Baravelli-Code

Der Baravelli-Code ist ein kommerzielles Codebuch, das gegen Ende des 19. Jahrhunderts vom italienischen Ingenieur Paulo Baravelli konzipiert und veröffentlicht wurde.[1] Er nannte es zunächst italienisch Dizionario per corrispondenze in cifra (deutsch „Wörterbuch für Korrespondenzen in Ziffern). In späteren Ausgaben wurde der Titel gekürzt auf: Corrispondenza in cifra.

Geschichte

Wie viele „Kürzelcodes“ (englisch brevity codes) im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, beispielsweise der Phillips Code, konzipierte auch Baravelli seinen Code in erster Linie nicht zur Chiffrierung, also für die Geheimhaltung von Nachrichten, sondern zur Komprimierung. Hauptzweck war, im damaligen Telegrafenverkehr, in dem Telegramme nach der Länge der Texte bezahlt wurden, diese zu kürzen und damit Zeit bei der Übertragung einzusparen und letztendlich die Kosten zu senken.

Dazu ersetzte er Buchstaben, Silben, Wörter und Phrasen, die in den typischen Telegrammtexten immer wieder benutzt wurden, durch Zahlen. So konnten Mitteilungen in kompakter und prägnanter Weise kommuniziert werden.

Es gab mehrere Ausgaben des Buchs (siehe auch: Bilder unter Weblinks), darunter die folgenden:

  • 1873 erschienen in Rom und Florenz,
  • 1888 in Rom,
  • 1894 in Turin und
  • 1905 in Turin.

Aufbau

Baravelli entschied sich bei seinem Code für die folgende Zuordnung:[2]

  • einstellige Zahlen (0–9) für Vokale und Interpunktionszeichen,
  • zweistellige Zahlen (00–99) für Konsonanten und häufige Hilfsverben,
  • dreistellige Zahlen (000–999) für häufige Silben und
  • vierstellige Zahlen (0000–9999) für bestimmte Wörter.

Die letzten beiden Gruppen befanden sich im Buch auf zehn (Seitenzahlen 0 bis 9) beziehungsweise hundert Seiten (00 bis 99). Auf jeder Seite gab es hundert Einträge (00–99). Aus der Kombination der Seitennummer und der Codenummer ergab sich die jeweilige Codezahl.[3]

Zusätzlich war es möglich, eine alternative Seitennummerierung zu wählen. Hierzu konnte der Benutzer die Seitennummern frei ändern. Auch gab es auf den Seiten freie Plätze, in die man beliebige Wörter nach Wahl eintragen konnte. So ließ sich der Code, insbesondere im Fall einer nur zweiseitigen Korrespondenz, auf die speziellen Bedürfnisse der Anwender maßgeschneidert anpassen und über die geänderten Seitennummern sogar ein gewisses Maß an kryptografischer Sicherheit erreichen.

Panizzardi-Telegramm

Zu ungewollter Berühmtheit kam der Baravelli-Code in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Der italienische Militärattaché in Paris, Alessandro Panizzardi (1853–1928), wollte auf geheime Weise das italienische Armeehauptquartier über Dreyfus informieren. Zur vermeintlichen sicheren Verschlüsselung seines Telegramms verwendet er eine so modifizierte Form der ersten Fassung des Baravelli-Codes von 1873.

Französische Stellen aber, die das Telegramm abfangen ließen, erkannten schnell den zugrundeliegenden Code und konnten den Klartext – teilweise – ermitteln. Daraus erwuchs die Dreyfus-Affäre (siehe auch: Dreyfus-Affäre – Erste Berichterstattung in der Presse).[4][5]

Literatur

  • F. L. Bauer: Entzifferte Geheimnisse –Methoden und Maximen der Kryptologie. 3. Auflage. Springer, Berlin u. a. 2000, ISBN 3-540-67931-6, S. 77, 213.
  • Tom Standage: Das Viktorianische Internet – Die erstaunliche Geschichte des Telegraphen und der ersten Online-Pioniere des 19. Jahrhunderts. Midas Management Verlag, 2002, ISBN 3-907100-72-7, S. 136–138.

Einzelnachweise

  1. Tom Standage: Das Viktorianische Internet – Die erstaunliche Geschichte des Telegraphen und der ersten Online-Pioniere des 19. Jahrhunderts. Midas Management Verlag, 2002, ISBN 3-907100-72-7, S. 135–136.
  2. Tom Standage: Das Viktorianische Internet – Die erstaunliche Geschichte des Telegraphen und der ersten Online-Pioniere des 19. Jahrhunderts. Midas Management Verlag, 2002, ISBN 3-907100-72-7, S. 136–137.
  3. S. Tomokiyo: Nonsecret Code – An Overview of Early Telegraph Codes. Dizionario per corrispondenze in cifra (1873, Rome-Florence) by Paolo Baravelli. Cryptiana, 21. Juli 2024, abgerufen am 30. Januar 2026 (englisch).
  4. Tom Standage: Das Viktorianische Internet – Die erstaunliche Geschichte des Telegraphen und der ersten Online-Pioniere des 19. Jahrhunderts. Midas Management Verlag, 2002, ISBN 3-907100-72-7, S. 134–140.
  5. F. L. Bauer: Entzifferte Geheimnisse –Methoden und Maximen der Kryptologie. 3. Auflage. Springer, Berlin u. a. 2000, ISBN 3-540-67931-6, S. 213.

Content Disclaimer

Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.

  1. The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
  2. There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
  3. It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
  4. Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
  5. Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.