HANV

HANV (Hohlraumreiches Asphalttraggerüst mit Nachträglicher Verfüllung) ist ein Abdichtungssystem für Betonbrücken, das insbesondere bei der Instandsetzung von Brückenbelägen eingesetzt wird. Es wurde für Situationen entwickelt, in denen die Ausführungsdauer kürzer ist als bei der konventionellen Brückenabdichtung mit Polymerbitumen-Schweißbahnen.[1]

Systemaufbau und Funktionsprinzip

Das HANV-System besteht aus zwei wesentlichen Komponenten: einem hohlraumreichen Asphalttraggerüst (ATG) und einem reaktionsharzbasierten Verfüllbaustoff.

Das Asphalttraggerüst wird maschinell auf die vorbereitete Betonfahrbahntafel eingebaut. Es weist einen Hohlraumgehalt von 17 bis 25 Volumenprozent auf und ist je nach verwendeter Asphalt-Mischgutvariante in zwei Ausführungen verfügbar: ATG V 5 (Größtkorn 5 mm, Schichtdicke ca. 2,0 cm) und ATG V 8 (Größtkorn 8 mm, Schichtdicke ca. 2,5 cm).[1]

Nach dem Einbau des Asphalttraggerüsts wird ein zweikomponentiger, flexibilisierter Reaktionskunststoff (Reaktionsharz) gleichmäßig auf die Oberfläche aufgebracht und mit Gummischiebern in die Hohlräume eingearbeitet, bis eine vollständige Sättigung des Traggerüsts über die gesamte Schichtdicke erreicht ist. Das ausgehärtete Verbundsystem übernimmt gleichzeitig die Abdichtungs-, Schutz- und Tragfunktion und ist schubfest mit der Betonunterlage verbunden.[1][2]

Ein wesentliches Merkmal des Systems ist, dass eine separate Schutzschicht aus Gussasphalt – wie sie bei der konventionellen Abdichtung mit Polymerbitumen-Schweißbahn nach ZTV-ING erforderlich ist – entfällt, da die HANV-Schicht diese Funktion integriert übernimmt.[1]

Regelwerk und Anwendungsbereich

Die Herstellung von HANV-Abdichtungssystemen wird durch das Merkblatt für die Herstellung von Abdichtungssystemen aus hohlraumreichen Asphalttraggerüsten mit nachträglicher Verfüllung (M HANV) der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) geregelt, ergänzend gelten die ZTV-Asphalt-StB sowie die ZTV-ING.[1]

Das Verfahren ist vorrangig für Erneuerungs-, Instandsetzungs- und Reparaturmaßnahmen auf Betonfahrbahntafeln geeignet. Aufgrund der begrenzten Fähigkeit zur Rissüberbrückung (maximal ca. 0,1 mm) ist der Einsatz im Neubau nur in Ausnahmefällen unter speziell definierten Randbedingungen zulässig.[2]

Im deutschen Straßenbau ist die HANV-Bauweise als alternatives Abdichtungssystem einzuordnen. Da die ZTV-ING als normative Grundlage standardmäßig die konventionelle Abdichtung mit Polymerbitumen-Schweißbahn vorsieht, bedarf der Einsatz von HANV einer Zustimmung im Einzelfall (ZiE) der zuständigen Bauaufsichtsbehörde.[1]

Bauablauf

Vor dem eigentlichen Einbau ist eine umfassende Voruntersuchung des Bestandsbauwerks erforderlich, da der Zustand der Betonfahrbahntafel erst nach dem Rückbau des vorhandenen Fahrbahnaufbaus vollständig beurteilt werden kann. Es wird empfohlen, bereits in der Planungsphase stichprobenartig den Zustand der Betonoberfläche zu prüfen.[3]

Der Bauablauf umfasst folgende wesentliche Schritte:

  1. Abfräsen des vorhandenen Fahrbahnaufbaus einschließlich der Altabdichtung
  2. Abrasierende Vorbereitung der Betonoberfläche
  3. Einbau des hohlraumreichen Asphalttraggerüsts (maschinell, bei kleineren Flächen auch manuell möglich)
  4. Verfüllung des Traggerüsts mit dem Reaktionsharz
  5. Einbau der Deckschicht (Walzasphalt oder weitere HANV-Schicht bei hoher Beanspruchung)

Die Verfüllung muss zeitlich eng auf den Einbau des Asphalttraggerüsts abgestimmt werden. Niederschläge während des Einbaus stellen ein wesentliches Qualitätsrisiko dar, da Wasser in den Hohlräumen des Traggerüsts das Eindringen des Reaktionsharzes verhindert.[3]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV): Merkblatt für die Herstellung von Abdichtungssystemen aus hohlraumreichen Asphalttraggerüsten mit nachträglicher Verfüllung für Ingenieurbauten aus Beton (M HANV). FGSV-Verlag, Köln 2025.
  2. a b Dudenhöfer, B.; Rückert, P.: Kunststoffabdichtungen unter Brückenbelägen. Bundesanstalt für Straßenwesen, Brücken- und Ingenieurbau. Fachverlag NW, Bergisch Gladbach 2022.
  3. a b Eilers, M.: Schnelle Abdichtungssysteme auf Brücken. In: Bundesanstalt für Straßenwesen (Hrsg.): Jahresbericht 2011/2012. NW Verlag, 2013, S. 18–21.

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