Joseph Capus

Porträtfoto Schwarz-Weiß
Joseph Capus, 1919

Joseph Capus (geboren am 18. August 1867 in Marseille; gestorben am 1. Mai 1947 in Paris) war ein französischer Politiker der Dritten Republik und Weinbaufunktionär.

Leben

Joseph Capus war der Sohn eines Anwalts aus Marseille. Er war der jüngere Bruder des Schriftstellers Alfred Capus. Seine Mutter verstarb früh. Er absolvierte die Landwirtschaftsschule und übernahm 1900 als Leiter die Pflanzenpathologische Station in Cadillac-sur-Garonne. Er gründete die erste Wetterwarnstation, deren Aufgabe es war, Landwirte vor drohenden Pflanzenkrankheiten zu warnen.[1]

Nachdem er über Jahre hinweg mit seinen wissenschaftlichen Ideen zur Landwirtschaft von der Politik und der Verwaltung zurückgewiesen wurde, stellte er sich 1919 selbst zur Wahl und zog als Vertreter der Action républicaine et sociale[A 1] in die Abgeordnetenkammer ein. 1928 wurde er wiedergewählt; er gehörte nun der konservativen Alliance démocratique und damit dem Bloc national an. 1924 war er in zwei von Raymond Poincaré und Frédéric François-Marsal geführten Kabinetten Landwirtschaftsminister. Bei der Wahl von 1928 wurde er geschlagen.[1]

1930 zog er bei einer Nachwahl in den Senat ein und saß dort bei der Union démocratique et radicale. Am 10. Juli 1940 stimmte er für die diktatorischen Vollmachten von Philippe Pétain. Wegen seines als untadelig angesehenen Verhaltens während der Deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg wurden ihm nach der Befreiung seine Rechte und Befugnisse als Bürger und Abgeordneter nicht aberkannt.[1]

Insbesondere ist Caputs Name mit der Schaffung der Appellation d’Origine Contrôlée, also der kontrollierten Herkunftsbezeichnung, verbunden.[2] Das grundlegende Gesetz vom 30. Juli 1930 wird auch als „Loi Capus“ bezeichnet.

Capus wurde zum Vorsitzenden des Nationalen Komitees für Weine mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung ernannt, aus dem später das Nationale Institut für Ursprungsbezeichnungen hervorging.[3] Er hatte den Vorsitz dieses Instituts inne, bis er am 1. Mai 1947 in Paris im Alter von fast 80 Jahren verstarb.[1] Er ist auf dem Friedhof Père-Lachaise begraben.[4] Er trug die Auszeichnung eines Ritters der Ehrenlegion.[5]

Werke

  • Comment combattre le mildiou de la vigne, Le Petit Parisien, 1930[6]
  • Le Contrôle du degré des vins, Causse Craille Castelnau, 1945[7]

Anmerkungen

  1. Die Action républicaine et sociale war eine inhomogene Gruppe von in der Regel neuen Abgeordneten der Kammer von 1919. Sie löste sich 1924 auf. Siehe dazu weiterführend Action républicaine et sociale (Troisième République) in der frankophonen Wikipédia.

Einzelnachweise

  1. a b c d Jean Jolly: Dictionnaire des parlementaires français de 1889 à 1940. PUF, 1960 (assemblee-nationale.fr).
  2. Décret-loi du 30 juillet 1935 relatif à la défense du marché des vins et régime économique de l’alcool. In: Légifrance. Abgerufen am 17. Juni 2026 (französisch).
  3. Pierre Le Roy de Boiseaumarié: Les organismes nationaux. In: Charles Quittanson, François Des Aulnoyes: L’Élite des vins de France, spiritueux, eaux-de-vie et liqueurs. Centre National de Coordination, 1967, S. 30, 59.
  4. CAPUS Joseph (1867-1947). In: Amis et Passionnés du Père Lachaise. Abgerufen am 17. Juni 2026 (französisch).
  5. Capus. In: Base Léonore. Abgerufen am 17. Juni 2026 (französisch).
  6. Comment combattre le mildiou de la vigne auf Gallica
  7. Le Contrôle du degré des vins auf Gallica
VorgängerAmtNachfolger

Henry Chéron
selbst
Landwirtschaftsminister
29.03. 1924 – 09.06. 1924
09.06. 1924 – 10.06. 1924

selbst
Henri Queuille

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