Coco Fusco

Coco Fusco (2019)

Coco Fusco (* 1960 in New York) ist eine US-amerikanische Künstlerin und Autorin, die mit Performance, Video, Fotografie, Installation und Essay arbeitet.[1] Ihre Arbeiten befassen sich mit Kolonialismus, Rassifizierung, Geschlecht, Migration, Staatsgewalt und kultureller Repräsentation.[1]

Leben

Fusco wurde 1960 in New York als Tochter einer kubanischen Ärztin geboren und wuchs in Manhattan und der Bronx auf.[2] Sie studierte Semiotik an der Brown University, modernes Denken und Literatur an der Stanford University und promovierte an der Middlesex University in Kunst und visueller Kultur.[3] Seit den 1980er-Jahren reiste sie regelmäßig nach Kuba und arbeitete mit dortigen Kunstschaffenden; wegen ihrer Unterstützung dissidenter Künstler wurde ihr später zweimal die Einreise verweigert.[2] Sie lehrt als Professorin an der Cooper Union in New York.[3]

Wirken

International bekannt wurde Fusco 1992 mit der gemeinsam mit Guillermo Gómez-Peña entwickelten Performance Two Undiscovered Amerindians Visit the West, in der beide anlässlich des 500. Jahrestags der Ankunft Christoph Kolumbus’ als vermeintliche Angehörige eines erfundenen indigenen Volkes in einem Käfig auftraten.[4] Die Arbeit zielte auf eurozentrische Entdeckungsnarrative und koloniale Menschenausstellungen; zahlreiche Besucher hielten die Inszenierung für echt, bevor sie 1993 auf der Whitney Biennial gezeigt wurde.[5][4] Nach den Folterskandalen von Abu Ghraib entwickelte Fusco mehrere Arbeiten über militärische Verhöre und die Rolle von Frauen im sogenannten Krieg gegen den Terror.[6] Für das Video Operation Atropos (2006) absolvierte sie mit sechs weiteren Frauen ein viertägiges Training bei ehemaligen militärischen Verhörspezialisten, wobei die Teilnehmerinnen abwechselnd Gefangene und Verhörende spielten.[6] Die Arbeit betrachtet, wie Rollenspiel, mediale Bilder und geschlechtlich kodierte Machtausübung die Wahrnehmung militärischer Gewalt prägen.[7] In ihren Kuba-Arbeiten kontrastiert La plaza vacía (2012) historische Massenkundgebungen mit dem menschenleeren Revolutionsplatz in Havanna, während La confesión (2015) die erzwungene öffentliche Selbstbezichtigung des Dichters Heberto Padilla behandelt.[8] In Your Eyes Will Be an Empty Word (2021) rudert Fusco um Hart Island und streut Blumen zum Gedenken an namenlos bestattete Opfer der Covid-19-Pandemie ins Wasser; das Video wurde 2022 auf der Whitney Biennial erstmals gezeigt.[9] Ihre erste Retrospektive in Deutschland war 2023/2024 im KW Institute for Contemporary Art in Berlin zu sehen; 2025 folgten eine Retrospektive im Museu d’Art Contemporani de Barcelona und ihre erste Überblicksausstellung in den Vereinigten Staaten im El Museo del Barrio.[5][1][2] Mit der Porträtserie Everyone Who Lives Here Is a New Yorker stellte sie 2025 neu zugewanderte Bewohner New Yorks in einen visuellen Dialog mit historischen Einwandererfotografien von Lewis Hine.[8]

Commons: Coco Fusco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Coco Fusco, artista: „No conozco a ningún blanco americano que vaya a hacer el trabajo de un inmigrante recién llegado“. In: El País. 23. Mai 2025, abgerufen am 17. Juni 2026 (spanisch).
  2. a b c Coco Fusco Refuses to Be Pigeonholed. In: New York Magazine. 18. September 2025, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  3. a b Coco Fusco, artista conceptual y ‘performer’: „A mí no me interesa la problemática de la belleza, me interesan las relaciones de poder“. In: El País. 22. September 2025, abgerufen am 17. Juni 2026 (spanisch).
  4. a b Countering the Fetishization of Indigenous Art. In: Frieze. 15. März 2021, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  5. a b Coco Fusco. In: Kulturstiftung des Bundes. Abgerufen am 17. Juni 2026.
  6. a b Coco Fusco's ‘Operation Atropos’: Fantasy Interrogation, Real Tension. In: The New York Times. 30. Mai 2006, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  7. Coco Fusco. In: Frieze. 2. September 2006, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  8. a b Coco Fusco in New York: political art with a poetic twist. In: Financial Times. 7. Oktober 2025, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  9. In Whitney Biennial video, Coco Fusco meditates on New York’s island of lost souls. In: The Art Newspaper. 1. April 2022, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).

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