten, wo sie in der Regel zusätzlich einen regulären Tagesstempel erhielten.[3] Landpoststempel dienten dabei als Herkunftsnachweis und wurden im Unterschied zu Poststempeln nicht zur Entwertung von Briefmarken verwendet; sie befinden sich daher in der Regel neben der Frankatur.[4]

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Verwendung in der Bundesrepublik Deutschland zurück, während entsprechende Stempel in der DDR teilweise bis in die 1980er Jahre im Einsatz blieben.[1]

Landpoststempel waren meist einfach ausgeführt und häufig als Gummistempel gestaltet. Sie unterschieden sich in Form und Ausführung erheblich, da keine einheitliche Normierung bestand, und enthalten typischerweise den Namen der Poststelle sowie einen Hinweis auf das zuständige Leitpostamt, häufig in der Form „über …“.[1] Für die Postgeschichte sind sie von Bedeutung, da sie Rückschlüsse auf die Organisation des ländlichen Postwesens und die Zuordnung kleiner Orte ermöglichen.[1]

Beispiele

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Der Landpost-Stempel. Abgerufen am 4. Mai 2026.
  2. Otto Rommel: Die Postwertzeichen des Bergedorfer Postbezirkes. A. Larisch, München 1892, S. 129–130.
  3. Hans-Jürgen Ende; Mathias Tullner: Zwischen Zahn und Rand. Marken und Münzen als Spiegel deutscher Geschichte. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2002, S. 29.
  4. Landpost – Landverkraftung. Abgerufen am 4. Mai 2026.
Commons: Landpoststempel (Germany) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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