Alice Clark

Alice Clark (* 1. August 1874 in Street, Somerset; † 11. Mai 1934 ebenda) war eine englisch-britische Historikerin, Unternehmerin und Frauenrechtlerin.[1]

Leben

Clark war das vierte von sechs Kindern von William Stephens Clark (1839–1925), einem Schuhfabrikanten und Sozialreformer, und Helen Priestman Bright (1840–1927). Hilda Clark (1881–1955) war ihre Schwester. Der Reichtum ihrer Familie stammte aus dem Schuhfabrikunternehmen C. and J. Clark Ltd. in Street. Clark zählte einige bekannte Quäkerinnen zu ihren Vorfahren und war selbst von Kindheit an Quäkerin.

Zunächst zu Hause ausgebildet, ging Clark ab Mai 1891 an die Quäkerschule in Southport, die auch ihre Mutter bereits besucht hatte.[2] Sie schloss ihre Ausbildung dort im Dezember 1892 ab, nachdem sie die Cambridge-Immatrikulationsprüfungen bestanden hatte. Im Gegensatz zu ihren drei Schwestern setzte sie jedoch ihre formale Ausbildung nicht an einer Universität oder Hochschule fort. Stattdessen entschied sie sich, in das Familienunternehmen einzutreten und begann 1893 eine informelle Ausbildung, in der sie die verschiedenen Prozesse der Schuhherstellung und des Schuhverkaufs erlernte.

In der Familie Clark waren mehrere Frauen, die in der Frühzeit der Kampagne für das Frauenwahlrecht eine führende Rolle spielten, neben ihrer Mutter unter anderen Priscilla Bright McLaren, Margaret Tanner oder Anna Maria Priestman. Clark folgte ihrem Beispiel und setzte sich seit ihrem frühen Erwachsenenalter unermüdlich für die Rechte der Frauen ein. Ab den 1890er Jahren setzte sie sich als Mitglied der Women’s Liberal Federationn ein und gründete einen Ortsverband in ihrer Gemeinde.

1897 erkrankte Clark schwer und sie musste in ein Sanatorium im Schwarzwald gehen, konnte aber in ihre Leitungspositionen in der Fabrik zurückkehren. Als das Unternehmen 1904 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, wurde sie zu einer der fünf ersten lebenslangen Direktorinnen der C. and J. Clark Ltd. ernannt. 1909 erkrankte sie erneut schwer und es wurde Tuberkulose im Hals- und Lungenbereich diagnostiziert. Bis 1912 kämpfte Clark mit der Krankheit, besiegte sie aber letztendlich.

Nach ihrer Genesung distanzierte sie sich von den zunehmenden militanten Entwicklungen der Suffragetten und unterstützte National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS). Dazu ließ sie sich in London nieder. Sie schnell in die Führung der NUWSS auf und trat 1913 ihrem Exekutivkomitee bei. Sie wurde deren stellvertretende parlamentarische Sekretärin in der Zeit, in der die NUWSS eine Kooperation mit der Labour Party anstrebte, um die liberale Regierung unter Druck zu setzen, das Wahlrecht für Frauen zu verabschieden.[3]

1914 erhielt Clark das „Charlotte-Shaw“-Stipendium der London School of Economics. Ihre unter der Leitung von Lilian Knowles durchgeführten Forschungsarbeiten wurden unter dem Titel „The Working Life of Women in the Seventeenth Century“ 1919 veröffentlicht.[4] Diese Arbeit gehörte zu den frühesten Studien auf diesem Gebiet, stellt bis heute eine der umfassendsten Untersuchungen zu diesem Thema dar und wurde mehrfach nachgedruckt. Sie steht stellvertretend für die „pessimistischen“ Darstellungen, die argumentieren, dass das Aufkommen des Kapitalismus die wirtschaftliche und soziale Stellung der Frauen untergraben habe. Einige ihrer Erkenntnisse wurden durch spätere Forschungen bestätigt.[5]

Während des Ersten Weltkriegs spielte Clark eine wichtige Rolle im Friends War Victims Relief Committee, dem Quäker-Hilfskomitee zur Unterstützung von Flüchtlingen in Frankreich und bei der Organisation der Hungerhilfe in Österreich nach dem Krieg. 1922 kehrte sie schließlich vollzeitig in das Familienunternehmen zurück, wo sie eine Vorreiterin in den Bereichen Marketing, Mitarbeiterschulung und Personalmanagement.

Clark starb 1934 in ihrem Haus in Street.

Einzelnachweise

  1. Sofern nicht explizit anders angegeben folgt die Darstellung Sandra Stanley Holton: Clark, Alice (1874–1934). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/38517.
  2. Elizabeth Crawford: Clark, Helen Priestman Bright. In: The Women’s Suffrage Movement: A Reference Guide 1866–1928. Routledge, London 2003, ISBN 0-7484-0379-5, S. 112–114.
  3. Gillian Murphy: Alice Clark – a suffragist from LSE. London School of Economics and Political Science, 25. Juli 2018, abgerufen am 30. November 2025.
  4. Alice Clark: Working life of women in the seventeenth century. Routledge, London 1919 (archive.org).
  5. Maxine Berg: The first women economic historians. In: Economic History Review. Band 45, Nr. 2, 1992, S. 308–329, JSTOR:2597625.

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