Dorak

Dorak ist ein kleiner Ortsteil (Mahalle) des Landkreises Mustafakemalpaşa in der Provinz Bursa im Norden Anatoliens. Er liegt etwa 22 Kilometer vom Stadtkern Mustafakemalpaşas entfernt und liegt auf einem Plateau 300 Metern über dem nördlich gelegenen Uluabat-See. Der Ort liegt an einer alten Verbindungsstraße zwischen Mustafakemalpaşa und Bursa und verfügte 2019 über rund 150 Einwohner.[1]

Einer örtlichen Legende zufolge sollen sich vor 700 oder 400 Jahren turkmenische Nomaden an diesem Ort niedergelassen haben, nachdem ihnen ein Ziegenbock eine Wasserstelle gezeigt hatte. Der Erzählung nach nannten sie den Ort zunächst „Durak“.[2]

Der Ort ist landwirtschaftlich geprägt, vor allem die Käseproduktion hat eine gewisse lokale Bedeutung. Der früher verbreitete Anbau von Tabak wurde seit den 1970ern von Olivenbäumen und in jüngerer Zeit auch dem Anbau von Feigen verdrängt. Früher war Dorak bekannt für seine aus dem Schilf des Uluabat-Sees geflochtenen Matten, die hier statt Kelims verwendet wurden. Von 1961 bis 1995 besaß das Dorf eine eigene Schule.[3] In den 1940er Jahren gelangte der Ort wegen eines Falls von Nekrophagie in die Schlagzeilen.[4] Der Ort verfügt über eine Aussichtsterrasse von der aus der See überblickt werden kann.[5]

Die Landschaft rund um das Dorf Dorak ist von buschbewachsenen Hängen und lichten Wäldern geprägt. Die umliegenden Hügel erheben sich im teils Höhen von bis zu 580 Metern. Die Böden sind überwiegend nährstoffarm, weshalb ein Großteil der Flächen nur eingeschränkt landwirtschaftlich nutzbar ist. Die Vegetation wird von Eichenbeständen dominiert und durch Erguvan, Lorbeer und Terpentin-Pistazie sowie Straucharten wie Weißdorn, Hagebutte, Brombeere und Baumheide ergänzt. Bergbauaktivitäten und Infrastrukturmaßnahmen haben im Umfeld des Ortes zu einer erhöhten Erosionsgefährdung sowie zu weiteren ökologischen Beeinträchtigungen geführt.[6]

Zwischen Dorak und dem Dorf Onaç befindet sich eine mittelalterliche Nekropole. Die in den Boden eingetieften Gräber waren mit verzierten Deckplatten aus Kalkstein verschlossen, der aus dem Felsgestein der Umgebung gewonnen worden war. Auf dem Pazartepe weisen durch landwirtschaftliche Arbeiten freigelegte Mauerreste und Kalksteinblöcke auf einen monumentalen Bau aus großformatigen Steinquadern hin. Das Areal wurde jedoch durch Steinbrucharbeiten und den Straßenbau erheblich beschädigt. Auch im Rahmen jüngerer Untersuchungen konnten weder im Dorfzentrum noch in der Umgebung Hinweise auf Siedlungsstrukturen oder Überreste aus dem Mittelalter oder früheren Epochen festgestellt werden; insbesondere fehlt jeglicher Beleg für eine bronzezeitliche Nekropole in der Umgebung.[7]

Internationale Bekanntheit erlangte der Ort im Zusammenhang mit der sogenannten Dorak-Affäre Anfang der 1960er Jahre. Ausgangspunkt war die von dem britisch-niederländischen Archäologen James Mellaart (1925–2012) geäußerte Behauptung, er habe in den 1950er Jahren in Izmir in Privatbesitz befindliche außergewöhnliche frühbronzezeitliche Grabbeigaben der Yortan-Kultur in Augenschein genommen, die zwischen 1919 und 1922 aus Königsgräbern bei Dorak geborgen worden sein sollten. Türkische Medien warfen Mellaart daraufhin eine Beteiligung am Antikenschmuggel vor. Die Affäre führte 1964 zum Widerruf seiner Grabungslizenz für Çatalhöyük; die Einreise in die Türkei wurde ihm nur noch unter Auflagen gestattet.[8]

Anmerkungen

  1. Rasim Balaban: Dorak’tan İzlenimler, online auf mucadelegazete.com, 30. November 2025, abgerufen am 18. Juni 2026.
  2. Rasim Balaban: Dorak’tan İzlenimler, online auf mucadelegazete.com, 30. November 2025, abgerufen am 18. Juni 2026.
  3. Rasim Balaban: Dorak’tan İzlenimler, online auf mucadelegazete.com, 30. November 2025, abgerufen am 18. Juni 2026.
  4. Ölü ciğeri yıyen adam. In: Vakit Gazetesi, 7. März 1944, S. 3.
  5. Bursa Union for the Promotion of Culture and Tourism: Bursa Travel Guide, o. O., ca. 2025, S. 52.
  6. Ayşenur Akbana/Yahya Bulut: Developing Sustainable and Use Strategies by Determining Landscape Character Areas in Uluabat Lake and its Surroundings. In: Artvin Coruh University Journal of Forestry Faculty 21/2 (2020), S. 231–243.
  7. Boris Dreyer/Serdar Aybek (Hrsg.): Der Archäologische Survey von Apollonia am Rhyndakos beim Uluabat-See und der Umgebung Mysiens in der Nordwest-Türkei 2006–2010, Berlin 2016, S. 58f., 64; Ali Kazım Öz: Architectural Remains in the Territory of Lake Uluabat. In: Mustafa Şahin (Hrsg.): Bursa ve ilçeleri arkeolojik kültür envanteri – IV. Olympos Araştırmaları – II. Uluslararası Mysia Olympos’u Araştırmaları Çalıştayı (8.–11. Mai 2014, Orhaneli/Bursa), Bursa 2018, 148–159; Kamil Doğancı: Discussions on the Reality of the Royal Treasure of Dorak and Its Importance in Anatolian History. In: Avrasya Uluslararası Araştırmalar Dergisi 10/31 (2022), S. 445–466.
  8. Zur Dorak-Affäre vgl. insbes.: Kenneth Pearson/Patricia Connor: The Dorak Affair, London 1967; Vladimir Stissi: What is Drawn and Written is not Necessarily True. Contextualising Mellaart’s Fakes. In: Talanta 50 (2018), S. 87–123, hier: S. 91–98; David Stronach: One of Arechaelogys Greatest Mysteries – Dorak. A New Look at the Long-Lived Dorak Puzzle. In: Emma L. Baysal (Hrsg.): James Mellaart. The Journey to Çatalhöyük, Istanbul 2020, S. 437–443; John David Hawkins: The Fantasies of James Mellaert. Fabrications of an Anatolian Archaeologist. In: The IOS Annual 24 (2024), S. 103–127.

Koordinaten: 40° 6′ N, 28° 35′ O

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