Fred Brauner
Fred Brauner (* 7. November 1931 in Kohoutov, Tschechoslowakei; † 15. Mai 2025 in Patiño, Paraguay; bürgerlicher Name Gottfried Jan Brauner) war ein deutscher Arzt und Maler.
Leben
Fred Brauner wurde am 7. November 1931 als erstes von drei Kindern in Kohoutov (dt. Koken) im heutigen Tschechien als Sohn einer Landarbeiterfamilie geboren. Sein Vater starb bei einem Unfall, als er sieben Jahre alt war. Brauner half früh in der Landwirtschaft, um die Mutter und die Familie zu unterstützen. Bis 1942 besuchte er die Volksschule in Koken, ab 1942 die Oberschule im ca. zehn km entfernten Kuks (dt. Kukus).
Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Familie als Deutsche in der Tschechoslowakei ihre sudetische Heimat verlassen und wurde 1946 nach Mecklenburg in der sowjetischen Besatzungszone umgesiedelt. In der Nähe von Kühlungsborn arbeitete der damals 14-Jährige zunächst als Gelegenheitsarbeiter in der Landwirtschaft.[1] 1947 trat Brauner in die örtliche FDJ-Gruppe ein.
Mit 17 Jahren bewarb er sich auf Empfehlung eines Freundes an der Landwirtschaftsschule Bad Doberan und absolviert dort mit Hilfe eines Stipendiums eine einjährige Ausbildung zum „Staatlich geprüften Landwirt“. Nach Abschluss dieser Ausbildung bemühte sich Brauner um die Zulassung zum Studium an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät (ABF), die damals noch Vorstudienanstalt genannt wurde, und erlangte nach dreijährigem Studium an der ABF das Abitur. 1953 begann Brauner an den Universitäten Rostock und später Greifswald Medizin zu studieren und trat in die SED ein.
Im Kreiskrankenhaus Kühlungsborn unter der damaligen Leitung von Ernst-Gustav Michelsen erhielt er 1958 nach Abschluss des Studiums seine erste Anstellung als Chirurg und konnte im Jahr 1961 mit dem Thema Untersuchungen über den Alloxandiabetes und dessen Beeinflussung durch Desoxycorticosteronacetat promovieren. Als im Jahr 1965 das neue Südstadt-Krankenhaus in Rostock eröffnet wurde, übernahm er dort die Leitung der chirurgischen Klinik.
Kurz nach seiner B-Promotion zum Thema Die abgestimmte Behandlung zwischen ambulantem und stationärem Sektor in der Allgemeinchirurgie und ihr Einfluss auf die Behandlungsergebnisse in fünf Erkrankungsgruppen (1973) wurde Brauner nach Stralsund berufen und führte ab 1974 das Stralsunder Krankenhaus am Sund als ärztlicher Direktor. Im Jahr 1984 wechselte er an das Bezirkskrankenhaus Schwerin, wo er als Chefarzt und Leiter der chirurgischen Klinik bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1993 tätig war.
Im Zuge seiner beruflichen Laufbahn betreute Brauner zahlreiche Chirurgen als Doktorvater und war an verschiedenen wissenschaftlichen Veröffentlichungen beteiligt.
Gesellschaftliche Auszeichnungen in der DDR
- 1974: Held der Arbeit
- 1988: Verdienter Arzt des Volkes
Malerei
Im Alter von elf Jahren entdeckte ein Lehrer in der Oberschule Brauners Talent und förderte es. Nach der Umsiedlung begann Brauner ab 1948 in seiner Freizeit wieder zu malen.
Während seiner Zeit an der Universität beschäftigte Brauner sich in seiner Freizeit intensiver mit der Malerei und entwickelte sich als Autodidakt vor allem in der Aquarelltechnik weiter. In Kühlungsborn war er Mitbegründer eines Malkreises für Krankenhausangestellte; in dieser Zeit nahm er an ersten Gruppenausstellungen teil. In den 70er und 80er Jahren hatte er regelmäßigen Kontakt mit wichtigen Malern der Region (u. a. Tom Beyer und Otto Niemeyer-Holstein), mit denen er Erfahrungen austauschte. 1988 erhielt er die Anerkennung als Volkskünstler der DDR.
Nach der Übersiedlung nach Südamerika wurde die Malerei zu Brauners bestimmenden Lebensinhalt und er wurde Teil der paraguayischen Kulturszene. Mit dem bekannten paraguayischen Bildhauer Hugo Pistilli verband ihn eine tiefe Freundschaft. Sowohl mit Hugo Pistilli als auch mit dessen Sohn Juan Pablo Pistilli präsentierte er mehrere gemeinsame Ausstellungen in der Hauptstadt Asunción.
2024 und 2025 war Brauner bei der internationalen Ausstellung „Fabriano in watercolor / Fabriano in acquarello“ in Texas (USA) und Bologna (Italien) als Repräsentant der paraguayischen Aquarellmalerei vertreten.
Ausstellungen
- 1962 Ausstellung für künstlerische Arbeiten Bad Doberan/DDR (Gruppenausstellung)
- 1963 Kunstausstellung Rostock/DDR (Gruppenausstellung)
- 1977 Binationale Kunstausstellung Sczeczin/Polen (Gruppenausstellung)
- 1981 „Café der Maler“ Stralsund/DDR
- 1982 „Kleine Galerie“ Grimmen/DDR
- 1983 „Galerie des Meeres“ Binz/Deutschland
- 1984 „Theatergalerie“ Stralsund/Deutschland
- 1987 „Regionalgalerie“ Malchow/Deutschland
- 1989/90 „Haus der Kultur“ Schwerin/Deutschland
- 2003 „Hotel Paramanta“ Asunción/Paraguay
- 2005 Paraguayisch-Japanisches Kulturzentrum/Paraguay
- 2006 Paraguayisch-Deutsches Kulturinstitut/Paraguay (mit Hugo Pistilli)
- 2007 Kunstausstellung Encarnación/Paraguay (Gruppenausstellung)
- 2008 „Manzana de la Rivera“ Asunción/Paraguay
- 2008 Dauerausstellung in der Deutschen Botschaft/Paraguay (Gruppenausstellung)
- 2009 Paraguayisch-Deutsches Kulturinstitut/Paraguay (mit Juan Pablo Pistilli)
- 2011 Centro Cultural del Lago, Aregua
- 2021 Centro Cultural del Lago, Aregua[2]
- 2023 Paraguayisch-Deutsches Kulturinstitut (mit Juan Pablo Pistilli)[3]
- 2024 „Fabriano in Watercolor“, Texas (Gruppenausstellung)
- 2025 „Fabriano in Acquarello“, Bologna (Gruppenausstellung)
Familie und Privatleben
Brauner heiratete 1956 seine Studienkollegin Renate Schwartze, die ebenfalls Medizinerin wurde und gemeinsam mit ihm an den Kliniken in Kühlungsborn, Rostock und Stralsund als Ärztin arbeitete. Das Paar bekam drei Kinder (* 1957, 1959 und 1962). Seine Ehefrau litt seit ihrer frühen Jugend an einer bipolaren Störung und nahm sich 1981 nach mehreren gescheiterten Therapieversuchen das Leben.
1982 heiratete Brauner erneut. Mit seiner zweiten Ehefrau Angelika (geb. Severin), deren Tochter aus erster Ehe sowie der gemeinsamen 1983 geborenen Tochter zog er 1984 nach Schwerin um. Zwei Jahre nach Brauners Pensionierung wanderte die Familie nach Paraguay aus und lebte dort bis zu seinem Tod am 15. Mai 2025 in der Nähe der Kleinstadt Ypacaraí.
Veröffentlichungen
- So war mein Leben.... Autobiografie. Eigenverlag 2006
Quellen
- Kurzbiografie von Fred Brauner auf der Website der Erinnerungsbibliothek DDR
- Fred Brauner im Portal Guarani (spanisch)
- Marta Escurra: Acuarelas de Brauner, abc.com-py (spanisch), 29. Oktober 2023.
- Centro Cultural del Lago -CCDL- de Areguá, Paraguay (Hrsg.): Fred Brauner auf artesanosyartistas.wordpress.com (spanisch)
Einzelnachweise
- ↑ Fred Brauner: Die neue Heimat. In: Jahnke, Jürgen: Schwere Zeit" (1945–1948): aus der Geschichte des Ostseebades Kühlungsborn, Verein der Heimatfreunde Kühlungsborn e.V., 2017.
- ↑ Retrospectiva de Fred Brauner en el Centro Cultural del Lago. El Nacional. 6. November 2021, abgerufen am 11. Juni 2026.
- ↑ “Opuestos”: Esculturas de Pistilli y acuarelas de Brauner en muestra del lCPA. Hoy. 26. Oktober 2023, abgerufen am 11. Juni 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Brauner, Fred |
| ALTERNATIVNAMEN | Brauner, Gottfried Jan |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Arzt und Maler |
| GEBURTSDATUM | 7. November 1931 |
| GEBURTSORT | Kohoutov, Tschechoslowakei |
| STERBEDATUM | 15. Mai 2025 |
| STERBEORT | Patiño, Paraguay |
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