Erdolchen

Das Erdolchen ist eine Tötungsmethode und kann durch Stichwaffen wie Messer oder Dolch erfolgen. Bei längeren Stichwaffen wie Säbel und Schwert spricht man von Erstechen.

Es handelt sich um eine Hinrichtungs- und Mordmethode sowie die historisch häufigste Methode der Kriegsführung. Beide stellten zudem die zweithäufigste Todesursache in Kriegen vor der Erfindung der Schusswaffen dar. Die häufigste Todesursache war die Wundinfektion nach versuchtem Erdolchen und Erstechen.

Medizinische Grundlagen

Primäres Ziel ist es, das Herz zu treffen, was in kürzester Zeit zum Tode durch Herzbeuteltamponade führt. Auch Stichverletzungen in die Lunge und andere lebenswichtige Organe des Bauchraums sind oft tödlich. Wenn dabei große Arterien oder Venen verletzt werden, sind meist starke innere Blutungen Grund für den Eintritt des Todes. Wird der Thorax geöffnet, kommt es zudem nach Entfernen des Werkzeugs zu einem Druckausgleich mit der Außenluft, woraufhin die Lungenflügel zusammenfallen. In allen diesen Fällen spricht man von Erdolchen oder Erstechen. Schnittverletzungen im Muskelbereich sind meist nicht sofort tödlich. Der Kämpfende kann sich weiter verteidigen oder fliehen. Ohne effektive Wundversorgung kommt es jedoch zu Infektionen, an denen er nachträglich versterben kann. Man spricht dann nicht von Erdolchen oder Erstechen.[1][2]

Mordmethode

Ein direkter Herzstich führt innerhalb von wenigen Sekunden zur Bewusstlosigkeit, weil der Blutdruck abfällt. Manche Mordopfer wehren sich gegen Täter und erleiden dabei Verletzungen. Solche Verletzungen lassen vermuten, dass der Gestorbene nicht Suizid begehen wollte.[1] Zahlreiche Prominente wurden durch Erdolchen oder Erstechen ermordet (siehe Liste bekannter Attentate). Besonders bekannte Mordopfer sind Caesar und Kaiserin Sissy.

Hinrichtungsmethode

Im Mittelalter waren Erdolchen und Erstechen Formen der Hinrichtung. In der römischen Antike wurden Hinrichtungen ohne Entehrung der Person häufig durch Erstechen vorgenommen, wobei sich der Delinquent mit aufrechtem Oberkörper hinkniete und ein Henker ihm ein Schwert senkrecht in die Schulter, hinter das Schlüsselbein bis hinunter ins Herz stach. Hierbei werden Lunge, Herz und angrenzende Arterien in der Tiefe des Körpers durchschnitten. Das Blut ergießt sich in die Bauchhöhle und wird nicht sichtbar. Am Schlüsselbein sind später oft charakteristische Schnittspuren sichtbar, die darauf hinweisen, dass das Opfer keine Gegenwehr geleistet hat. Die Methode wurde vor allem bei römischen Staatsbürgern angewendet, sowohl im Militär als auch im häuslichen Bereich der Oberschicht.

Noch bei Kriegen im 20. Jahrhundert wurde diese Hinrichtungsmethode angewendet, um aus Kostengründen Erschießungen zu vermeiden und damit Patronen einzusparen. So wurden beim Massaker von Nanking mehrere 10.000 Gefangene nicht erschossen, sondern mit dem Bajonett erdolcht.[3]

Häufig rezipierte Getötete

Erdolchung

Erstechung

Durch die Erdolchung von Gaius Iulius Caesar inspiriertes Gemälde von Vincenzo Camuccini (1798, Galleria Nazionale d’Arte Moderna, Rom)

Siehe auch

Literatur

  • Randolph Penning: Rechtsmedizin systematisch. 2. Auflage. UNI-MED Verlag, Bremen u. a. 2006, ISBN 3-89599-157-0 (Klinische Lehrbuchreihe).
  • B. Brinkmann, B. Madea (Hrsg.): Handbuch gerichtliche Medizin. 2 Bände. Springer, Berlin 2003–2004.
Commons: Erdolchen und Erstechen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Penning: Rechtsmedizin systematisch
  2. Brinkmann, Madea: Handbuch gerichtliche Medizin
  3. Akira Fujiwara: The Nanking Atrocity: An Interpretive Overview. auf: japanfocus.org 23. Oktober 2007.

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