Alfred Finsterer

Alfred Finsterer (* 8. Juni 1908 in Nürnberg; † 25. Januar 1996 in Stuttgart) war ein deutscher Maler, Grafiker und Typograph.

Das Grab von Alfred Finsterer und seiner Ehefrau Gerda Finsterer-Zuber auf dem Johannisfriedhof (Nürnberg)

Leben

Nach der Ausbildung zum Industrie-Grafiker an der Kunstgewerbeschule Nürnberg bei Rudolf Schiestl arbeitete Finsterer zunächst als Grafiker. In der Zeit des Nationalsozialismus war er Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Für diese Zeit ist seine Teilnahme an 27 großen Ausstellungen sicher belegt,[1] darunter von 1937 bis 1942 an fünf Großen Deutschen Kunstausstellungen in München mit neun Druckgrafiken, von denen die Kanzlei Hitlers drei Radierungen und Heinrich Himmler und Theo Memmel je einen Holzschnitt erwarben. 1935 wurde er als einer von zehn deutschen Künstlern ausgewählt, um auf der Chicago International Exhibition auszustellen. Im selben Jahr wurde er als Dozent an die Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig berufen, wo er ab 1939 bis 1945 als Professor[2] und Leiter der Meisterklasse für Holzschnitt tätig war. Ein Brand in der Akademie zerstörte sein Atelier und seine dort lagernden Werke vollständig. Das Adressbuch verzeichnete ihn u. a. 1943 in der Kaiser-Wilhelm-Straße, der heutigen August-Bebel-Straße, 28

Ab 1946 war Finsterer im Verlagswesen tätig. Zunächst von 1946 bis 1947 als Redakteur für Zeitschriften und verantwortlich für die Buchausstattung beim Sebaldus Verlag, Nürnberg. Von 1947 bis 1973 wurde Finsterer künstlerischer Leiter des Philipp Reclam jun. Verlages in Stuttgart. Parallel war er von 1952 bis 1957 für die Schriftgießerei Gebrüder Klingspor, Offenbach/Main beratend tätig, für die er auch Schriften entwarf. Außerdem stammten Illustrationen in Schriftproben aus seiner Hand. Des Weiteren war er von 1957 bis 1973 auch für das Druck- und Verlagshaus Belser in Stuttgart tätig. Zusätzlich übernahm er Buchausstattungen für die Verlage Kröner, Artemis, Brockhaus, Hirsemann und Suhrkamp.

Er wandte sich zunehmend der Buchgrafik zu, begann ab 1960 erste Versuche im Metalldruck und mit der Herstellung von großformatigen Farbradierungen. 1984 entwarf er Cover für die Vierteljahrsschrift Philobiblon. Eine Vierteljahresschrift für Buch- und Graphik-Sammler.

Verheiratet war er mit Gerda Finsterer-Stuber.

Werke von Finsterer befinden sich unter anderem im Klingspor-Museum in Offenbach am Main, den Städtischen Kunstsammlungen Galerie Albstadt, der Städtischen Galerie Stuttgart, der Graphischen Sammlung der Stadt Nürnberg, der Staatsgalerie Stuttgart sowie der ETH Zürich.

Auszeichnungen

Werkbeispiele

  • Die Hopfenbauern (Holzschnitt, 1936 in Leipzig auf der Deutschen Graphikschau)[3]
  • Vier ernste Gesänge von Johannes Brahms. Radierungen Alfred Finsterer. Aldus-Presse, Reicheneck, 1994
  • Farbige Graphik unserer Zeit. (Editor), Belser, Stuttgart, 1960
  • Hoffmanns Schriftatlas. Ausgewählte Alphabete und Anwendungen aus Vergangenheit und Gegenwart. Hoffmann, Stuttgart, 1952
Schriftenentwürfe
Schriftname Erstguss Schriftgießerei
DUO licht 1954 Gebrüder Klingspor
DUO dunkel 1954 Gebrüder Klingspor
Figura 1954 Gebrüder Klingspor
Titula 1956 unveröffentlichte Privatschrift

Ausstellungen (unvollständig)

  • Berlin, 1934
  • Chicago, 1935
  • Weltfachausstellung Paris 1937
  • China, 1937
  • Städtisches Bodensee-Museum, Friedrichshafen, Retrospektive, 1976
  • Gutenberg-Museum, Mainz, 1980
  • Klingspor-Museum, Offenbach a. M., 1983
  • Stadtgeschichtliches Museum, Nürnberg, 1988/1989
  • Städtische Galerie Albstadt, Zeichnungen und Radierungen, 1990
  • Klingspor-Museum: Umbruch. Kunst der schönen Schrift, Offenbach am Main, Ausstellung mit Werken aus dem Nachlass des Künstlers, 2006

Literatur

  • Robert Thoms: Große Deutsche Kunstausstellung München 1937–1944. Verzeichnis der Künstler in zwei Bänden, Band I: Maler und Graphiker. Neuhaus, Berlin, 2010, ISBN 978-3-937294-01-8.
  • Katalog des Klingspor-Museums: Alfred Finsterer – Grafik als Lebenslinien. Klingspor-Museum, Offenbach 2006.
  • Stefan Soltek: Alfred Finsterer. Grafik für und nach Reclam. In: Reclam. Die Kunst der Verbreitung. Begleitband zur Ausstellung im Klingspor-Museum 22. Februar bis 2. April 2006. Stuttgart, Reclam 2006, S. 25–34.
  • Heimo Ertl (Hrsg.): Alfred Finsterer, Graphiken zur Bibel: Farbradierungen, Radierungen, Montagedrucke; Werkverzeichnis von 1988–1994. Oehler Medien, Ötisheim 1994, ISBN 3929551861.
  • Alfred Finsterer – Zeichnungen und Radierungen: Ausstellungskatalog. Städtische Galerie Albstadt, Albstadt 1990 (Veröffentlichungen der Städtischen Galerie Albstadt; 66), ISBN 3-923644-32-9.
  • Alfred Finsterer, Druckgraphik: Farbradierungen, Radierungen, Montagedrucke 1979–1988. Verlag Carl, Nürnberg 1988.
  • Paul Quensel: Alfred Finsterer. Gedanken über sein Leben und Werk. Belser, Stuttgart 1979.
  • Alfred Finsterer. Farbradierungen, Gouachen, Zeichnungen. Städtisches Bodensee-Museum, Friedrichshafen 1976.

Einzelnachweise

  1. Martin Papenbrock, Gabriele Saure (Hrsg.): Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen. Teil 1. Ausstellungen deutsche Gegenwartskunst in der NS-Zeit. VDG, Weimar, 2000; S. 424 passim
  2. Das Adressbuch verzeichnet ihn 1943 lediglich als „Dozent“.
  3. Deutsche Graphik-Schau (1937). Abgerufen am 14. August 2026.

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