Gustav Neuring

Friedrich Gustav Neuring (* 14. September 1879 in Harburg; † 12. April 1919 in Dresden[1]) war ein deutscher Gewerkschaftsfunktionär und Politiker (SPD). Er war von Januar 1919 bis zu seiner Ermordung im April desselben Jahres Minister für Militärwesen des Freistaats Sachsen.

Leben

Neuring gehörte der SPD an und war von 1904 bis 1919 Leiter des sächsischen Fabrikarbeiterverbandes. Im Zuge der Novemberrevolution von 1918 wurde er Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates Groß-Dresden.

Nach dem Rückzug der USPD-Mitglieder aus dem sächsischen Rat der Volksbeauftragten wurde Neuring, welcher der Mehrheits-SPD angehörte, im Januar 1919 Volksbeauftragter für Militärwesen. Er war damit beauftragt, ein Volksheer zu organisieren. Im Februar desselben Jahres wurde er in die Sächsische Volkskammer gewählt und nach Inkrafttreten eines vorläufigen Grundgesetzes für den Freistaat Sachsen im März 1919 zum Minister für Militärwesen in der Regierung seines Parteikollegen Georg Gradnauer ernannt. Im selben Monat stellte er in Zusammenarbeit mit dem Bund aktiver Unteroffiziere der alten Armee das „Regiment Ordnung“ auf, das in Pirna bei der gewaltsamen Auflösung der Arbeiter- und Soldatenräte eingesetzt wurde.

Nachdem die Reichsregierung unter Philipp Scheidemann (MSPD) verfügt hatte, den Sold für Kriegsbeschädigte und Verwundete sowie das Sanitätspersonal der Lazarette um etwa ein Fünftel zu kürzen, versammelte sich am 12. April 1919 eine aufgebrachte Menschenmenge auf dem Dresdner Theaterplatz vor der Semperoper. Sie zogen zu Neurings Amtssitz im Blockhaus am Neustädter Markt. Der Minister zeigte sich den Forderungen der Demonstranten gegenüber aufgeschlossen, aber machtlos: Weder könne er eine Verordnung der Reichsregierung aussetzen, noch könne der Freistaat Sachsen die Differenz zum alten Sold aus eigener Kasse bezahlen. Während er sich mit der Delegation des Sanitätspersonals einigen konnte, verwies sein Sekretär zwei Delegierte der Kriegsversehrten, die er als Kommunisten identifizierte, aus dem Büro. Diese kehrten zur Demonstration zurück und heizten die Stimmung mit Falschinformationen an.[2]

Gustav Neurings Grabmal auf Urnenhain Tolkewitz

Als Neuring die Menge beruhigen wollte, wurde er beschimpft, misshandelt und schließlich von der Friedrich-August-Brücke (heute Augustusbrücke) in die Elbe gestürzt. Er überlebte den Sturz und versuchte, ans Ufer zu schwimmen, worauf ihn bewaffnete Demonstranten erschossen. Einen Tag später rief die sächsische Regierung den Belagerungszustand aus. Vierzehn Tage nach dem Lynchmord trat Neurings Parteikollege Bruno Kirchhof seine Nachfolge als Militärminister an. Elf Tatbeteiligte – überwiegend kommunistische Kriegsversehrte und Arbeiter aus dem Umfeld des Spartakusbundes[2] – wurden angeklagt. Sie wurden zu Gefängnisstrafen zwischen anderthalb bis drei Jahren verurteilt.[3]

Neurings Grab befindet sich auf dem Urnenhain Tolkewitz in Dresden. Während noch zu seinem zehntem Todestag 1929 in sozialdemokratischen Kreisen an Neurings Ermordung erinnert wurde, geriet er nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend in Vergessenheit. In der DDR wurde fälschlicherweise verbreitet, dass er von Rechtsradikalen ermordet worden sei.[2]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Standesamt Dresden, Standesamt Dresden III, Sterbe-Neben-Register 1919, Nr. 166.
  2. a b c Moritz Hoffmann: Fluss und Vergessen, in: Saxorum – Blog für interdisziplinäre Landeskunde in Sachsen, 18. April 2023.
  3. Archivale im Fokus, Sächsisches Staatsarchiv, 1. April 2019.

Content Disclaimer

Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.

  1. The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
  2. There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
  3. It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
  4. Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
  5. Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.