Dörlbach

Dörlbach
Gemeinde Burgthann
Koordinaten: 49° 21′ N, 11° 21′ OKoordinaten: 49° 21′ 18″ N, 11° 21′ 8″ O
Höhe: 413–432 m ü. NHN
Einwohner: 216 (Okt. 2022)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 90559
Vorwahl: 09183
Luftaufnahme Dörlbach 2020
Luftaufnahme Dörlbach 2020
Ortsbild von Dörlbach

Dörlbach ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Burgthann im Landkreis Nürnberger Land (Mittelfranken, Bayern).[2] Die Gemarkung Dörlbach hat eine Fläche von 4,890 km². Sie ist in 1057 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 4625,87 m² haben.[3] In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Peunting und Westhaid.[4]

Geografische Lage

Das Dorf liegt auf freier Flur am Ludwig-Donau-Main-Kanal und an der Staatsstraße 2401, die nach Schwarzenbach (0,6 km südwestlich) bzw. nach Rasch verläuft (2,4 km nordöstlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Westhaid (1,5 km nordwestlich).[5]

Geschichte

Der Ort wurde erstmals in einer Urkunde Kaiser Ludwigs im Jahre 1339 erwähnt, als dort ein „Chunrad Mayr aus Törlbach“ genannt wird. Der Ortsname lässt sich als „Ansiedlung am Bach (Leimgraben), der durch ein kleines Tor (=enges Tal) fließt“, deuten. Die Dörlbacher Anwesen gehörten lange zu den Nürnberger Klöstern.[6]

In einer Beschreibung des Nürnberger Umlands des Jahres 1504 wird darauf hingewiesen, dass die Hochgerichtsbarkeit Dörlbachs höchst umstritten war und hier die Ansbacher Markgrafen, die Pfälzer Kurfürsten und die Stadt Nürnberg konkurrierten. Dies ist auch ein Grund dafür, dass Dörlbach im Landshuter Erbfolgekrieg schwere Zerstörungen hinnehmen musste.[6]

1796 bestand der Ort aus sieben Höfen, einem Nebenhaus und einem Hirtenhaus.[6]

1806 erfolgte die Angliederung an das Königreich Bayern. Mit den Gemeindeedikten von 1808 und 1818 wurde Dörlbach dem Steuerdistrikt Rasch zugewiesen. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Dörlbach, zu der Peunting und Westhaid gehörten. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Altdorf.[7]

1927 wird der Ort elektrifiziert. Im Jahre 1958 wird Dörlbach an die Wasserversorgung des Zweckverbandes „Schwarzenbach-Dörlbach“ angeschlossen. Mit Beginn des Schuljahres 1969/1970 tritt die Gemeinde Dörlbach dem Schulverband „Nürnberg-Land-Süd“ mit Sitz in Burgthann bei.[6]

Liste der Gemeindevorsteher und Ersten Bürgermeister der Gemeinde Dörlbach[8]
Ab Name Ortsherkunft Ab Name Ortsherkunft
1818 Johann Mederer Dörlbach 1876 Johann Poppel Dörlbach
1827 Johann Pölloth Dörlbach 1885 Konrad Schrödel Peunting
1840 Johann Göhring Westhaid 1906 Michael Schrödel Peunting
1842 Georg Pölloth Westhaid 1946 Johann Pölloth Dörlbach
1848 Johann Rupprecht Westhaid 1948 Hans Möderer Dörlbach
1858 Johann Rupprecht Westhaid 1966 Konrad Schrödl Peunting

Am 1. Januar 1972 wurde die Gemeinde Dörlbach, im Zuge der Gebietsreform in Bayern, zusammen mit den Ortsteilen Peunting und Westhaid nach Burgthann eingemeindet.[9][10]

Einwohnerentwicklung

Dorf Dörlbach

Jahr 1824 1850 1871 1900 1925 1950 1970 1987
Einwohnerzahl 68 71 75 82 77 80 83 80

Quellen: 1825+1850[6] / 1871[11] / 1900[12] / 1925–1987[11] / 1970[6]

Gemeinde Dörlbach

Jahr 1824 1850 1871 1900 1925 1950 2010 2015 2020 2025
Einwohnerzahl 165 159 190 185 167 200 211 219 220 211

Quellen: 1825+1850[6] / 1871[13] / 1900[12] / 1925–1950[13] / 2010–2025[14]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kriegerdenkmal Dörlbacher Au

Kriegerdenkmal Dörlbacher Au

In einer Kurve an der Verbindungsstraße zwischen Dörlbach und Westhaid befindet sich ein Kriegerdenkmal. Das Denkmal ist etwa 2 Meter hoch und aus Burgsandstein gefertigt. Es ist mit einem Metallzaun gesichert. Auf dem Denkmal befindet sich eine Marmortafel mit einer Inschrift:

Errichtet zum Andenken an die Glorreichen Siege der Deutschen in Frankreich in den Jahren 1870-71 U. an das Friedensfest am 3. März 1871 Gestiftet von den Gemeinden Schwarzenbach und Dörlbach

Zum Gedenken an den Frieden wurden am Denkmal vier Friedenslinden gepflanzt.

Dörlbacher Einschnitt

Etwa einen Kilometer östlich von Dörlbach befindet sich der Dörlbacher Einschnitt des Ludwig-Donau-Main-Kanals. Dieser Abschnitt steht unter Denkmalschutz und ist vom Bayerischen Landesamt für Umwelt als Geotop 574A012[15] ausgewiesen. Siehe auch: Liste der Geotope im Landkreis Nürnberger Land und Liste der Baudenkmäler in Burgthann.

Geologie

Der Einschnitt erschließt das oberste Drittel des etwa 70 Meter mächtigen Schwarzen Juras. Den Namen erhielten die wegen ihrer dunklen Farbe 178 bis 200 Millionen Jahre alten Ablagerungen eines flachen Epikontinentalmeeres 1837 durch den Geologen Leopold von Buch. Zu sehen ist hier im Aufschluss ganz unten Amaltheenton, ein etwa 38 Meter mächtiger dunkelgrauer Tonstein mit wenigen Fossilien. Darüber liegt der nur 2,1 Meter mächtige Posidonienschiefer mit einem Wechsel von kalkreichen Ölschiefer und fossilenreichen Kalkgestein. Im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen wurden in dieser Schicht diverse Fossilien gefunden[16], die im Kanalmuseum Burgthann und im Universitätsmuseum Altdorf zu besichtigen sind. Die nächste Schicht bildet der 3,2 Meter mächtige Jurensismergel mit kalkreichen Tonen und phosphatischen oder eisensulfidischen Knollen. Den Abschluss bilden dunkelgraue und fossilarme Tonsteine des Opalinuston.[17]

1834 hatte König Ludwig I den Auftrag erteilt, die Flüsse Main und Donau zu verbinden. 1840 fand der Durchstich bei Dörlbach statt[18]. Bei einer Länge von 1000 Metern, einer Tiefe von etwa 16 Metern und einer Neigung von 47 Grad mussten damals mit einfachen Mitteln enorme Erdmassen bewegt werden. Unterstützt von einem dampfbetriebenen Schaufelbagger des Nürnberger Fabrikanten Johann Wilhelm Spaeth wurde mit Hacke und Schaufel die 17,5 Mio. Gulden teure Baumaßnahmen, was einer heutigen Summe von etwa 8,75 Millionen Euro entspricht, vollendet.

Im Winter 2004/2005 geriet der Nordhang des Abschnitts erstmals ins Rutschen. Nach weiteren Rutschungen 2006 und 2008 wurde ein Rad- und Fußweg aus Sicherheitsgründen gesperrt. Der felsige und baumbewachsene Südhang ist bis heute stabil. Nach einem geologischen Gutachten wurden in zwei Bauabschnitten 2010 und 2012 umfangreiche Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Die Kosten der Sanierung betrugen 2,85 Millionen Euro. Hierbei wurden etwa 80.000 Kubikmeter Erde bewegt und das überwiegend tonige Material mittels Sickerstrang und einer Stützwand gesichert. Im April 2013 wurde der beliebte Rad- und Wanderweg wiedereröffnet.

2017 wurden neue Informationstafeln[19] aufgestellt und der Kanalabschnitt für Bauarbeiten erneut trockengelegt.

In den Sommermonaten besteht die Möglichkeit, den Ludwig-Donau-Main-Kanal mit dem Treidelschiff Elfriede wie vor 150 Jahren zu befahren.[20]

Bildergalerie

Literatur

Commons: Dörlbach (Burgthann) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. Einwohnerzahlen | Gemeinde Burgthann. Abgerufen am 20. Oktober 2022.
  2. Gemeinde Burgthann, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 7. November 2024.
  3. Gemarkung Dörlbach (093410). In: geoindex.io. Geoindex Aktiengesellschaft, abgerufen am 7. November 2024.
  4. Webkarte. ALKIS®-Verwaltungsgrenzen – Gemarkungen. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 7. November 2024.
  5. Ortskarte 1:10.000. Darstellung mit Schummerung. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 7. November 2024 (Entfernungsangaben entsprechen Luftlinie).
  6. a b c d e f g Hans Wedel: Burgthann - Geschichte, Geschichten und Notizen aus den Dörfern der Großgemeinde. Hrsg.: im Selbstverlag. Druckerei Carl Hessel GmbH, Feucht 1982, S. 183 ff.
  7. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, OCLC 869860423, S. 21 (Digitalisat).
  8. Hans Wedel: Burgthann, Geschichte, Geschichten und Notizen aus den Dörfern der Großgemeinde. Hrsg.: Hans Wedel. Druckerei Carl Hessel GmbH, Feucht 1982, S. 199
  9. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 542.
  10. Burgthann > Politische Einteilung. In: wiki.genealogy.net. Verein für Computergenealogie, abgerufen am 7. November 2024.
  11. a b Einwohnerzahlen Dorf. In: bavarikon. Onlineportal des Freistaats Bayern, abgerufen am 10. Juni 2026.
  12. a b Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern, Herausgegeben vom Königlich Bayerischen Statistischen Bureau, J. Lindauersche Buchhandlung, München 1904, Spalte 1239. In: MDZ Münchener DigitalisierungsZentrum, Digitale Bibliothek. BSB Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 12. Juni 2026.
  13. a b Einwohnerzahlen Gemeinde. In: bavarikon. Onlineportal des Freistaats Bayern, abgerufen am 10. Juni 2026.
  14. Zahlen und Fakten. In: Website. Gemeinde Burgthann, abgerufen am 10. Juni 2026.
  15. Geotop: Böschung am Ludwig-Donau-Main-Kanal östlich von Dörlbach (Abgerufen am 25. August 2013; PDF; 181 kB)
  16. Nordbayern.de Fischsaurier in Burgthann aufgetaucht (Abgerufen am 10. März 2013)
  17. Informationstafel vor Ort (2017)
  18. http://www.nordbayern.de, Mauern des Alten Kanals Dörlbach noch immer kaputt (Abgerufen am 18. August 2017)
  19. www.regierung.oberpfalz.bayern.de Neues Informations- und Kommunikationssystem am Ludwig-Donau-Main-Kanal (LDM) eröffnet (Memento des Originals vom 18. August 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.regierung.oberpfalz.bayern.de (Abgerufen am 18. August 2017)
  20. Gemeinde Burgthann, Treidelschiff Elfriede (Memento des Originals vom 11. Juni 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.burgthann.de (Abgerufen am 14. März 2013)

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