Kenneth Macqueen

Kenneth Macqueen (* 8. April 1897 in Ballarat East, Victoria; † 21. Juni 1960 in Millmerran, Queensland; vollständiger Name Kenneth Robertson Macqueen) war ein australischer Maler, Aquarellist, Farmer und Veteran des Ersten Weltkriegs. Er zählt zu den bedeutenden australischen Aquarellisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ist besonders für formal reduzierte, semi-abstrakte Landschaftsdarstellungen bekannt.

Leben

Macqueen wurde 1897 in Ballarat East im australischen Bundesstaat Victoria geboren. Er war das älteste von vier Kindern des presbyterianischen Geistlichen William Sweyn Macqueen und dessen zweiter Frau Rachel Cecilia Corio, geborene Robertson. Die Familie zog 1898 nach Brisbane, wo Macqueen die Bowen House School besuchte. 1909 übersiedelte die Familie nach Sydney. Dort besuchte er das The Scots College und nahm wöchentliche Zeichenstunden bei Alfred Coffey.[1]

1914 begann Macqueen als Angestellter bei der Colonial Sugar Refining Co. Ltd. in Pyrmont zu arbeiten. Am 3. Mai 1916 meldete er sich zur Australian Imperial Force. Von 1917 bis 1918 diente er an der Westfront bei der 12th Army Brigade der Australian Field Artillery. Nach dem Ersten Weltkrieg studierte er in London an der Slade School of Fine Art und am Westminster Technical Institute and School of Art. Nach seiner Rückkehr nach Australien wurde er am 7. November 1919 aus dem Militärdienst entlassen.[1]

In den folgenden Jahren arbeitete Macqueen auf Schafstationen in New South Wales, unter anderem in Trangie und Queanbeyan. 1922 ließ er sich auf Mount Emlyn nahe Millmerran in der Region Darling Downs im Südosten Queenslands nieder. Dort teilte er seine Zeit zwischen der Landwirtschaft und der Aquarellmalerei.[1]

Am 2. April 1927 heiratete Macqueen Olive Kathleen Crane, eine Illustratorin und Radiererin, die seine frühen künstlerischen Interessen unterstützte. Das Paar hatte zwei Kinder, Marion und Revan. Olive Macqueen starb 1935 an Meningitis; ihre Schwester Mildred übernahm danach die Führung des Haushalts.[1]

Macqueen starb am 21. Juni 1960 in Millmerran an einem Herzkranzgefäßverschluss. Er wurde kremiert.[1]

Künstlerisches Werk

Macqueens Werk wurde erstmals 1926 einer größeren Öffentlichkeit bekannt, als Arbeiten von ihm in der Ausstellung A Group of Modern Painters in Sydney gezeigt wurden. Aus dieser Ausstellung ging die Contemporary Group hervor, mit der Macqueen in den 1930er Jahren regelmäßig ausstellte. Seine Aquarelle waren außerdem ab den frühen 1920er Jahren in den Jahresausstellungen der Society of Artists in Sydney vertreten.[1]

1928 trat Macqueen dem Australian Watercolour Institute bei und beteiligte sich bis in die späten 1950er Jahre an dessen Ausstellungen. Er hatte zahlreiche Einzelausstellungen, vor allem in Sydney, wo er bekannter war als viele andere Künstler aus Queensland. 1953 erhielt er die Krönungsmedaille Königin Elisabeths II. 1959/60 war er Trustee der damaligen Queensland National Art Gallery, der späteren Queensland Art Gallery.[1][2]

Macqueen malte vor allem Landschaften der Darling Downs sowie Küstenlandschaften der Sunshine Coast und der Gold Coast. Seine Arbeiten sind durch vereinfachte Formen, rhythmische Kompositionen, klare Linien und transparente Farbflächen geprägt. In seiner Malweise verband er traditionelle Techniken des britischen Aquarells mit modernistischen Gestaltungsprinzipien. Das Australian Dictionary of Biography beschreibt seine Landschaften als formalisiert und semi-abstrakt; Form, Struktur und Farbe spielten in seinem Werk eine zentrale Rolle.[1][3]

Macqueen arbeitete bevorzugt im Atelier und nicht direkt im Freien. Häufig skizzierte er Landschaftsformen zunächst mit Bleistift und übertrug sie dann in systematisch angelegte Aquarellkompositionen. Seine Arbeiten zeigen oft ländliche Tätigkeiten und Motive wie Pflügen, Ernten, Zäune, Hügel, Wasserstellen und Küstenformationen.[1][3]

Rezeption und Sammlungen

Macqueen gilt als einer der bedeutenden australischen Aquarellisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Arbeiten befinden sich unter anderem in der National Gallery of Australia, in australischen Staatsgalerien, in regionalen und universitären Sammlungen sowie in öffentlichen Sammlungen in Neuseeland und den Vereinigten Staaten.[1]

Das Metropolitan Museum of Art in New York erwarb 1941 sein Aquarell Cabbage Gums and Cypress Pines aus dem Jahr 1940.[4] 1981 wurde im Kunstmuseum der University of Queensland in Brisbane eine Retrospektive seines Werks gezeigt.[1]

Schriften

  • Kenneth Macqueen: Adventure in Watercolour: An Artist's Story. Legend Press, Sydney 1948.

Literatur

  • Stephen Rainbird: Kenneth Macqueen. Ausstellungskatalog, University of Queensland Art Museum, Brisbane 1981.
  • Stephen Rainbird: „Kenneth Macqueen“. In: Art and Australia, Band 19, Nr. 4, 1982.
  • Jean Campbell: Australian Watercolour Painters 1780 to the Present Day. Craftsman House, Sydney 1989.
  • Andrew Sayers: Drawing in Australia. Oxford University Press, Melbourne 1989.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k Stephen Rainbird: Macqueen, Kenneth Robertson (1897–1960). In: Australian Dictionary of Biography. National Centre of Biography, Australian National University, 2000, abgerufen am 5. Juni 2026.
  2. Kenneth Macqueen. In: QAGOMA Collection Online. Queensland Art Gallery / Gallery of Modern Art, abgerufen am 5. Juni 2026.
  3. a b Lucie Reeves-Smith: Important Works by Kenneth Macqueen. In: Deutscher and Hackett. 2019, abgerufen am 5. Juni 2026.
  4. Cabbage Gums and Cypress Pines. In: The Metropolitan Museum of Art. Abgerufen am 5. Juni 2026.

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