Fontaine Chaude

Heiße Quelle in Dax, Blick aus südwestlicher Richtung. Um 1900, Postkarte.

Fontaine Chaude (auch Source de la Nèhe) ist eine gefasste Thermalquelle im Zentrum der südwestfranzösischen Stadt Dax im Département Landes. Der Überlieferung nach wurde die bereits in der Antike bekannte Quelle von den Römern zu therapeutischen Zwecken genutzt. Die heutige Anlage wurde zwischen 1814 und 1818 im klassizistischen Stil in der Regierungszeit von Ludwig XVIII. auf dem vermuteten Standort der antiken Thermen errichtet. Sie umfasst ein fünfeckig geformtes Becken, umgeben von einem Portikus mit quadratischem Grundriss.

Die Quelle ist seit 1988 als Denkmal geschützt.

Geschichte

Historische Geologie

Die Thermalwasserquellen in Dax sind aufgrund komplexer geologischer Erdformationen entstanden, die sich über Millionen von Jahren erstrecken. Die oberste Lage aus Kalkstein- und Dolomitschicht ist rissig, hat sich im Obertrias langsam nahezu senkrecht aufgerichtet und durch das vom Diapirismus verursachte Aufsteigen von flüssigem Gestin angehoben. Das geothermisch erwärmte Wasser steigt durch Verwerfungen an die Oberfläche auf, da Dolomit als wasserführendes Gestein dient. In einem Gebiet von etwa 1 km tritt so Wasser mit einer Temperatur von 60 °C an verschiedenen Stellen am linken Ufer des Adour an die Erdoberfläche aus.[1]

Antike und Mittelalter

Der Überlieferung nach soll Dax, das antike Aquae Tarbellicae, Hauptstadt der Tarbelli, in augusteischer Zeit gegründet worden sein. Archäologische Belege fehlen aber dafür. Ende des 19. Jahrhunderts wurden durch mehrere städtebauliche Eingriffe Überreste von Badeanstalten wiederentdeckt, eine davon nur 20 Meter südlich des Standorts des heutigen Brunnens.[2] Bei Ausgrabungen im Jahr 1976 wurden die Überreste des antiken Beckens aus dem 4. Jahrhundert freigelegt.[3]

Die älteste schriftliche Erwähnung der Fontaine de la Nèhe ist aus dem 10. Jahrhundert in den Rôles gascons, Verwaltungsdokumente aus der Zeit der englischen Herrschaft über die Gascogne (12.–15. Jahrhundert), in die auch ältere, klösterliche Aufzeichnungen eingingen.[2]

Neuzeit

Für das Jahr 1568 war die Hauptquelle von einer weitläufigen quadratischen Umfriedung umgeben. Über ein Kanalisationssystem gelangte das temperierte Wasser in einen breiten Kanal aus Quadersteinen. Vier kleinere Bäder säumten eine weitere Seite des Brunnens. Im 16. Jahrhundert sind Badewannen aus Marmor hinzugekommen, die eine fortwährende Nutzung belegen. Etwa zur gleichen Zeit muss ein Badehaus entstanden sein, das nördlich zum bestehenden Bad anschloss und den Modernisierungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts zum Opfer fiel.[2]

Mit Datum vom 9. September 1988 wurden den Quellen und die dazugehörenden Gebäude „als historische Denkmäler eingestuft [und] sind die gesamte Säulenhalle der ‚Fontaine Chaude‘ sowie die Überreste der antiken und mittelalterlichen Siedlungen, die sich um die als „La Nèhe“ bezeichnete Thermalquelle herum erstrecken und sich auf dem Grundstück Nr. 24, Abschnitt AE, des Katasters der Gemeinde Dax (Landes) befinden.“[4] Schon 1946 war mit der Nummer PA00083940 die „Eintragung per Erlass vom 5. September 1946 – Der gesamte Portikus des „Fontaine Chaude“ sowie die Überreste der antiken und mittelalterlichen Anlagen rund um die heiße Quelle, bekannt als ‚La Nèhe‘“[3] erfolgt.

Archäologie

Die Fontaine Chaude steht auf einem archäologisch bedeutenden Areal, dessen thermale Nutzung bis in die gallorömische Zeit zurückreicht. Archäologische Untersuchungen haben in unmittelbarer Umgebung mehrere Überreste antiker Badeanlagen nachgewiesen. Bei Sondierungen im Jahr 1976 wurden unter dem heutigen Bau die Reste eines antiken Wasserbeckens aus dem 4. Jahrhundert festgestellt. Bereits bei früheren städtebaulichen Arbeiten waren außerdem Überreste mehrerer Badeanlagen und ein außergewöhnlich breiter antiker Mauerzug zum Vorschein gekommen.[2]

Nach den Rôles gascons, die heute die ältesten Belege darstellen, in denen sich die erste bekannte Erwähnung der Fontaine de la Nèhe findet, sind für das 14. Jahrhundert an derselben Stelle ein oder mehrere Becken belegt. Eine Beschreibung von 1568 berichtet von einer großen quadratischen Einfriedung der Hauptquelle. Das Quellwasser wurde über Kanäle in ein großes Becken geleitet, in dem gebadet und geschwommen werden konnte. Daneben befanden sich vier kleinere Badebecken. Die an das Becken angebaute Maison des bains bestand bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts und wurde 1814 durch den heutigen Bau ersetzt, der 1818 fertiggestellt wurde.

Der heutige Bau selbst ist somit Teil einer über Jahrhunderte gewachsenen thermalen Anlage. Die archäologischen Untersuchungen im Zusammenhang mit den Konsolidierungsarbeiten des 20. Jahrhunderts zeigten, dass das Gebäude des 19. Jahrhunderts auf dem älteren antiken Becken errichtet worden war. Die erhaltenen archäologischen Reste der antiken und mittelalterlichen Badeanlagen rund um die Quelle sind deshalb seit 1988 gemeinsam mit dem Portikus der Fontaine Chaude als Monument historique geschützt.

Technische Daten

Die Fontaine Chaude gehört zu einer Gruppe von heißen Quellen, die mit Groupe de Dax bezeichnet sind. Die Groupe de Dax wird nach drei Hauptkriterien definiert, die sich aus geologischen, hydrogeologischen und chemischen Eigenschaften ableiten. Geologisch gehören zur Gruppe alle Quellen, die dem Dano-Paläozän-Aquifer angehören, der durch Salzdiapire wie den Diapir von Saint-Pandelon geprägt ist. Hydrogeologisch zeichnen sich die Quellen dieser Gruppe durch tiefe Zirkulationswege aus, bei denen das Wasser bis in Tiefen von über 1.000 Metern absinkt, sich dort geothermisch erwärmt und durch Verwerfungen und Störungen wieder an die Oberfläche aufsteigt. Chemisch weisen die Quellen der Gruppe eine vergleichbare Wasserzusammensetzung auf, insbesondere eine Mineralisierung von etwa 1 g/Liter sowie ein charakteristisches Isotopenverhältnis (δ¹⁸O und δ²H), die auf eine lange Verweilzeit und tiefe Einsickerung hindeutet.[5]

Groupe de Dax[6]
Nummer Name Temperatur Alter in Jahren
0977-lX-0163 St-Paul-les-Dax - SPDXl 61 °C 1000–9000
0977-1X-0015 Dax - Place de la Course 60 °C 3000–7500
0977-1X-0021 Dax - Fontaine Chaude 60 °C 2500–6000
0977-1X-0089 Dax - Elvina I 1800–6000
0977-lX-0124 Dax - Boulogne 2 55 °C 3000–6500

Zu der Gruppe gehören:

Commons: Fontaine Chaude – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Le patrimoine thermal de la commune de Dax. Nouvelle-Aquitaine, 2023.
  2. a b c d Catherine Boccacino: Dax (Landes). « Fontaine Chaude ». In: Archéologie médiévale. Jahrgang 2002, Nr. 32, S. 179.
  3. a b Fontaine Chaude Ministère de la Culture, 11. Juni 1993.
  4. ARRETE portant classement parmi les Monuments Historiques de la Fontaine Chaude à Dax (Landes). Le Ministre de la Culture, de la Communication des Grands Travaux et du Bicentenaire, Paris 1988.
  5. Pierre Bérard et al.: Ressources et protection des réservoirs thermaux du Bas Adour, in: La Houille Blanche. Revue internationale de l’eau, 1. Juli 2009.
  6. Laurent Chéry, Alain Gadalia: Estimation des âges à partir de l’activité. Pour les stations thermales du Bas Adour, in: Ressources thermo-minérales du Bas-Adour. Synthèse géochimique et isotopique des eaux souterraines, Ministère de l’Industrie, de la Poste et des Télécommunications, März 1997, S. 36 und 63.

Koordinaten: 43° 42′ 38,9″ N, 1° 3′ 10″ W

Content Disclaimer

Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.

  1. The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
  2. There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
  3. It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
  4. Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
  5. Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.