Carl Winand
Carl Hubert Winand (* 29. Oktober 1879 in Bonn; † 4. Juli 1955 in Hamburg) war ein deutscher Architekt.
Leben
Der 1879 in Bonn geborene Architekt Carl Winand war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Hamburg tätig. Sein Büro befand sich nachweislich seit den 1920er-Jahren im Haus Rosenstraße 11 im der Hamburger Altstadt; als Wohnadresse ist ab 1929 das Haus Woermannsweg 1 in Hamburg-Fuhlsbüttel belegt.[1] Winand war Mitglied im Deutschen Werkbund und im Bund Deutscher Architekten; entsprechend führte er die Berufsbezeichnungen „Architekt D.W.B.“ beziehungsweise „Architekt B.D.A.“
Mit dem Architekten Fritz Höger war Winand befreundet und stand mit ihm in brieflichem Kontakt. Gemeinsam mit Höger und Kurt Felix Schmidt entwarf Winand einen Ausstellungspavillon für die erste vom Hamburger Überseeclub veranstaltete „Überseewoche“, die im August 1922 stattfand. In diesem Gebäude mit expressionistischen Formen – ineinander verschachtelte Würfel – präsentierte die Hamburger Ortsgruppe des Deutschen Werkbundes eigene Arbeiten, darunter erstmals ein Holzmodell des geplanten Chilehauses.[2]
Carl Winand starb am 4. Juli 1955 im Alter von 75 Jahren in Hamburg.
Werk
Carl Winand war unter anderem für den Bau der Hanseatenhalle in Hamburg verantwortlich, die damals als „größte Sporthalle der Welt“ bezeichnet wurde.[3] Guido Harbers, der Chefredakteur der Fachzeitschrift Der Baumeister, stellte das Bauwerk in Heft 11/1935 ausführlich vor; die zugehörigen Lichtbilder im Artikel stammten von Ernst Scheel.[4] Winand plante ebenfalls das große Lichtspieltheater „Schauburg“ am Millerntor, das Ballhaus „Fledermaus“ und das Restaurant „N“ an der Reeperbahn.[5]
Winands Bauten für Kino, Tanz und Gastronomie waren durch eine sachliche, funktionale und weitgehend schmucklose Gestaltung geprägt. Er lehnte historisierende und romantisierende Dekorationen ab und entwickelte stattdessen Baukörper, deren äußere Form sich aus der jeweiligen Nutzung und der inneren Organisation der Gebäude ergab. Seine architektonischen Arbeiten wurden in den Jahren 1923 und 1928 in der Fachzeitschrift Moderne Bauformen ausführlich gewürdigt und mit zahlreichen Fotos und Grundrisszeichnungen vorgestellt. In dem Beitrag aus dem Jahr 1928 heißt es:
„Winand gibt einfache sachliche Lösungen, er sieht im Bauwerk einen Organismus, der bestimmte Funktionen zu erfüllen hat und nur von innen nach außen gebildet werden kann. […] Die Gegenwart allerdings ist, Baumeister wie Winand haben das klar erkannt, zur Lösung einer anderen Aufgabe berufen: den für unsere Zeit zweckentsprechenden architektonischen Körper zu gestalten. Es muß einer späteren Zeit überlassen bleiben, für den neuen Körper das ihm gemäße ornamentale Gewand zu finden.“[5]
Außerdem entwarf Winand private Wohnhäuser und ganze Wohnsiedlungen, darunter die Wohnanlage Legienstraße und Vierbergen.[6]
1932 nahm Carl Winand gemeinsam mit dem Bildhauer Werner Zeppenfeld (1893–1933) am Ideen-Wettbewerb für das geplante „Reichsehrenmal“ bei Bad Berka teil. Der Wettbewerb betraf die Gestaltung eines großflächigen Ehrenmals im Berkaer Wald bei Bad Berka in Thüringen, für das rund 1800 Entwürfe eingegangen waren. Das Preisgericht wählte zunächst 20 Entwürfe aus, die mit je 1.000 Reichsmark prämiert wurden. Der Beitrag von Winand und Zeppenfeld gehörte zu den 20 prämierten Entwürfen. Das Projekt wurde nicht verwirklicht.
Werke in Hamburg (Auswahl)
- Hanseatenhalle
- Lichtspieltheater Schauburg
- Ballhaus Fledermaus
- Restaurant „N“
Literatur
- Hugo Koch: Arbeiten des Architekten Carl Winand, D.W.B., Hamburg. In: Moderne Bauformen, Jg. 22, 1923, S. 65–77.
- Martin Feddersen: Zu den Bauten von Carl Winand. In: Moderne Bauformen. Jg. 27, Nr. 5, 1928, S. 169–182 (uni-heidelberg.de).
Weblinks
- Carl Winand in der Datenbank ArchInform
- Historische Fotos vieler Bauten
Einzelnachweise
- ↑ Telefonbücher Hamburg 1927 bis 1953.
- ↑ Werkverzeichnis Fritz Höger, Nr. 113, S. 305, 306 (Digitalisat)
- ↑ Hamburg baut die größte Sporthalle der Welt. In: Hamburger Fremdenblatt. Nr. 8, 8. Januar 1935, S. 1 (uni-hamburg.de [PDF]).
- ↑ Guido Harbers: Die Hanseatenhalle Hamburg. Die grösste Sporthalle der Welt. In: Der Baumeister. Nr. 11, November 1935, S. 369–376 (polsl.pl [PDF] mit Architekturfotos von Ernst Scheel).
- ↑ a b Martin Feddersen: Zu den Bauten von Carl Winand. In: Moderne Bauformen. Jg. 27, Nr. 5, 1928, S. 169–182 (uni-heidelberg.de).
- ↑ Ralf Lange: Architekturführer Hamburg. Edition Axel Menges, Stuttgart 1995, S. 288.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Winand, Carl |
| ALTERNATIVNAMEN | Winand, Carl Hubert |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Architekt |
| GEBURTSDATUM | 29. Oktober 1879 |
| GEBURTSORT | Bonn |
| STERBEDATUM | 4. Juli 1955 |
| STERBEORT | Hamburg |
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