Jean Tilly
Jean Tilly, Geburtsname Johann Carl Tilly (* 1753 vermutl. in Wien; † 24. Februar 1795 in Braunschweig) war ein österreichischer Schauspieler, Tänzer, Ballettmeister und Theaterdirektor.
Leben
Jean Tilly entstammte einer bekannten Wiener Theaterfamilie. Seine Eltern waren der Schauspieler und Prinzipal Johann Tilly (1716–1781) und seine Frau Carolina Maria Josepha, geb. Elwenich (geb. 1734 in Brüssel). Sein jüngerer Bruder Johann Baptista Tilly (* um 1763) wurde ebenfalls Schauspieler. Jean Tilly stand in der Truppe seines Vaters schon in Kinderrollen auf der Bühne. Von 1774 bis 1776 war er in Hamburg als Tänzer und Ballettmeister angestellt und ging in gleicher Funktion 1777 zu Peter Florenz Ilgener (1730–1788) nach Rostock. 1781 übernahm er die Schauspielgesellschaft von Johann Friedrich Stöffler (1743–1781), deren Mitglied er war, und spielte bis 1785 u. a. in Greifswald, Stralsund, Rostock, Lübeck, Wismar, Eutin und Kiel. Ab November 1785 war der Hauptspielort seiner Truppe Schleswig. Von dort aus unternahm er Gastspiele in Kiel, Altona, Stralsund und Rostock. Dort übernahm er 1887 für kurze Zeit die Direktion des neuerbauten Schauspielhauses und gab seine „Schleswigsche Hoftruppe“ an Abel Seyler ab. Im Sommer 1787 hatte er eine gemeinsame Direktion mit Conrad Carl Casimir Döbbelin in Magdeburg und im September 1787 wurde er Prinzipal einer neuen Gesellschaft in Lübeck und Kiel. 1788 übernahm Döbbelin seine Truppe in Lübeck. Tilly blieb als Schauspieler und Ballettmeister bei der Gesellschaft. 1789 übernahm er Teile des Ensembles der nach dem Tod des letzten Markgrafen von Brandenburg-Schwedt Friedrich Heinrich abgedankten Hoftheatergesellschaft und war wieder als Prinzipal tätig, u. a. in Rostock, Stralsund, Lübeck, Plön, und 1792–1795 im Komödienhaus in Braunschweig. Nach seinem Tod übernahm zunächst der Braunschweiger Arzt J. A. Mayer, ab 1796 die Witwe Louise Caroline Tilly, geb. Geyer (1760–1799), genannt Madame Tilly, die Direktion in Braunschweig, Plön und Lübeck bis zu ihrem Tod 1799 in Braunschweig. Die Gesellschaft übernahm Leopold Löwe.
Literatur
- Constantin von Wurzbach: Tilly, Johann. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 45. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1882, S. 160–162 (Digitalisat).
- Wilhelm Kosch, Ingrid Bigler-Marschall: Deutsches Theater-Lexikon. Band 4. K. G. Saur, Berlin und München 1998, S. 2601. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
Weblinks
- Tilly, Jean. In: Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe. Digitale Edition (Version 4.13.1 vom 12. Dezember 2025)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tilly, Jean |
| ALTERNATIVNAMEN | Tilly, Johann Carl (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Schauspieler, Tänzer, Ballettmeister und Theaterdirektor |
| GEBURTSDATUM | 1753 |
| GEBURTSORT | vermutl. Wien |
| STERBEDATUM | 24. Februar 1795 |
| STERBEORT | Braunschweig |
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